Volksbank-Bilanz: Niedrigzinsen sorgen für Kopfschmerzen

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Wenn Ralph Blankenberg die Bilanz der acht Volksbanken in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis anschaulich beschreiben will, teilt er sie in grüne und rote Kästchen. Die grünen symbolisieren für den Vorstand der Volksbank Ulm-Biberach die positiven Dinge des abgelaufenen Jahres: Zuwächse bei Krediten und Einlagen, neue digitale Zugangswege, eine zufriedenstellende Ertragslage und eine solide Eigenkapitalausstattung. In den roten Boxen stehen Schlagwörter wie „niedrige Zinsen“ und „Rahmenbedingungen EU“.

Besonders die Vorgaben der Europäischen Zentralbank kritisiert der Banker scharf. Die „Regulatorik“ des EZB-Präsidenten Manuel Draghi und seines Kontrollapparates sei „unerträglich“, allein 16 Mitarbeiter seines Hauses müssten sich ausschließlich mit deren Anforderungen beschäftigten. Dazu komme die seit elf Jahren andauernde Niedrigzinsphase, die zu „einer fatalen Zinspolitik“ geführt habe. Noch schließen die zusammengeschlossenen acht Banken aus der Region Ulm Minuszinsen für ihre Sparer aus, aber sie denken über ein entsprechendes Szenario erklärtermaßen nach.

Nach einem Jahr 2016, in dem die deutsche Wirtschaft auf klarem Wachstumskurs geblieben sei, drohe angesichts der kommenden Wahlen eine Eintrübung. Sowohl ein möglicher Sieg Marine Le Pens in Frankreich als auch ein rot-rot-grünes Regierungsszenario in Berlin führten zu verhaltenen Reaktionen in der Industrie. „Investitionen werden auf Eis gelegt, auch im Raum Ulm“, hat Blankenberg beobachtet.

Dennoch: Das Vertrauen der Unternehmen wie der kleineren Kunden in die Volks- und Raiffeisenbanken sei unvermindert hoch, ein „betreutes Kundenvolumen“ – also die Summe aller Spareinlagen, Kredite und Anlagen – von rund zehn Milliarden Euro spreche eine deutliche Sprache.

Allerdings machen den Bankern aus Ulm und den anderen Standorten neben den niedrigen Zinsen auch die mangelnde Vorsorge jüngerer Kunden Sorgen. „In Zeiten des Konsums ist bei einigen die Frage nach der Altersvorsorge aus dem Blick geraten“, bedauert der Vorsitzende der Volksbank Laichingen, Ralf Schiffbauer. Mancher verliere auch die Finanzierung etwa des Hauskredites aus dem Blick: „Da bleibt nur noch umzuschulden.“

Der digitale Wandel ist unterdessen nicht mehr aufzuhalten. Immer öfter bleiben die Kunden der Volksbank zuhause und regeln die Bankgeschäfte via PC oder mit der VR-App. „Es gibt Filialen“, so der Ulmer Blankenberg, „in die verirren sich zwischen zwei und fünf Kunden am Tag.“ Die Folge: Weitere Standorte werden schließen, im Raum Ulm/Alb-Donau in diesem Jahr voraussichtlich 14 von 97. „Wir können es nicht mehr ignorieren, wenn die Kunden nicht mehr kommen“, ist die einhellige Meinung.

Gerade für ältere Menschen hat die Volksbank in Zeiten der Filialausdünnung einen Extraservice eingerichtet: Kunden wird die Rente auf Wunsch auch zu Hause ausgezahlt. Oder sie werden per Taxi in die Filiale gebracht, die Bank zahlt die Rechnung. Die Vorstände beteuern: „Die Nähe zu den Kunden bleibt.“

Kennzahlen
Zur „Vereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken Ulm/Alb-Donau-Kreis“ gehören acht Institute: die VR-Banken Ulm-Biberach, Blaubeuren, Laichinger Alb, Ehingen-Hochsträß, Langenau-UlmerAlb, die Donau-Iller-Bank sowie die Raiffeisenbanken Berghülen und Niedere Alb. Die Bilanzsumme stieg 2016 um 3,4 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Bei der Kreditvergabe gab es ein Plus von 3,6 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Die Banken beschäftigten 1035 Mitarbeiter (799 Vollzeitstellen), die Zahl ist damit in den vergangenen Jahren stabil geblieben. 72 junge Menschen sind derzeit in der Ausbildung.

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