Notfallseelsorge: Gemeinsam Trost spenden

Die Ulmer Notfallseelsorge hat aktuell 38 Mitglieder. Unter den neu „Beauftragten“ sind erstmals zehn türkische und bosnische ...

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„Wir haben mit gemischten Gefühlen die Ausbildung zum Notfallbegleiter begonnen. Aber kulturelle Missverständnisse und Hemmungen wurden schnell abgebaut in einem offenen Dialog.“ Mit eigenen Worten hat Ümmü Kandemir vom türkisch-islamischen Verein Ditib zusammengefasst, wie sich im Verlauf der vier Ausbildungsseminare erfahrene Notfallseelsorger und die künftigen Notfallbegleiter „näher gekommen sind“. Wobei natürlich auch viel Theorie gebüffelt wurde in Sachen Alarmierung, Einsatz am Unfall- oder Brandort und Betreuung von Angehörigen, nachdem die Polizei die Todesnachricht überbracht hat.

Am Samstag folgte zum Abschluss die „Beauftragung“ im Kulturzentrum des Türkisch-Islamischen Vereins Ditib in Söflingen. Die Beauftragung kommt jeweils von der türkischen und bosnischen Gemeinde, bei den Deutschen steht der Dekan dahinter.

Bundesweit einzig ist, dass nun erfahrene deutsche Notfallseelsorger und muslimische Notfallbegleiter – der Islam kennt keine Seelsorger – gemeinsam Trost spenden, wenn hier in der Region beispielsweise ein türkisches Familienmitglied verunglückt ist. Bisher gab es in anderen Teilen Deutschlands nur eine rein türkische Notfallbegleitung. Die Idee stammt vom langjährigen Ulmer Einsatzleiter Helmut Schön. Unterstützt wurde er bei der Ausbildung von Michael Lobenhofer, dem Geschäftsführer der Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis. Mit im Boot sitzen – das nächste multikulturelle Seminar folgt – auch die Stadt und der Landkreis.

Oberbürgermeister Ivo Gönner sagte, die Einmaligkeit dieses Viel-Religionen-Ehrenamtes habe Vorbildcharakter. Demnächst soll in Ulm eine Tagung stattfinden, wie man Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund für ein Ehrenamt gewinnen kann.

Edmin Atlagic, der Vorsitzende der bosnischen Muslimgemeinde Deutschland – er lebt in Ulm – lobte diese Entwicklung in der Region. So eine „Einbettung“ von Muslimen und Migranten in die Gesellschaft sei wichtig. Die moderne Technologie führe dazu, „dass die Menschen sich voneinander abwenden“. Bei der gemeinsamen Notfallseelsorge aber wende man sich einander zu.


Notfallseelsorge braucht immer neue Mitglieder

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