Nick Brandt zeigt im Stadthaus Tierfotografien aus Afrika

Wunderschöne Aufnahmen der Tierwelt und Landschaft Afrikas zeigt Fotograf Nick Brandt im Stadthaus. Doch die Schau ist auch eine Mahnung.

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Ein Tier, so machtvoll wie ein Bergmassiv: Unmittelbar vor uns steht ein trinkender Elefant und hält seinen Rüssel ins Wasser. Jede einzelne Falte darauf können wir sehen, jede Ausbuchtung des felsenartigen Kopfes, unter dem spitz die gebogenen Stoßzähne hervor ragen. Doch seine schärfsten Waffen haben diesem Elefanten das Leben gekostet. Zwei Jahre, nachdem die Fotografie zustande kam, wurde das majestätische Tier im kenianischen Nationalpark Amboseli an der Grenze zu Tansania von Wilderern erschossen.

Das Großformat mit den dräuenden Wolken im Hintergrund ist nicht nur ein Bild der Schönheit, sondern auch eine Mahnung an den Tod – und zwischen diesen Polen, sagt denn auch Stadthaus-Leiterin Karla Nieraad, bewege sich die aktuelle Ausstellung. „On This Earth, A Shadow Falls Across The Ravaged Land“ heißt die Schau des britischen Fotografen Nick Brandt, die am Sonntag im Stadthaus eröffnet und bis Ende Oktober zu sehen ist.

Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um ganz einfach gigantische Aufnahmen der Tierwelt und der Landschaft vor allem Ostafrikas. Da stehen Zebras, die ihre Köpfe zufällig synchron wie Ballerinas drehen, ein Leopard drapiert sich dekorativ in die Baumkrone, ein Gorilla lugt mit verträumtem Blick aus dem Dickicht, eine Löwin lässt stolz den Blick über die Steppe schweifen.

Nur, wo die weite Landschaft Afrikas in den Vordergrund rückt, werden selbst Elefanten ganz klein. Ansonsten stehen sie uns nah vor Augen – so nah wie dem Fotografen, der 1996 als Regisseur für den Videoclip von Michael Jacksons „Earth Song“ das erste Mal nach Ostafrika kam, fasziniert von der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt war und seit 2000 als Fotograf unterwegs ist; 2002 beschloss er dann endgültig, seinen Beruf als Regisseur an den Nagel zu hängen und sich ganz diesem Sujet zu verschreiben. Seine Bilder nimmt er mit einer analogen Mittelformatkamera auf, erstaunlicherweise ohne Tele- oder Zoom-Objektive, denn Brandt will die Persönlichkeit, die Seele der Tiere erfassen. Und bei einem Menschen, sagt er gerne, komme schließlich auch niemand auf die Idee, ihn aus 30 Meter Entfernung porträtieren zu können.

Wie Nick Brandt das macht, ist sein Geheimnis,  angeblich sei er noch nie in eine gefährliche Situation gekommen, heißt es. Vorstellen aber kann man sich das nur schwer, denn hier kann man einem Löwen ins gefährlich weit aufgerissene Maul bis auf die Zunge schauen. Und man wird sich dem wissenden Blick eines alten Schimpansen kaum entziehen können, der nachdenklich aus einem anderen Bild schaut. Ein Leopard räkelt sich keinen Meter weit weg wie ein Supermodel im Gras, ein Rhinozeros spiegelt seinen ganzen schwerfälligen Leib in einer Wasserlache, eine Elefantengruppe steht mit gesenkten Köpfen um einen Schädel, der mutmaßlich zu einem verstorbenen Artgenossen gehört. Stunden, Tage, Wochen muss Nick Brandt wohl auf der Lauer liegen für Schnappschüsse, die kurioserweise etwas Inszeniertes haben.

Zum Teil sind es regelrechte Herrscherporträts, gerne aus der Untersicht aufgenommen, schwarz-weiß und oft leicht sepia getönt – wie melancholische Reminiszenzen. Denn Erderwärmung, Abholzung, Rohstoff-Abbau und Wilderei verrichten ein unheilvolles Werk: In den letzten zwanzig Jahren, sagt Projektleiter Raimund Kast, sei die  Zahl der Löwen von 75?000 auf 20?000 gesunken, die Zahl der Elefanten auf ein Drittel der Population. Nick Brandt hat deshalb 2010 die „Big Life Foundation“ gegründet, die sich für den Erhalt der afrikanischen Tierwelt und des Ökosystems einsetzt und gerne Spenden entgegennimmt. Eindringlicher kann man kaum aufgefordert werden als durch diese Gesichter, die vielleicht bald nur noch Erinnerung sind.

„Hinter den Bildern“

Die Ausstellung „On This Earth, A Shadow Falls Across The Ravaged Land“ mit Fotografien von Nick Brandt eröffnet morgen, Sonntag, 11 Uhr und läuft bis 23. Oktober im Stadthaus Ulm. Die Ausstellung ist eine Übernahme vom Fotografiska Museum in Stockholm.

Hinter den Bildern Unter fachlicher Anleitung des Medienpädagogen Adrian Wegerer haben Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c des Hans und Sophie-Scholl-Gymnasiums Erklärfilme über Nick Brandt und die Bedrohung der afrikanischen Tierwelt produziert, die ebenfalls im Stadthaus zu sehen sind.

Die Stiftung Infos über die Big Life Foundation finden sich unter www.biglife.org

Die Öffnungszeiten Mo-Sa 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, So/Fr 11 bis 18 Uhr.

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