Noch mehr Tempo 30 auf Ulms Straßen

Der Gemeinderat lobt die Maßnahmen gegen den Geräuschpegel, der vom Straßenverkehr ausgeht. Fördert allerdings weitere weiterzumachen.

|
Tempo 30.  Foto: 

„Lärm macht krank und ist ein Kernproblem für alle, die in der Stadt wohnen“, sagt Stadtplanungschef Volker Jescheck. Die Stadt verfolge deshalb vier Schwerpunkte:
- Ausweisung von Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen
- Bau von Lärmschutzwänden
- Einbau von lärmminderndem Asphalt
- Zuschüsse für den Einbau von Lärmschutzfenstern.

Auf Zingler-, Karl- und König-Wilhelm-Straße ist nachts bereits Tempo 30 eingeführt. Jescheck zufolge hat sich für dortige Bewohner die Wohnsituation „gefühlt“ verbessert. Zusätzlich soll an folgenden Straßen zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 eingeführt werden: Bismarckring/Furttenbachstraße, Zinglerstraße (westlich der B 10 bis zur Haßlerstraße), Olgastraße (zwischen Neutorstraße und Willy-Brandt-Platz), Wagnerstraße (zwischen Blücherstraße und Bismarckring) sowie Söflinger Straße (zwischen Parlerstraße und Uhlandstraße). Diesen Beschluss hatte der Gemeinderat bereits gefasst, auch die Genehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen liegt seit Juni 2015 vor. Eine seit zwei Jahren laufende Petition verhindert aber die Umsetzung, was Bürgermeister Tim von Winning kürzlich im zuständigen Fachausschuss des Gemeinderats als „unfassbar“ bezeichnete. Die Stadt könne auf das Verfahren jedoch keinen Einfluss nehmen.

Birgit Schäfer-Oelmeyer (Grüne) begrüßt, dass auf der Frauenstraße Tempo-30-Schilder und elektronische Geschwindigkeitsanzeigen aufgestellt wurden. „Dann weiß der Autofahrer: Was fahre ich und halte ich die Geschwindigkeit auch ein?“  Vor allem im Sommer in den Nachtstunden seien auf der Straße  Raser unterwegs, die Lärm verursachen. Dringend notwendig war aus Sicht Schäfer-Oelmeyers auch die Lärmschutzwand im südlichen Dichterviertel. Sie kostete 950.000 Euro, wovon 148.500 Euro vom Land bezuschusst wurden. Siegfried Keppler (CDU) lobte die Investition: „Es sollte aber weitergemacht werden. Das Dichterviertel Nord darf nicht aus den Augen verloren werden.“ 

Auch Gerhard Bühler (Freie Wähler) sieht noch Verbesserungsbedarf: „Jungingen und Lehr sind in einer Lärmfalle. Man kann sich nicht vorstellen wie grausam der Geräuschpegel dort ist.“ Dort sollten deshalb Messungen durchgeführt werden, um herauszufinden woher der Lärm kommt. Winfried Walter (CDU) spricht den Straßenzustand in der Ortsdurchfahrt Donaustetten an. „Die Geräusche sind untragbar wegen des großen Verkehrsflusses.“

Um gegen den Lärm weiter anzugehen sind für 2018 folgende Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 750.000 Euro geplant:

B 10 An der Bundesstraße 10 soll entlang der Thränstraße eine Lärmschutzwand gebaut werden. Wann ist offen, im nächsten Jahr sollen die Planungen beginnen.

Kurt-Schumacher-Ring Eine Lärmschutzwand wird nicht errichtet, weil dafür der eingewachsene Lärmschutzwall abgebaut werden müsste. Stattdessen hatte der Gemeinderat bereits 2016 beschlossen, einen lärmmindernden Asphalt einzubauen. Die Umsetzung ist für das Frühjahr vorgesehen. „Mit dem begrünten Lärmschutzwall haben wir einen doppelten Effekt erreicht und es ist kostengünstiger“, findet Sabine Schuler (CDU).

B 30 In Wiblingen bei der B 30 soll nördlich des Wohngebietes Johannes-Palm-Straße bis Ende des Jahres eine Lärmschutzwand in Lichtbauweise mit tragbaren Elementen entstehen, die auch an anderer Stelle in Ulm verwendet werden könnte. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein.

Bei all den Maßnahmen zur Eindämmung des Lärms fragte BUND-Kreisvorsitzender Martin Denoix: „Kann man auch über Lärmvermeidung nachdenken?“ Die Einführung von Tempo 30 an vielen Straßen gehe schon in die richtige Richtung. Auch E-Mobilität würde viel Lärm verhindern. „Vielleicht müssen wir im Hinblick auf das Jahr 2030 verstärkt daran denken.“

Auch Brigitte Dahlbender (SPD) ist für eine zunehmende Reduzierung des Verkehrs: „Die Linie 2 ist das beste Programm dafür. Aber man sollte noch dringlicher versuchen, die Menschen dazu zu bewegen, gar nicht erst mit dem Auto nicht in die Stadt reinzufahren.“

Kommentar: Tempolimit nicht um jeden Preis

Lärm, das kann das Rauschen des Verkehrs sein, Baustellenkrach, laufende Rasenmäher und Laubbläser, die Musik vom Nachbarn. Es sind nicht nur Autos, Motorräder und Lastwagen, die uns mit ihrem Geräusch auf die Nerven gehen. Aber sie sind das Hauptärgernis, denn jeder Zweite gibt an, dass ihn Straßenlärm stört. Besonders nachts.

Es ist also richtig, dass die Stadt im Rahmen des Lärmschutzplanes ein differenziertes Maßnahmenbündel erarbeitet hat. Flüsterasphalt hier, Schallschluckwände dort. Auch die Klagen aus den Ortschaften, die morgens wie abends unter einer endlosen Blechlawine stöhnen, sind gravierend. Hier macht sich die Ulmer Besonderheit, dass sehr viele Menschen zur Arbeit in die Stadt einpendeln und abends wieder aufs Land wollen, bemerkbar.

Doch in der Innenstadt wird die Sache schwierig. Viele Hauptverkehrsadern sind bedingt durch Baustellen ohnehin chronisch verstopft oder schon verkehrsberuhigt. Vor allem tagsüber aber sollte die ohnehin angespannte Stausituation nicht noch durch weitere Limits weiter verschärft werden. Denn Autofahren ist nicht, wie mancher meint, purer Selbstzweck. Sondern oft genug angesichts fehlender Verbindungen bittere Notwendigkeit.

Ein Kommentar von Harald John.

Lärmaktionsplan Die Stadt ist verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. Er wurde im Dezember 2008 vom Gemeinderat beschlossen. Laut Bundes-Immissionsschutzgesetz müssen die Pläne alle fünf Jahre überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden.

Kommunales Lärmschutzprogramm Im Mai 2001 beschloss der Gemeinderat das kommunale Lärmschutzprogramm mit einer Investitions- und Fördersumme von 6,1 Millionen Euro.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

06.12.2017 20:37 Uhr

Abgas-, urin- und am besten menschenfreie Stadt bitte

Wozu überhaupt noch Autos in die Stadt lassen? Warum hat Ulm noch keine Elektrobusse angeschafft? Wer braucht schon Einzelhandel? Wieso fährt der Bürgermeister einen spritprotzigen Daimler? Warum sind Diesel-Taxis noch erlaubt? Warum gibt es kein stadtbetriebenes Elektro-Carsharing? Für wen baut(e) man all die Parkhäuser?
Jedwede Maßnahme wird durch einen anderen Behördenunfug konterkariert. The Schildburger are back!

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 19:49 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Wieder mal...”””

Was interessieren mich deine Wohnverhältnisse!

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 18:29 Uhr

Was ist eine Stadt ?

Wenn man eine Stadt als ein großes Wohnviertel ansieht, ist Tempo 30 und die üblichen Schickanen richtig.
Versteht man eine Stadt als Zentrum für Besorgungen und Verwaltungsakte, dann ist Tempo 30 Unsinn.
Die Ulmer Verkehrspolitik wird das Tempo 30 durchboxen, so dass die Einkaufszentren am Stadtrand sowie Paketdienste aufblühen und der Kern der Stadt herunterkommen wird.

Warum wird nur der Autoverkehr entschleunigt ? Was ist mit dem Lärm der Bahn, die durch Ulm "rast" ?

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 18:18 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Wieder mal...””

Ach ja, ich wohne mitten in der Stadt, und ja man hört die Autos, Menschen, uvm. und es stört mich nicht, denn dafür habe ich auch viele Vorteile die man sonst nicht hat.

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 18:16 Uhr

Antwort auf „Wieder mal...”

REINER LODDERS, zieh aufs Land, dann hast Ruhe genug. Im Zentrum des Lebens leben wollen, aber trotzdem soll es so sein wie auf dem Land. Entweder Hü, oder Hott, ein bisschen schwanger gibts nicht.

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 17:40 Uhr

Wieder mal...

... die üblichen Kommentare der Unbelehrbaren und Uneinsichtigen. Wegen solchen Menschen müssen die beschriebenen Maßnahmen eingeführt werden. Aber wehe vor dem eigenen Häusle wird gerast...

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 12:34 Uhr

Tempo 30 macht nicht leiser

Das Fahrzeug braucht bei Tempo 30 fast doppelt so lange, die Straße zu durchfahren, als bei Tempo 50. Es erzeugt folglich fast doppelt so lange Lärm. Auch fährt ein Fahrzeug bei Tempo 30 im niedrigeren Gang, stößt dadurch mehr Schadstoffe aus und ist durch die ähnliche Motorendrezahl nicht leiser als bei Tempo 50.
Tempo 30 ist nur eine preiswerte Möglichkeit dem Bürger zu vermitteln, die Stadt würde etwas gegen den Lärm machen. Der subjektive Eindruck der Bürger in den bisherigen Tempo 30 Zonen, es wäre leiser geworden, beruht auf der Tatsache, dass die Autofahrer diese Straßen meiden.Sollten de Rest der Durchgangsstraßen zu Tempo 30 Zonen werden, fällt dieser Effekt weg. Die Petition gegen den Unsinn der Tempo 30 Zonen ist die einzige Möglichkeit mündiger Bürger, sich dagegen zu wehren.

Antworten Kommentar melden

06.12.2017 07:32 Uhr

Oh Frau,

"Auch Brigitte Dahlbender (SPD) ist für eine zunehmende Reduzierung des Verkehrs: „Die Linie 2 ist das beste Programm dafür. Aber man sollte noch dringlicher versuchen, die Menschen dazu zu bewegen, gar nicht erst mit dem Auto nicht in die Stadt reinzufahren.“"

Amazon und Co. wird sich immer über solche Aussagen freuen, nur weiter so, nur der Einzelhandel in der Stadt wird es nicht mehr geben, aber gut so, dann ist Ruhe.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern gelingt der siebte Streich

Das Ratiopharm-Team setzt sich zuhause mit 72:69 gegen Würzburg und setzt seine Erfolgsserie fort. Das Duell zweier ehemaligen Ulmer Teamkollegen gerät zur eindeutigen Sache. weiter lesen