Obstwiesenfestival mit 11.000 Besuchern: Von France-Dance bis Indie-Pop

Bands wie The Mighty Oaks, Claire und Hundreds wurden auf der Obstwiese gefeiert. Das Festival blieb von Regen fast verschont und fuhr mit mehr als 11.000 Besuchern die Ernte für ehrenamtliche Arbeit ein.

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  • Musiker, Stimmung und Bands beim Obstwiesenfestival 2014 (von links nach rechts): Sängerin Eva Milner vom Freitags-Headliner Hundreds, ein Blick über die Mighty Oaks hinweg ins Publikum - und Guillaume Ferran, der Sänger und Keyboarder ist Frontman der französischen Gruppe Griefjoy. Fotos: Udo Eberl 1/3
    Musiker, Stimmung und Bands beim Obstwiesenfestival 2014 (von links nach rechts): Sängerin Eva Milner vom Freitags-Headliner Hundreds, ein Blick über die Mighty Oaks hinweg ins Publikum - und Guillaume Ferran, der Sänger und Keyboarder ist Frontman der französischen Gruppe Griefjoy. Fotos: Udo Eberl
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Weder von Unwettern noch von wiederholter Gelände-Suche hat sich das Team des Obstwiesenfestivals (OWF) in den vergangenen Jahren unterkriegen lassen. Dieses Wochenende hatten die Ehrenamtlichen nun das Glück der Tüchtigen - was Wetter und Besucherzahlen angeht. 1500 kamen am Donnerstag zum Film und zu Yasi Hofer, sage und schreibe 6000 Musikfans am lauen, trockenen Freitag und immerhin 4000 Umsonst & Draußen-Gänger am Samstag. Da kam bei Dornstadt im Gegensatz zur näheren Umgebung nicht mehr als leichtes Tröpfeln vom Himmel.

Unterstützt von der örtlichen Feuerwehr und dem Roten Kreuz hatte das eingespielte Team nicht nur ein starkes Programm, sondern auch eine professionelle Infrastruktur auf die Beine gestellt - wie immer inklusive OWF-Seelen. Beseelt war über weite Strecken auch das Gebotene. Die Auswahl reichte von Indie-Delikatessen über gängigen Folk und Pop, bis hin zu kernigem Rock und tiefnächtlichem Elektro-Gepumpe. Moderiert von den Ulmer Spitzspatzen zeigte sich das Festival bereits am Freitag ganz groß.

Zunächst kündigte das Duo eine "Bunger Bunger Party" an. Songwriter Enno Bunger aus dem hohen Norden zeigte im Band-Großformat in der Tat, dass er nicht nur für tiefe Melancholie, sondern auch für breitwandigen Stadion-Pop gut ist. "Krass, wie viele Lastwagen hier fahren", bemerkte die Band Fuck Art, Lets Dance! beim Blick auf die nahe Autobahn. Die konnte den Vierer aus Hamburg dennoch nicht ablenken von seinem fiebrigen Indie-Elektro-Mix. Die Mighty Oaks, die Ende vergangenen Jahres das letzte offizielle Konzert in der zur Sauna umgewandelten OWF-Tanke spielten, ließen auch open air nichts anbrennen. Von hunderten Huckepack-Mädchen gefeiert, vom größten Chor des Festivals begleitet, bewiesen sie, dass sie mehr sind als die folkigen Kids von Mumford. Apropos: Die Regio-Helden Short Sellers gaben tags darauf ihren Abschied vom Trioformat. Da blinzelte sogar die Sonne aus den Wolken.

Während die Freitags-Headliner Hundreds trotz gewaltigen Talents eine tiefgefrorene Soft-Techno-Pop-Show boten, die nicht die erhoffte Magie versprühte, erfüllten derlei Erwartungen die Franzosen Griefjoy: Die Multiinstrumentalisten um Sänger und Pianist Guillaume Ferran tauschten die Plätze wie auch die Sounds, klangen zwischen France-Dance, Indie-Pop und Techno immer homogen und mitreißend - selbst der vierstimmige Gesang machte Gänsehaut.

Für viele jüngere Besucher gehörten Claire am Samstag zu den Höhepunkten des Obstwiesenfestivals 2014: Die Münchner trimmen Elektro und Pop in Richtung Mainstream, vermeiden durch Druck und Spielfreude das allzu Seichte.

Natürlich gab's auch Feines aus der Abteilung Rock zu hören: Die Ulmer The Canvas Divine, die Belgier Girls in Hawaii und die irischen Funeral Suits mit frickeligen Elementen zwischen den Gitarren-Riffs, die hoch gehandelten Niederländer Mozes and the Firstborn im wieder aktuellen, deswegen aber noch nicht spannenden Retro-Look von den 70ern bis Nirvana, und die Losers irgendwo im anstrengenden und verdunkelten Nirgendwo zwischen Prog, Post und Industrial. Bei den musikalisch planlosen und verhedderten Is Tropical blieben derlei Aha-Momente jedoch auf der Strecke. Besser gefiel die "Hallöle"-Konsequenz mit Rockpop-Grip der österreichischen Bilderbuch und die elfköpfige Folk-Wut der texanischen Band East Cameron Folkcore, die mit Gebläse, Gitarren und Cello loswetterten, als gäbe es kein Morgen mehr. Fulminant war zudem am Samstag der Auftritt des Duos Vin Blanc/White Wine mit Joe Haege: Performance als Konzert, aufwühlend anders, gebrochen gut.

Und Bottled in England aus Dänemark sorgten für den DrumnBass-Techno-Cyberpunk-Kehraus mit echten Drums und reichlich Schmackes. Fazit: Keine echten Ausfälle, viel Gutes, wahre Perlen - das OWF 2014 bleibt in bester Erinnerung.

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