Neuralgischer Punkt: Die Einfahrt zum Busbahnhof

Ob Bahnhofplatz, ZOB oder Neubau neben den Sedelhöfen: Das Interesse an der Planung ist groß. Baubürgermeister Tim von Winning stellte die Varianten vor.

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Die Stadt will den Busbahnhof verkleinern (oben). Neuralgischer Punkt ist laut Baubürgermeister von Winning die Zufahrt gegenüber vom Parkhaus Deutschhaus. Die IHK hält an einem großen ZOB fest, mit dann 23 Halteplätzen.  Foto: 

Die Planung am Bahnhof und am Busbahnhof ist offenbar kein reines Insider-Thema. Architekten, Vertreter von Radfahrerverband, Sehbehindertenverein, Frauenforum, Regionaler Planungsgruppe, IHK, Händler, Busunternehmer, Stadträte, viele Bürger und auch der frühere Baubürgermeister Alexander Wetzig sowie Sedelhöfe-Investor Lothar Schubert aus Hamburg kamen am Dienstagabend ins Stadthaus, um die Pläne der Stadt zu hören – insgesamt rund 120 Interessierte.

Baubürgermeister Tim von Winning hob die Bedeutung des Bahnhofs als Mobilitätsdrehscheibe hervor. Allein mit Zügen kommen täglich 40.000 Menschen in Ulm an. In der Planung gelte es, einen Spagat zu bewältigen: einerseits einen Ankunftsort mit Platzcharakter zu schaffen, andererseits den Verkehrsströmen gerecht zu werden. „Das ist alles andere als banal.“ Von Winning stellte detailliert dar, was die Stadtplaner an drei prägnanten Stellen vorhaben.

Bahnhofplatz Das in einem Wettbewerb zum Sieger gekürte große Dach ist Geschichte. Stattdessen soll den Bahnhofplatz ein kleineres Dach überspannen. Auch an den Bus- und Straßenbahnhaltestellen soll es keine durchgängige Überdachung geben, sondern mehrere kleinere überdachte Warteplätze, „doppelt so viele wie bisher“. Das ursprünglich geplante große Dach hätte laut von Winning als optische Barriere zur City gewirkt.

Um den Platzcharakter herauszuarbeiten, soll am südlichen Rand ein Neubau entstehen. Dazu müsste der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) deutlich kleiner werden. In dem Neubau stellt sich der Baubürgermeister im Erdgeschoss Nutzungen vor, die Fahrgäste brauchen: Kiosk beispielsweise, Bäcker, Kundenzentrum und auch Pausenräume für Busfahrer. In den oberen Geschossen sei die Nutzung noch völlig offen. Fahrradabstellplätze wären möglich, aber auch ein Ärztehaus oder anderes. Eine Passage soll Fußgänger durch den Neubau zum ZOB führen.

Busbahnhof Um Platz für das neue Gebäude zu schaffen, soll der ZOB  auf zehn Bussteige und  vier Nachziehplätze für Busse verkleinert werden. Sie seien auch laut eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens ausreichend, um die Funktionalität des ZOB zu erhalten. Für jede Linie soll es eine feste Bushaltestelle geben, damit sich Fahrgäste leicht orientieren können, betonte von Winning. Busse, die am ZOB enden und ihre nächste Fahrt mehr als eine halbe Stunde später haben, müssten diese Wartezeit an einer anderen Stelle überbrücken.

Am ZOB selbst sieht der Baubürgermeister keine größeren Probleme, die Zufahrt aber sei ein „neuralgischer Punkt“. Sie wäre kürzer und damit anfälliger für Stauungen. Die Busse würden auf Höhe des Parkhauses Deutschhaus in den ZOB fahren. Gleichzeitig muss aber der Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße und die Ausfahrt aus dem Deutschhaus abgewickelt werden.

Der Baubürgermeister stellte auch die Varianten der IHK vor, die gegen die Pläne der Stadt Sturm läuft. Die Kammer will den ZOB in seiner bisherigen Größe und Zufahrt erhalten und wendet sich gegen den Neubau als Platzbegrenzung. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, seien demnach 23 Bussteige und 4 Nachziehplätze nötig.

Als Alternative hat die IHK auch durchgeplant, wie ein verkleinerter ZOB mit veränderter Zufahrt und Platz für einen Neubau funktionieren würde. IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle machte am Rande der Veranstaltung deutlich, dass dies nur eine Notlösung wäre.

Die Stadträte müssen noch in diesem Jahr eine Richtungsentscheidung treffen, sagte von Winning. Für den weiteren Baufortschritt in der Friedrich-Ebert-Straße müssen sie die Zufahrt zum ZOB festlegen. Damit entscheidet sich, ob ein Neubau am Bahnhofplatz möglich ist oder nicht.

Bahnhofplatz 7 Dem Sedelhöfe-Investor DC Commercial ist es gelungen, das Gebäude zu kaufen. Es soll im Sommer 2018 abgerissen werden, zum Neubau gibt es einen Wettbewerb, sagte von Winning. Um die alte Sichtachse Richtung Bahnhof wiederherzustellen, müsste der Neubau aus zwei Gebäuden bestehen. Dafür sprachen sich einige Zuhörer aus, diese Variante ist aber laut von Winning unwirtschaftlich und damit nicht realistisch.

Friedrich-Ebert-Straße Der Gemeinderat hat gestern Abend den Bebauungsplan „Bahnhofplatz – Friedrich-Ebert-Straße“ beschlossen. Die Stadträte haben sich damit unter anderem auf ein verkleinertes Bahnhofsvordach und auf drei Fahrspuren in der Friedrich-Ebert-Straße geeinigt. Der Beschluss war nur noch Formsache, nachdem bereits der Fachbereichsausschuss am 26. September diese Planung bestätigt hatte.

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Kommentare

11.10.2017 21:53 Uhr

Gutes Beispiel wie man absolut alles falsch machen kann

Das preisgekrönte Dach wird gekippt. Die Fahrgäste werden im durch und durch ÖPNV feindlichen Ulm zukünftig bei Wind und Wetter ins Freie gejagt.
Während bisher die Sichtachse Richtung Richtung Münster schon stark beeinträchtigt wird sie jetzt in einem komplett gekappt. So zerstört man Einzelhandel.
Das Gebäude war immer ein städtebaulicher Störfaktor und gehört ersatzlos abgerissen. Hätte sich die Verwaltung nicht durch Passivität geweigert das Gebäude, wie seit langem von nahezu jedem gefordert, zu kaufen, könnte man die Probleme lösen.
Die Deutschhauseinfahrt kollidiert zukünftig mit dem Busbahnhof, so dass da zukünftig dank einspuriger Ausführung in der Rush Hour gar nichts mehr geht.
Zusätzlich schafft man Angsträume im Busbahnhof. Ist ja nicht so, dass wir das mit dem alten Busbahnhof schon mal genau so hatten. Auch die Sedelhöfe, sind dank Leerstand, zukünftiger Angstraum.
Wer sich die Zukunft schon mal vorab ansehen möchte, kann sich das in Frankfurt ansehen,
Angstraum Hauptbahnhof, kaum beherrschbar.
Ulm, ein absurder Schildbürgerstreich jagt den nächsten. Ein solcher Fehler wäre schon schlimm, aber eine derartige Ballung städtebaulicher Inkompetenz, ist schon überregional bemerkenswert.
Die Zeit wird zeigen, dass Ulm jetzt, bis auf die Linie zwei alles falsch gemacht hat.
Dann ist aber leider zu spät.
Soll aber in 10 Jahren niemand sagen, er hätte von nichts gewusst.

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