OB-Wahl in Neu-Ulm: Hauchdünne Entscheidung

In Neu-Ulm bleibt Oberbürgermeister Gerold Noerenberg sechs weitere Jahre im Amt. Er konnte sich in einer spannenden Stichwahl knapp mit 50,3 Prozent gegen Herausforderer Dr. Detlef Kröger durchsetzen.

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Bei einem regelrechten Wahl-Krimi hat sich der amtierende Oberbürgermeister Gerold Noerenberg am Sonntag hauchdünn gegen seinen Herausforderer Dr. Detlef Kröger durchgesetzt. Noerenberg gewann die OB-Stichwahl mit 50,3 Prozent oder 100 Stimmen mehr – insgesamt 7208. Bei der im Edwin-Scharff-Haus übertragenen Stimmen-Auszählung lag Kröger sogar zeitweise leicht vorne. Nach Auszählung aller 56 Stimmbezirke gegen 18.50 Uhr brach Riesenjubel bei Noerenberg und im CSU-Lager aus. Der Amtsinhaber sagte: „Ich freue mich, dass es noch geklappt hat.“ Ihm sei nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, sondern „eine ganze Wagenladung“. Noerenberg kann somit die dritte Amtszeit antreten.

Mit Blick auf das knappe Ergebnis nannte er Neu-Ulm jedoch eine „zweigeteilte Stadt“. Es werde darauf ankommen, in den nächsten sechs Jahren eine „integrierende Politik“ zu machen. Wie will Noerenberg, dem ein ruppiger Politik-Stil vorgeworfen wurde, das machen? „Fragen Sie mich am Montag“, sagte er im Ansturm von Gratulanten. Das Ganze müsse sich setzen. Seine Wahlparty war im Barfüßer.

Der knapp unterlegene Kröger wirkte etwas enttäuscht: Wer mit guten Aussichten bei einer Stichwahl antrete, möchte auch gewinnen. Er zeigte sich aber erfreut, dass ihn so viele Wähler unterstützt hatten. Dies sende ein klares Signal aus, dass auch für politisch Unerfahrene die Mitwirkung in der Demokratie möglich sei. Kröger ließ offen, ob er sich in Neu-Ulm auch in Zukunft politisch engagiert: „Lassen Sie mir 14 Tage Zeit.“ Die Kampagne, die zuletzt seine berufliche Tätigkeit als Firmenberater in Frage stellte, wollte er nicht kommentieren.

Zu den ersten Gratulanten gehörte der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner. Er betonte, die Zusammenarbeit mit Noerenberg sei stets problemlos verlaufen und von „gegenseitigem Respekt“ geprägt. Die Wiederwahl sei auch eine Bestätigung dafür, dass Noerenberg mit dem Stadtrat Neu-Ulm zuletzt sichtbar vorangebracht habe. Auch Finanzbürgermeister Gunter Czisch war vor Ort und sagte, er freue sich darauf, die eingespielte Zusammenarbeit mit Noerenberg fortzusetzen. Er zeigte sich jedoch nachdenklich angesichts einer Wahlbeteiligung, die anfangs bei 27 Prozent lag, sich aber nach Auszählung aller Bezirke bei über einem Drittel einpendelte.

Der angehende Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) fasste das Kopf-an-Kopf-Rennen so zusammen: „Ende gut, alles gut“. Die Wahl sei überraschend knapp, aber schließlich doch für den kommunalpolitisch erfahrenen Noerenberg ausgegangen. Er freue sich auf die Zusammenarbeit. Seitens der CSU gratulierte die soeben aus Kapstadt zurückgekehrte, in Neu-Ulm lebende bayerische Europaministerin und Vorgängerin Noerenbergs, Beate Merk, via Handy und ihre Assistentin Monika Rudolph.

Für die SPD sagte die Neu-Ulmer Kommunalpolitikerin und Landratskandidatin Antje Esser, sie hätte sich gewünscht, dass die OB-Wahl klarer ausgeht. Nur 100 Stimmen mehr seien „bitter“ für Noerenberg. Daran werde deutlich, dass die Neu-Ulmer sich bei dieser Wahl nicht wirklich entscheiden konnten und der Amtsinhaber für viele letztlich „das kleinere Übel“ war.

Stephan Salzmann, der als PRO-Kandidat beim ersten Durchgang am 16. März noch mit von der Partie war, sieht es ähnlich. Salzmann hatte sich später, wie berichtet, allerdings sogar in Zeitungsanzeigen für Noerenberg in der Stichwahl ausgesprochen: „Ich hab’s mir so gewünscht.“ Unter den mehr als 100 Teilnehmern bei der Wahlparty war auch Gastronom Ebbo Riedmüller, der an der Donau diese Woche sein schwimmendes Restaurant „Bootshaus“ eröffnet und in Neu-Ulm über den „Barfüßer“ hinaus auch das Riku-Hotel betreibt. Er gab sich diplomatisch: „Ich freue mich für den glücklichen Sieger.“ Gleichzeitig empfinde er „hohen Respekt“ für Herausforderer Kröger und dessen sehr gutes Abschneiden.

Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Kröger rund 41 Prozent der Stimmen erhalten, Noerenberg 46, Salzmann 13 Prozent. 

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