Oana Catalina Chitu im Museum

Mit der neuen Reihe "Donaubegegnungen" will das Donaubüro dem Publikum die Kulturen entlang der Donau nahebringen. Mit dem Konzert "Bucharest Tango" im Museum gelang das begeisternd.

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Berührende Begegnung: Oana Catalina Chitu beim "Bucharest Tango" im Lichthof des Ulmer Museums. Foto: Oliver Schulz

Was für eine Ausstrahlung. Wie sie dasteht, sehr aufrecht, sehr ruhig und doch vibrierend von einer inneren Spannung - man spürt es sofort: Diese Frau ist ganz bei sich. Bei sich, bei ihrer Stimme, ihrer Musik. Keine Show, keine unnötige Bewegung, selbst die kleinste Geste ist eingebunden in eine natürliche Kontrolle. Während sie mit ihrer betörend vollen, warmen und flexiblen Stimme, die zuweilen an Edith Piaf erinnert, Lieder und Tangos aus dem Bukarester Leben der 20er und 30er Jahre singt, gehen einem manche Gedanken durch den Kopf. Etwa, dass der Spruch von der Ruhe, in der die Kraft liegt, immer wieder stimmt. Oder, dass diese junge Frau ihre Kindheit und Jugend in einer der brutalsten Diktaturen des Ostens, in Rumänien unter Ceausescu, verbracht hat. War sie Repressalien ausgesetzt? Wurde sie bedroht? Wie wirkte die heftig ersehnte, so genannte Freiheit auf die 21-Jährige, als sie 1991 nach Berlin kam und dort Klavier, Jazz und Operngesang studierte?

Fragen, auf die Oana Catalina Chitu, jene Sängerin, die am Samstagabend im prallvollen Lichthof des Ulmer Museums das Publikum in Bann zog, als Gast beim nächsten Donaufest antworten könnte- und gerne würde. Denn ihre Vita beschränkt sich in den Booklets ihrer hinreißenden CDs auf dürre Fakten. Einzig die Geschichte von ihrem Vater, der allabendlich auf dem Heimweg vom dörflichen Wirtshaus die verbotenen alten Lieder sang, und die Erinnerung an den antiken Lottoladen ihrer Verwandten in Bukarest, in dem die kleine Oana in den Ferien stundenlang Tangos auf Schellackplatten und den Erzählungen der Tante lauschte, geben Persönliches preis.

Es hat wohl damit zu tun, dass diese Erlebnisse den Grundstein für ihre Berufung zur Sängerin legten. Zu einer ganz besonderen Sängerin, mit einer ganz besonderen Liebe für die Lieder und Tangos der großen rumänischen Sängerin Maria Tanase (1913-1963), die in Deutschland kaum bekannt war. Doch das ändert sich. Seit Oana Catalina Chitu mit ihrer im Jahr 2000 gegründeten Balkanband aus rumänischen, bulgarischen und serbischen (!) Musikern das Repertoire Maria Tanases zu neuem Leben erweckt, wächst der Kreis ihrer Fans. Wirklich gute Geheimtipps bleiben selten geheim.

Einer der frühen Chitu-Fans ist Ulms Baubürgermeister Alexander Wetzig, seit 2011 Vorstandsmitglied im Donautango-Verein. Wetzig tanzt nicht nur gerne Tango, sondern recherchiert auch über dessen Geschichte und sammelt leidenschaftlich CDs. Von ihm stammte die Idee, die rumänische Sängerin mit ihrem "Bucharest Tango"-Programm" zu der neuen Reihe "Begegnungen" des Donaubüros einzuladen. Alles passte: "Der wunderbare Lichthof im Museum, die tolle Zusammenarbeit mit dem Donaubüro und der Museumsleitung, die Unterstützung durch die Günter-Steinle-Stiftung, das faszinierte Publikum, die faszinierende Sängerin mit ihrer Band", sollte Bürgermeister Wetzig später im Gespräch schwärmen. Auch Oana Catalina Chitu war "einfach glücklich".

Besonders die Paare begeisterten sie, die nach der Pause so ungezwungen zu ihren teils melancholischen, teils klezmerartig fröhlich-schrägen und immer wieder vom Zigeuner-Swing durchsetzen Tango-Liedern tanzten: "Das habe ich noch nie erlebt bei meinen Konzerten, das hat mich total inspiriert!" Spannend war auch das Zuschauen, verrät der Tango als gern zitierter "Spiegel des Lebens" doch viel über seine Tänzer.

Und das Zuhören brachte, als im dritten Teil des Abends der beschwingte DJ Wetzig "nebenberuflich" seltene osteuropäische Tangos zum Mittanzen auflegte, neue Erkenntnisse: Wie sich die Tangos gleichen und dennoch je nach länderspezifischen Eigenheiten voneinander unterscheiden. Hat sich so das Motto des Donaubüros musikalisch nicht aufs Schönste erfüllt? Das Unterschiedliche verbinden, das Gemeinsame in der Vielfalt finden.

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