Offener Brief wegen Situation am RKU

Mit einem Brief wenden sich der RKU-Betriebsrat und der Klinikums-Personalrat an die Stadträte von Ulm und Neu-Ulm – mit der Bitte um Hilfe.

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„Wir bitten Sie, uns zu unterstützen, in dem Sie sich gegen Auslagerungen und Kündigungen in den Ulmer Kliniken aussprechen und sich für eine andere Krankenhauspolitik einsetzen“, schreiben der Betriebsrat des Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) und der Personalrat des Uni-Klinikums in einer gemeinsamen Resolution, die sie an die Stadträte von Ulm und Neu-Ulm geschickt haben. Hintergrund ist einerseits die geplante Kündigung von über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des RKU (wir berichteten). Viele langjährige und ältere Beschäftigte, davon über zehn Prozent Schwerbehinderte, seien von den beabsichtigten Kündigungen durch die Geschäftsführung betroffen.

Die beiden Arbeitnehmervertretungen gehen davon aus, dass die Bereiche Küche, Cafeteria, Patientenservice, Hauswirtschaft und Medizintechnik an Sana-Tochtergesellschaften ausgelagert werden sollen. „Wir befürchten nicht nur den Verlust der Arbeitsplätze, sondern auch, dass auf diesem Wege Gewinne des gemeinnützigen RKU durch den Sana-Konzern abgeschöpft werden.“

Warum die beiden Vorsitzenden – Edwin Zell auf RKU-Seite und Bruno Stemmer auf Klinikums-Seite – einen gemeinsamen Brief an die Stadträte verfasst haben, hat noch einen zweiten Grund: nämlich den, dass auch am Uni-Klinikum immer mehr Bereiche ausgelagert werden. Mit dem Ziel, Personalkosten zu Lasten der Beschäftigten einzusparen. Mittlerweile arbeiteten in der Tochterfirma DUU (Dienstleistungs-Gesellschaft Universitätsklinikum Ulm) über 600 Personen. Kritisiert wird, dass diese Mitarbeiter nicht mehr nach dem Tarifvertrag der Uniklinik in Baden Württemberg oder dem Sana-Tarifvertrag bezahlt würden, sondern zum Beispiel gemäß dem Mindestlohn in der Gebäudereinigung mit einem Stundenlohn von 8,82 Euro. „Neben diesem niedrigen Lohnniveau verstärkt der hohe Anteil an kurzen, befristeten Arbeitsverträgen die prekäre Situation der dort Beschäftigten“, heißt es dort weiter.

Sowohl Zell und Stemmer als auch Verdi-Gewerkschaftssekretär Anton Schmid befürchten, dass die Küche in der Neuen Chirurgie, deren Betrieb durch das Klinikum bis Ende 2012 zugesagt sei und die aktuell von einer Sana-Tochtergesellschaft analysiert werde, vor der Auslagerung steht. Die Praxis der Geschäftsführungen wirke sich „negativ auf die Arbeitssituation aller Beschäftigten aus“. Beschäftigte in Verwaltung, Therapie und Pflege hätten Angst um ihre Arbeitsplätze.

Der Patient solle wieder im Mittelpunkt stehen – und nicht Gewinnmaximierung und Kostenreduzierung auf Kosten der Arbeitssituation in den Ulmer Kliniken. „Wir wollen eine konstruktive Zusammenarbeit der beiden Kliniken zum Wohle der Ulmer und Neu-Ulmer Bürger und der Beschäftigten und keine Teilung der Beschäftigten und Ausgrenzung in den Niedriglohnsektor mit prekären Arbeitsbedingungen“.

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Kommentare

29.09.2012 14:39 Uhr

Gegen Privatisierung von Kliniken! Das ist Raubtierkapitalismus!

Ich bin gegen Privatisierung von Kliniken! Was man hier von den Sana-Kliniken sieht, ist Raubtierkapitalismus!

2 Mio € Gewinn, und Leute entlassen! Toll!!

Und die Uni Ulm macht hier mit!

So werden immer mehr Ärzte ins Ausland gehen. Aber Hauptsache, der Gewinn stimmt!

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28.09.2012 20:41 Uhr

Eine Klinik ist kein Produktionsbetrieb

Die Öffentlichkeit zu informieren und nach Unterstützung bei politischen und gesellschaftlichen Kräften zu suchen, ist ein guter Weg, um einer permanenten Steigerung des Leistungsdrucks und einer Auslagerung von Arbeitsplätzen am RKU und den Unikliniken Ulm entgegenzutreten.

Überforderung der Mitarbeiter, ihre Überwachung, Auslagerung von Arbeitsplätzen und Kündigungen führen zu einem miserablen Arbeitsklima, in dem Angst, Wut und Enttäuschung herrschen. Das kann auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Patientenversorgung bleiben.

Männern wie Dr. Uwe Gretscher (Sana Kliniken AG) oder Rainer Schoppik (Kaufmännischer Direktor Uniklinik Ulm) darf man nicht das Feld überlassen. Ihre Rationalisierungsstrategien schaden den Kliniken und leisten einen Beitrag zur negativen strukturellen Veränderung unseres Gesundheitssystems.

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