Noch kein Ende des Wartens für Mesale Tolu in Sicht

Die in Istanbul inhaftierte Neu-Ulmerin Mesale Tolu weiß noch immer nicht, wann ihr Prozess beginnt. Nach geltendem Recht in der Türkei hätte sie zwei Wochen nach Vorliegen der Anklageschrift einen Termin bekommen müssen.

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Mesale Tolu, hier mit ihrem Sohn, wartet noch immer auf eine Anklage.  Foto: 

Obwohl nach geltendem türkischen Recht der Verhandlungstermin jetzt feststehen müsste, weiß die aus Neu-Ulm stammenden Mesale Tolu noch immer nicht, wann ihr in der Türkei der Prozess gemacht wird. Das teilt der Solidaritätskreis mit, der sich für die Freilassung der 33-Jährigen einsetzt.

Wie berichtet, war die Journalistin und Übersetzerin Ende April in Instanbul verhaftet worden. Erst Anfang Juli hatte die dortige Staatsanwaltschaft die Anklageschrift gegen Tolu fertig gestellt. „Nach geltendem Recht muss binnen zwei Wochen ein Termin fest gesetzt werden und der Prozess innerhalb von drei Monaten beginnen. Jetzt sind bereits drei Wochen ins Land gezogen, aber einen Termin gibt es nicht“, kritisiert Baki Selcuk, Sprecher des Solidaritätskreises.

Selcuk zufolge haben Tolus Anwälte nach wie vor keine Akteneinsicht erhalten. Deshalb sei unklar, was der 33-Jährigen vorgeworfen werde. Tolu – sie ist deutsche Staatsbürgerin – hatte zuletzt für eine regierungskritische türkische Nachrichtenorganisation als Übersetzerin gearbeitet. Sie sitzt mit ihrem zweijährigen Sohn im Istanbuler Frauengefängnis.

Der Zweijährige habe nun wenigstens seinen ebenfalls inhaftierten Vater sehen können. Wie Selcuk berichtet, sei es dem Vater von Mesale gelungen, sein Enkelkind von dem Gefängnis Bakirköy abzuholen und seinen Schwiegersohn Suat Corlu zu besuchen. Anschließend habe er den Kleinen wieder ins Frauengefängnis gebracht. Den Inhaftierten gehe es den Umständen entsprechend gut. Beide würden sich über mehr Briefe freuen.

Mesale Tolu teile eine Gemeinschaftszelle mit 23 Frauen, unter anderem mit Hatice Duman, der ehemalige Chefredakteurin der Wochenzeitung „Atilim“, die seit 2003 im Gefängnis sitzt.

Wer eine Petition für Mesale Tolus unterschreiben will, findet sie unter: openpetition.de/petition/blog/freiheit-fuer-mesale-tolu.

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Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

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