Nostalgie: Zehn Minuten. . . vor der Fußballglotze

Leider müssen wir diesen schönen lauen Spätsommerabend jetzt nach drinnen verlegen, um Fernsehen zu schauen.

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    Schön grün kommt es ins Wohnzimmer aus dem Ulmer Donaustadion - und der Scharinger Rainer von damals war auch mit dabei. Foto: Matthias Kessler
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Leider müssen wir diesen schönen lauen Spätsommerabend jetzt nach drinnen verlegen, um Fernsehen zu schauen. Das erscheint in Anbetracht des bevorstehenden Winters zunächst zwar außerordentlich dämlich, aber bitte, nachdem die Glotze an ist, versöhnt sogleich der Moderator mit seiner Begrüßung: "Herzlich willkommen in Ulm, um Ulm und um Ulm herum!" Lustig! Da wird einem doch gleich richtig warm ums Herz.

19.45 Uhr. Hier läuft nicht die Landesschau im Heimatsender. Hier läuft der Vorbericht zum Regionalligaspiel des SSV Ulm 1846 Fußball gegen den FC Homburg auf Sport 1 live aus dem Donaustadion. So grün wie vor dem Fenster grüßt es auch auf der Mattscheibe aus der Friedrichsau: grüner Rasen und eine grüne Wand von Schalensitzen auf der Gegentribüne, die sich nur langsam füllt und natürlich nicht so voll wird wie zu den Bundesligazeiten der "Spatzen" 1999/2000.

Genau dahin aber führt vor dem Anpfiff nun eine Zeitreise des Sportsenders. Zehn Minuten Nachhilfe in Nostalgie, assistiert von Rainer Scharinger, einst Mittelfeldgott in den Reihen des SSV und immer noch so nett wie damals. Er erzählt, wie er einmal im Jahr ins Donaustadion zurückkommt, um in den Mittelkreis zu schreiten - "und keiner ist da". Da kommen einem kurz die Tränen vor der Glotze, und nur ein kräftiger Schluck gut gekühlten Ulmer Bieres kann trösten.

Einer ist wie damals aber natürlich immer noch da, und das ist der Torhüter Holger Betz. "Ich hab mich richtig erschrocken", sagt Thomas Tuchel im TV-Beitrag jetzt dazu. Er ist fußballerisch mit Betz bei den Ulmern groß geworden und heute Trainer in Mainz. "Aber es gibt einem auch ein gutes Gefühl." Dass da mit Betz wenigstens eine direkte Anknüpfung an die guten alten Ulmer Fußballzeiten geblieben ist.

Und was das für Fußballzeiten waren, wie auf Sport 1 jetzt in Rückblenden eindrücklich nachgewiesen wird, als von Ulm unter dem Trainer Ralf Rangnick die deutsche Fußballrevolution ausging mit Viererkette und Pressing und Überzahlspiel und so. Thomas Tuchel, der unter Rangnicks unwiderstehlichem Ulmer Durchmarsch Regionalliga spielte: "Er hat uns den Fußball erklärt bis auf die Toilette."

Aus diesen Jahren flimmern nun "sensationelle Bilder" aus dem Archiv ins Ulmer Wohnzimmer des Jahres 2013, in dem jetzt langsam mal die Vorhänge zugezogen werden. Die Szene, als Thomas Tuchel eines seiner Tore im Donaustadion mit einer Geste feiert, als werfe er die Angel Richtung I-Block aus; das wird zu Tuchels Vergnügen gleich noch einmal wiederholt. Die Szene, als später dann die Dortmunder Fans im eigenen Stadion die Ulmer Mannschaft feierten. Die Szene, als Rainer Scharinger auf Pass von Janusz Gora gegen Frankfurt von der Strafraumgrenze abzieht und ins Toreck trifft. Die Bilder, für die die Ulmer Mannschaft die Klamotten auszog, um in Unterhosen für Mineralwasser zu posieren.

Hach!

Und dann?

Flasche leer.

Also vor dem Fernseher jetzt kurz vor 20 Uhr. Und bei den Ulmer Spatzen damals auch, die aus der Bundesliga "in ein tiefes Loch" fallen. Zehn Minuten Abgesang. Und Rainer Scharinger gibt folgende Einschätzung zur Lage heute ab: "Schwierig, schwierig." Angesichts der Erwartungshaltung hier und der finanziellen Möglichkeiten da.

Wars das? Nö. Nach diesen 10 Minuten folgen noch 90 Minuten Fußballspiel, und an dessen Ende steht ein gutes 1:1. Draußen vor der Tür macht sich jetzt nächtlicher Frühherbst breit. Da machen wir sie jetzt doch lieber mal zu.

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Kommentare

05.09.2013 18:22 Uhr

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Das nächste Mal lieber ins Donaustadion gehen, werter Herr!

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