New Model Army im Zelt nach verhaltenem Einstieg bitterböse

Millionenfache Albenverkäufe führen die britische Kultband New Model Army noch immer auf Tourneen rund um die Welt. Am Samstag begeisterte sie die Fans im nahezu ausverkauften Ulmer Zelt.

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  • Ausgelassen tanzte und feierte das Publikum im Ulmer Zelt zu den Weisen der New Model Army und ihres Sängers und Gitarristen Justin Sullivan. Foto: Lars Schwerdtfeger 1/2
    Ausgelassen tanzte und feierte das Publikum im Ulmer Zelt zu den Weisen der New Model Army und ihres Sängers und Gitarristen Justin Sullivan. Foto: Lars Schwerdtfeger
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In eine Schublade wollten sie sich noch nie stecken lassen. Aber egal ob New Model Army nun (Post-)Punks, Gothics oder Folk-Liebhaber für sich begeistern konnte: Künstlerische Freiheit steht an erster Stelle. Und so ist es mehr Segen denn Fluch, dass die 1980 im englischen Bradford gegründete Band niemals einen großen Single-Hit landen konnte. "Wann immer ein Song Gefahr lief, größer als die Band zu werden, spielten wir ihn jahrelang nicht", sagt Sänger und Gitarrist Justin Sullivan im Gespräch vor dem Konzert.

Nach dem etwas verhaltenen Einstieg im Ulmer Zelt war der Zorn der alten Tage ganz plötzlich wieder da. Bitterböse verkündete Sullivan, dass seine erklärte Lieblingsfeindin Margaret Thatcher just an seinem Geburtstag (8. April) verstorben sei - getreu dem Motto "Du stirbst, ich lebe" feierte die Army dies mit "Today is a good day", dem Titelsong des letzten Studioalbums.

Vor allem das Songmaterial der Anfangstage mit seinen stampfenden Rhythmen und wüsten Gitarrenexzessen brachte das Publikum zum Toben. Wütend wie eh und je schrie der 57-Jährige mit der markanten Zahnlücke seine Parolen in die Menge, in Stücken wie "1984" die Arbeiterstreiks, Straßenkrawalle und Zukunftsängste der Thatcher-Ära beschwörend. Ein wesentlicher Unterschied zu Schubladen-Punkbands mag die stilistische Vielseitigkeit sein. Hier wird nicht nur mit verzerrten Gitarren heruntergerotzt, sondern auch mit einem sparsam eingesetzten Keyboard eine mystisch anmutende Atmosphäre gezaubert.

So wilderten die Engländer immer wieder auch in folkigen Gefilden, wenn Sullivan zur Akustikgitarre griff und, unterlegt von Streichern aus der Konserve, "Green and the Grey" lamentierte oder vom freien Leben der "Vagabonds" sang - beides kleinere Hits zur Hochphase Ende der 1980er Jahre. In vergangenen Tagen hatte diesen Part auch schon mal ein richtiger Geiger übernommen.

Dafür überzeugten die fünf Musiker mit einer soliden Leistung. Allen voran der Neuzugang am Bass, Ceri Monger, der mit prägnanten Läufen und rosa gefärbter Haarmähne Eindruck hinterließ. Zusammen mit Keyboarder Dean White erweiterte er an verschiedenen Perkussionsinstrumenten das rythmische Klangspektrum, sei es mit der brachial gehämmerten Glocke oder der leichtfüßig geklöppelten irische Bodhrán, die zur Zugabe ausgepackt wurde.

Davon gab es gleich mehrere für das ausgelassen tanzende und feiernde Publikum - gelegentlich "türmten" sich zum Leidwesen kleinerer Zuschauer besonders treue Fans in den vorderen Reihen. Mit so viel Energie und Leidenschaft kann man auch im Zeitalter von Bankenkrise, Natursterben und internationalem Terror überzeugend für Veränderung kämpfen. Nur bei einer Sache gelingt das Justin Sullivan nicht: "Ich würde gerne singen wie Otis Redding."

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