Neunjährige missbraucht: Gefängnisstrafe für 38-Jährigen

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Erwartetes Ende eines langwierigen Strafverfahrens am Landgericht Memmingen: Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Jürgen Hasler hat den 38-jährigen Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen und sexuellen Missbrauchs in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. Damit blieben die Richter im unteren Bereich eines Strafrahmens, der sich von zwei bis 15 Jahren erstreckt.

Der Prozess hatte sich über mehrere Monate hingezogen, was bei Sexualstraftaten dieser Art nicht außergewöhnlich ist. Vor allem die Beweisführung erweist sich häufig als äußerst schwierig. Wenn Spuren kaum Belastbares hergeben und der Angeklagte – wie zunächst auch in diesem Fall – schweigt, kommen Zeugenaussagen, und vor allem jenen des kindlichen Opfers, eine besondere Bedeutung zu. Problematisch vor allem, weil der Schutz des Kindes oberstes Gebot ist und man ihm weitere traumatische Erlebnisse ersparen will – zuallererst ein Auftritt vor Gericht.

Nebenklage nicht einverstanden

Hauptsächlich dieser Umstand, verbunden mit einem Täter-Opfer-Ausgleich, hat dem Angeklagten eine längere Haft erspart. Ihm war im Rahmen einer „Verständigung“ eine geringere Strafe avisiert worden, falls er ein umfassendes Geständnis ablegt. Und so räumte er über seinen Verteidiger Uwe Böhm die Taten ein. Über den Zeitraum eines Jahres hatte er sich immer wieder an der neunjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen. Unter anderem war es in der Neu-Ulmer Wohnung zum Oral-, Vaginal- und Analverkehr gekommen.

Was von Ulrike Mangold, Anwältin der Nebenklägerin, als Vergewaltigung gewertet wurde. Sie war mit dem geringen Strafmaß nicht einverstanden angesichts der Gewalt und des Zwangs, der ausgeübt worden sei.

Doch auch die Sichtung des Vernehmungsvideos des Mädchens änderte an der Überzeugung der Kammer nichts, wie Jürgen Hasler in der Urteilsbegründung sagte. „Wir können den Tatbestand der Vergewaltigung nicht als gegeben annehmen.“ Wobei er mitnichten die Aussagen des Kindes in Zweifel zog, das „voll glaubwürdig“ sei. Zu dieser Erkenntnis war nicht zuletzt die Münchner Sachverständige Dorothee Griebel gekommen.

Dennoch seien „Fragen offen geblieben“, sagte der Richter. Das habe an der Verschwiegenheit des Ex-Zeitsoldaten und Bodybuilders gelegen. „Warum es zu den Taten kam, haben wir nicht erfahren.“ Viel Erhellendes über den Täter vermochte auch der psychiatrische Gutachter Wolf Langensteiner nicht zu sagen, da sich der Angeklagte einer Untersuchung nicht gestellt hatte. Zumindest schloss er aus, dass es sich bei dem Mann um einen Kernpädophilen mit ausschließlichen Neigungen zu Kindern handle.

Die Umstände einer Gewaltanwendung hätten nicht hinreichend festgestellt werden können, sagte Richter Jürgen Hasler. „Wir hätten das Kind nochmal hören können, aber das wäre eine Tortur gewesen und nichts anderes.“ Das Gericht nehme den Opferschutz sehr ernst. Dementsprechend strafmindernd habe sich das Geständnis des bislang unbescholtenen Mannes ausgewirkt. „Es ist ganz wesentlich, dass dem Kind eine Aussage vor Gericht erspart geblieben ist“, sagte Richter Hasler, verbunden mit der Hoffnung, „dass diese Sache mit dieser Entscheidung für alle Beteiligten nun abgeschlossen werden kann“.

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