Ob-Wahl in Ulm: Grüne tun sich schwer

Mit Ministerialdirektorin Dr. Simone Schwanitz hatten die Grünen ein heißes Eisen im Feuer. Doch nach deren Absage tut sich der Kreisverband schwer bei der Kandidatensuche für die anstehende OB-Wahl.

|

Der Verzicht auf eine erneute Kandidatur von Ivo Gönner für den OB-Posten in Ulm hat sich die letzten Wochen mehr als deutlich abgezeichnet. Für die Grünen in Ulm kam er aber offenbar überraschend. SPD-Kandidat Martin Rivoir gab seine Kandidatur bereits am Tag darauf bekannt, CDU-Mann Gunter Czisch erklärte auch sofort, festgelegt zu sein, sich aber erst nach Schwörmontag äußern zu wollen - alle Welt weiß, dass der langjährige Stellvertreter Gönners antreten wird. Sogar die Piraten haben ihren Hut in den Ring geworfen. Lediglich die Grünen zögern, und sind noch nicht einmal entschieden, ob sie überhaupt mit einer eigenen Kandidatin antreten werden.

Wenn sie antreten, dann mit einer Frau als Bewerberin. So viel ist klar. Und einige Zeit war auch mit Ministerialdirektorin Dr. Simone Schwanitz eine hochkarätige Kandidatin im Rennen, die jetzt aber abgesagt hat. "Der Kreisverband hatte ein Gespräch mit mir", bestätigt die Verwaltungschefin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart. Es seien ganz unverbindliche Gespräche gewesen, denen sie jetzt aber eine Absage erteilt habe. "Das war kein langes Hin und Her", sagt sie gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

Dr. Schwanitz ist in Ulm keine Unbekannte. Seit Januar 2014 ist sie Aufsichtsratsvorsitzende am Uniklinikum. Schwanitz war von der Wissenschafts- und Forschungsministerin persönlich berufen worden, nachdem es an ihrem Vorgänger wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten am Uniklinikum scharfe Kritik gegeben hatte. "Ulm ist eine tolle Stadt. Die Anfrage hat mich auch sehr gefreut", sagt die 47-Jährige, fügt aber an, dass sie an ihrer jetzigen Stelle auch viel für Ulm wird tun können. Als OB-Kandidatin scheide sie jedenfalls aus.

Das ist für die Grünen nicht einfach nur eine Kandidatin, die abgewunken hat. An der Personalie Schwanitz zeigt sich das große Dilemma, in dem die Partei in Ulm steckt, deren Stadtratsfraktion spätestens seit den Kommunalwahlen in zwei Lager geteilt ist und sich selber im Weg steht. Namentlich entzündet sich der Streit an einer von manchen in Partei und Fraktion gefühlten Übermacht der Familie Oelmayer. Die andere Gruppe versteht diese Aufregung nicht und setzt vielmehr darauf, den bekannten Namen gewinnbringend einzusetzen.

Auswirkungen hat diese Lähmung beispielsweise auf die Suche nach einer OB-Kandidatin. Die beiden potenziellen örtlichen Kandidatinnen Annette Weinreich ("Auf gar keinen Fall") und Birgit Schäfer-Oelmayer ("Ich sage dazu erstmal nichts") stehen sich kritisch gegenüber und während die eine abwinkt, wartet die andere ab. Derweil laviert der Kreisvorstand, der sich nach Worten von Michael Joukov noch nicht einmal entschieden hat, ob die Partei überhaupt eine eigene Kandidatur anstreben soll.

Tatsächlich führt der Vorstand derzeit Sondierungsgespräche mit den anderen Parteien, in denen die Grünen eine etwaige Unterstützung für den einen oder den anderen Kandidaten ausloten wollen. Ein erstes Gespräch mit der SPD hat diese Woche stattgefunden, und nach Informationen der SÜDWEST PRESSE nicht die gewünschte Klarheit gebracht. Joukov betont deshalb ausdrücklich, dass im Vorstand auch ganz offen über eine mögliche Unterstützung des CDU-Kandidaten Czisch nachgedacht wird.

Zunächst aber müssen sich die Grünen entscheiden, was sie wollen. Ein guter Wahlkampf kostet 25.000 Euro, sagt Joukov: "Wir können uns zwei gute Wahlkämpfe leisten, oder eben einen exclusiven." Die Frage wird also sein, legen die Grünen alles in die Waagschale für die Anfang des Jahres anstehende Landtagswahl und lassen die OB-Wahl sausen, oder es taucht die kommende Tage doch noch eine Kandidatin auf.

Einzig was steht, ist der interne Fahrplan. Bewerberschluss ist am kommenden Donnerstag, spätestens am Freitag, 3. Juli, will der Kreisverband seine Entscheidung präsentieren. Die Mitglieder - sollte es eine eigene Kandidatur geben - würden dann am 23. Juli nominieren.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

27.06.2015 20:38 Uhr

Antwort „Antwort auf „Grüne - Regional-Humor?””

Herr Hahnae,

Sie meinen dochj nicht etwa die Birgit Schäfer-Oelmayer von den Grünen in Ulm?

Die ist doch deutsche, hat eine weiße Hautfarbe - und ist zu allem Überdruss doch auch noch heterosexuell und - womöglich auch noch - dem Christentum zugetan?

Da tun sich in Ulm ja sog. 'homphobe'/'rassistische' Grüne Abgründe auf, wenn die Dame ausschliessliche OB-Kandidatin der Ulmer GrünenInnen werden würde.

Verwunderlich wäre es aber nicht.
Wenn's bei den GrünenInnen um die Besetzung von Pöstchen an der Macht, respektive dem 'Oben bleiben' in der Politik geht ... dann kennt man anscheinend nichts mehr von dem, was man dem unbedarften Steuerzahler und dessen Kindern gerne rund um die Uhr eintrichtert ... :-)

.

Antworten Kommentar melden

27.06.2015 19:00 Uhr

Antwort auf „Grüne - Regional-Humor?”

Den einen die Bush und Clintons, den Ulmern die erdrückende nicht dagegen ankommende Familienbande der Oelmeyer-Dynastie. Was soll man da schon erwarten. ;)

Und ja ich habe fast das selbe gedacht als ich gelesen hatte, es muss eine Frau sein. ;)

Antworten Kommentar melden

27.06.2015 11:26 Uhr

Grüne - Regional-Humor?

(..) Der Verzicht auf eine erneute Kandidatur von Ivo Gönner für den OB-Posten in Ulm hat sich die letzten Wochen mehr als deutlich abgezeichnet. Für die Grünen in Ulm kam er aber offenbar überraschend. (..)

Das kann durchaus passieren, wenn man vor lauter wichtigeren Themen wie z.B. Frauennamenquoten für Ulms Strassennahmen, Multi-Kulti-Schwörmontagsgottesdienste, Schlecker-Dorfläden-Rettungskonzepten, ... im Fokus hat.

Aber was doch sehr verwunderlich ist, ist das 'schwarz-weiss' Denken der Ulmer Grünen:
(..) Wenn sie antreten, dann mit einer Frau als Bewerberin. So viel ist klar. (..)

Weshalb ist das klar?
Weshalb nicht mit einem Mann, der sich als Frau fühlt antreten? Praktisch einem Pendat zum Österreischen Sänger Conchita Wurst - also vielleicht einem Johanna Wurst?
Es grenzt schon ziemlich nah an sog. 'Rassismus' derartige Möglichkeiten grundsätzlich mit dem Begriff 'Frau' auszuschliessen.

Aber so kennt man sie, die Grünen.
BaWü's Kinder von Grünen-Fremden Haushalten in Sachen sexueller Vielfalt qualifizieren wollen, aber selbst - wenn's um Pöstchen an der Macht geht - die Sexuelle Vielfalt nicht abbilden wollen. 'Nur' zwischen Mann und 'Frau' unterscheiden wollen.

Am besten man nimmt's mit Humor - eben Grünem Regional-Humor.
Weil wenn man's ernst nehmen würde, dann müsste man den Grünen in Ulm wirklich unterstellen, das sie 'nur' Mann und Frau kennen. Und mit diesem Denken müssten sie dringendst bei den Grünen Cohn-Bendit-Verstehern in Stuttgart Nachhilfestunden in Anspruch nehmen.

.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Ulm wählt einen neuen Oberbürgermeister

Am 29. November haben die Ulmer einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Im ersten Wahlgang ist Gunter Czisch (CDU) mit 52,9 Prozent OB geworden. Zur Wahl angetreten waren noch Martin Rivoir (SPD), Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne), Anja Hirschel (Die Piraten), Ralf Milde (parteilos), Lisa Collins (Die Partei) und Sevda Caliskan (parteilos).

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Polizei schnappt zwei Psychiatrie-Ausbrecher

Es gibt einen ersten Fahndungserfolg im Fall der drei am Samstag aus der Psychiatrie ausgebrochenen Straftäter in Baden-Württemberg. Zwei Männer sind gefasst. Aber wo ist der dritte Ausbrecher? weiter lesen