Nils Schweckendieks Abschiedskonzert im Stadthaus

Ein Sandwich-Programm: Das Collegium musicum bot unter Nils Schweckendiek im Stadthaus ein Bach-Klavierkonzert zwischen Spätromantikern.

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Ein Abschied auf Raten? Die schlechte Nachricht: Nils Schweckendiek, der 1. Kapellmeister des Theaters Ulm, geht nach Finnland zurück, in die Heimat seiner Frau Anna Kuvaja. Die gute: Dem Collegium musicum, das er seit zwei Jahren leitet, sagt der 35-Jährige noch nicht ganz ade: Im nächsten Jahr sind zwei finnisch-deutsche Austauschkonzerte geplant.

Schweckendiek prägte das Liebhaberorchester. Sein akzentuiertes Dirigat wird fehlen, auch sein Faible für die Musik des 20. Jahrhunderts.

Nach Sandwich-Manier rahmte jetzt das 30-köpfige Streichorchester, das auf professionellem Niveau spielt, mit Arnold Schönberg und Pavel Haas, einem Auschwitz-Opfer, Bachs Klavierkonzert d-Moll (BWV 1052). Diese Konstellation, vor allem mit Anna Kuvaja als Solistin, hatte Zugkraft.

Pavel Haas war Jude und Meisterschüler von Leo Janácek. Seiner Studie für Streichorchester (1943) wird man kaum Repertoirechancen attestieren, gleichwohl lohnt sich die Entdeckung. Schweckendiek steuerte wach durch die Fallstricke der kontrastreichen Polytonalität und der heiklen Polyrhythmik.

Bach gilt als Erfinder des Klavierkonzertes (damals noch Cembalo). Anna Kuvajas bettete in dem dreisätzigen Zwanzigminüter ihren Solopart mit kultivierter, straffer Klangdisziplin auf den pulsierenden Streicherteppich. Ohne Pedaleinsatz, in flinker Finger- und Feinarbeit, perlend die Sechzehntel, brillant die fein geschliffenen Verzierungen, erfrischend kühl, aber nicht kalt: das metrische Gerüst fast swingend in beseelter Strenge. Nach Beifallstürmen gab es als Solo-Zugabe "Die Fichte" des finnischen Nationalkomponisten Sibelius.

Schönberg ist schwer, hartes Brot? Reizwörter, die sich mit ihm verbinden: Atonalität und Zwölftonmusik. Aber seine "Verklärte Nacht" gilt als ein Gipfelwerk der Spätromantik, noch fest in der Musiktradition verwurzelt. In der Kammerorchester-Version von 1943 wurden in dramatischen Aufschwüngen, tonsatten Cello-Kantilenen und lichten Violinsoli die Gefühle und Stimmungen von Mensch und Natur tonmalerisch eindringlich und faszinierend vermittelt. Ovationen, Blumen.

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