Neues Album: Killerpilze stellen Songs beim Musikmarathon im Roxy vor

Ohne Frage, die Killerpilze haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und mit ihrem neuen Album "Grell" die nächste Stufe erreicht.

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Mit Songs ihres neuen Albums kommen die Killerpilze zum Musikmarathon ins Roxy. Foto: David Schlichter

Schwörmontag 2006. Die Killerpilze sind das aktuelle heiße Ding für die Bravo und Co. Eine Teenie-Punkband mit einem 13-jährigen Schlagzeuger und Kuscheltier auf der Bassdrum. Das zieht. Und das Konzert auf dem vollen Münsterplatz ist zu diesem Zeitpunkt der Live-Höhepunkt der noch kurzen Band-Karriere. Nur ein Jahr zuvor hatten sie im Ulmer Studentencafé vor fünf zahlenden Besuchern gerockt. Am kommenden Freitag spielen eben diese Killerpilze als einer der Topacts nun beim Musikmarathon im Roxy für den guten Zweck. Geprobt wird bereits - wie immer zu Hause in Dillingen, denn wenige Tage nach dem Auftritt in Ulm geht es bereits auf eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland und Frankreich.

Diese Konzertreise erwarten die Brüder Johannes und Fabian Halbig zusammen mit ihrem Gitarristen Mäx Schlächter mit großer Spannung. Nie zuvor in den vergangenen Jahren war die Medienresonanz auf die Veröffentlichung eines neuen Albums derart groß gewesen. "Das hätten wir uns noch vor einem Jahr nicht erträumen lassen", sagt Jo Halbig, der betont, dass die Bandmitglieder die Promotion bis auf die Pressearbeit komplett in die eigenen Hände genommen haben und bereits im vierten Jahr auch Chefs des eigenen Labels Südpolrecords sind, denen kein Plattenboss die Marketingstrategie aufzwingen kann. Umso erstaunter blickt die Fachwelt derzeit auf das Phänomen Killerpilze.

Die Band hat mit der neuen Scheibe "Grell" einen deutlichen Schritt in Richtung Pop gemacht, ohne dabei die Rock- und Punk-Wurzeln der Jugend verleugnen zu wollen. Nachdem sie ihr Album "Ein bisschen Zeitgeist" allerdings im Alleingang produziert hatten, holten sie sich nun Unterstützung in den Proberaum und ins Studio. Ausgerechnet der Rapper Curse wurde für die Produktionsphase zum vierten Bandmitglied. "Wir sind alle ganz große HipHop-Fans, und für mich persönlich war zum Beispiel das Album von Casper ein einschneidendes Erlebnis", sagt Jo Halbig, der ein ähnliches Textniveau erreichen und auch Leute ansprechen wollte, die älter als 17 Jahre sind. Curse war von der Vision der Killerpilze für die Zukunft begeistert und wurde zum befreundeten Mentor. "Auch mit seiner Hilfe schafften wir es, aus Worten eine Bildsprache zu entwickeln und unsere Gefühle so auszudrücken, dass selbst Aspekte der Poesie einfließen."

Noch immer treffen die Musiker, die alle studieren, den Ton der Gleichaltrigen, wenn sie "Ich will nur noch ein bisschen Zeit, im warmen Schoß der Orientierungslosigkeit" singen oder mehr gesellschaftliches Engagement fordern, obgleich sie selbst "nur mäßige Weltverbesserer sind, weil wir zu viel Zeit in Facebook verbringen". Eine politisch motivierte Band werden die Killerpilze also sicher auch nach "Grell" nicht, obwohl sie klar Stellung gegen Nazis beziehen. Und einen Traum, sagt Jo, haben die Musiker, die bereits etliche Pop-Träume leben durften, in jedem Fall: "Wir wollen mit einem Publikum, das mit uns mitwächst, irgendwann die Olympiahalle in München ausverkaufen." Für einen Profijob als Musiker würden sie sogar "ein Semester aussetzen".

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