OB Noerenberg: Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser effektiv

Die Pegelstände von Iller und Donau waren hoch, sehr hoch. Die Marke vom Pfingsthochwasser 1999 wurde aber nicht erreicht. Der Hochwasserschutz zeigte seine Wirkung. Erst am Montagmorgen fielen die Pegel.

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Während das Hochwasser für die einen vor allem Attraktion ist, bangen andere um ihre Gärten - oder ums Gasthaus, wie das Wirtspaar Baur vom Silberwald. Derweil montieren die Mitarbeiter der Stadt die mobilen Hochwasserelemente. Die Donauwiese war komplett überflutet, auch das Tor beim Metzgerturm wurde später mit Spundwänden gesichert. Fotos: Lars Schwerdtfeger / Privat

Um 16 Uhr lag der Iller-Pegel bei Wiblingen bei 6,78 Meter. Der Scheitel war damit noch nicht erreicht. Zentimeter um Zentimeter stieg das Wasser am Sonntagnachmittag, für die Donau wurde zur gleichen Zeit 4,67 Meter notiert. Die lehmbraune Brühe riss Baumstämme mit, überflutete Uferwege sowie die Donau-Wiese und staute die Blau und den Illerkanal zurück.

"Wir werden keine unangenehmen Überraschungen erleben. Der Hochwasserschutz zeigt seine Wirkung", war der Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg um 15 Uhr überzeugt. Der Höchststand war allerdings erst gegen 22 Uhr erreicht: 6,92 Meter (Iller) und 4,89 Meter (Donau). Was schließlich noch dazu führte, dass die Wiblinger Straße gesperrt werden musste. Kurz nach 0 Uhr gingen die Pegel in der Nacht auf Montag langsam zurück. Dass der Scheitel drei Stunden anhielt, sei eine Besonderheit, hieß es aus Kreisen der Neu-Ulmer Feuerwehr. Den Gründen müsse nachgegangen werden.

Noerenberg sollte recht behalten, was das Hochwasser anging. Die Innenstadt blieb trocken. Probleme warf allerdings das Grundwasser auf. Denn auch das stieg. Die Neu-Ulmer Feuerwehr warnte deshalb die Bürger über Lautsprecher, ihr Hab und Gut aus den Kellern zu schaffen. Betroffen waren unter anderem das Wohngebiet am Illerkanal, das Villenviertel sowie die Straßen am Jahnufer.


Ein Video zeigt, wie schnell die Donau am Sonntag gegen 20 Uhr floss. Es wurde von der Ulmer Stadtmauer aus gefilmt. Von der Donauwiese sowie dem Fuß- und Radweg entlang des Flusses ist wegen der Wassermassen nichts zu sehen.
 


Meldestufe 2 war am Samstagmorgen bereits erreicht und kurz darauf überschritten. Das heißt: Der Pegel der Iller bei Wiblingen lag über 5,25 Meter, der der Donau bei der Adenauerbrücke über 3,50 Meter. Tendenz steigend, und zwar sehr schnell steigend. Gegen 12 Uhr war der Donauweg auf Ulmer Seite teilweise überflutet, unter der Herd- und der Gänstorbrücke gab es kein Durchkommen mehr. Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt wagte zu dieser Zeit eine Prognose: "Das Hochwasser der Iller könnte an die Marke von 1999 heranreichen." Abhängig davon, ob der Regen im Einzugsgebiet von Trettach, Stillach und Breitach - die drei Bäche bilden bei Oberstdorf die Iller - anhält.

Gegen 16 Uhr waren in Neu-Ulm die neuralgischen Punkte abgeschottet. Bei Dauerregen hatten Mitarbeiter des Baubetriebshofs die mobilen Hochwasserelemente auf Höhe des Wonnemar, unterhalb der Adenauer- sowie der Eisenbahnbrücke eingesetzt. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme", wie Uli Frommer sagte. Der Leiter der Abteilung Entwässerung und Wasserbau koordinierte die Arbeiten, die am Sonntagmorgen fortgesetzt wurden.

Der Illerkanal war gegen 10 Uhr fast randvoll, aufgestaut durch die Donau. ",Dones Gartenwirtschaft wird wohl wieder absaufen", prophezeite Frommer. So sollte es auch kommen. Für die Gartenanlage Koppenwörth, westlich des Wonnemar gelegen, hieß es da bereits: Land unter. Um 9.25 Uhr war dort der Strom abgeschaltet worden.

Das Freizeitbad Wonnemar hatte erst gar nicht geöffnet - auf Anraten der Neu-Ulmer Stadtverwaltung. Kurz nach 11 Uhr war der Ring um das Bad mit den Spundwänden geschlossen. Dann machten sich die 16 Bauhof-Mitarbeiter daran, die mobilen Elemente entlang des Illerkanals und der Donau zu setzen. Meldestufen 3 an Iller (6,30 Meter) und Donau (4,30 Meter) waren um 13 Uhr um jeweils mehr als 30 Zentimeter überschritten.

"Wir sind dennoch vorsichtig optimistisch", hatte Reiner Schlumberger, der Einsatzleiter der Feuerwehr Ulm, am Vormittag gesagt. Die Messstelle in Wiblingen ist knapp unter der 7-Meter-Marke, "das wird uns wenig Probleme bringen." Was sich aber ändern könnte, sollte das Wasser doch weiter steigen.

Land unter im Silberwald. Gegen 16 Uhr ist die Terrasse vor dem Wirtshaus überflutet. Bis zur Türschwelle fehlten noch 20 Zentimeter, sagte Wirt Martin Baur am Telefon. Gut hörte er sich nicht an, aber: "Ich vertraue auf meinen Glauben."

Die Blau im Fischerviertel schwappt um 17 Uhr bedrohlich an die Fenster. Willi Schubert, Pächter des Zunfthauses der Schiffleute, steckt bis zur Brust in einer Anglerhose und lässt sich in die braune Brühe. Nur so kommt er an die Außenfenster, die er schließen will. "Ich glaube zwar nicht, dass das Wasser bis dahin steigt - aber wer weiß?" Ein paar Häuser weiter pumpen Anwohner ihren Keller leer, auch das zieht eine Menge Schaulustiger an, die den Helfern teilweise im Weg stehen.

Rückblick auf das Pfingsthochwasser 1999

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