Neuer Uni-Klinik-Chef Debatin: "Will Vertrauen schaffen"

Prof. Klaus-Michael Debatin (60) übernimmt am Montag die Leitung des Uni-Klinikums. Medizin und Patienten sollen wieder stärker im Mittelpunkt stehen, sagt der 60-Jährige im Interview.

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Größere Projekte werde das Uni-Klinikum Ulm in naher Zukunft nicht angehen, "Konsolidierung heißt das Thema", sagt der neue Vorstandsvorsitzende Prof. Klaus-Michael Debatin.  Foto: 

Sie haben nie verhehlt, dass Sie sich als Klinikmediziner und Forscher sehen. Warum tun Sie sich den Job des Vorstandsvorsitzenden an?
PROF. KLAUS-MICHAEL DEBATIN: (lacht laut auf) In der Tat gibt es da einen Zwiespalt, mein Herz schlägt für die Kinderklinik, für die Forschung - aber auch für das Uni-Klinikum. Wir sind gegenwärtig, wie ja sattsam bekannt ist, in einer schwierigen Situation. Ich habe die Aufgabe übernommen mit der Perspektive, das Schiff Universitätsmedizin voranzubringen.

Was wollen Sie anders machen als ihr Vorgänger - wird mit Ihnen ein neuer Führungsstil einziehen?DEBATIN: Die Vorgänger haben mit dem Bau der neuen Chirurgie eine Herkules-Aufgabe geschultert - mit allen Problemen, die dazugehören. Für mich geht es nun erst einmal darum, Vertrauen zu schaffen und Gespräche zu führen mit den Mitarbeitern, mit ihnen Perspektiven abzuklopfen, die sie selber sehen. Die Mitarbeiter sind unser wertvollstes Potenzial. Mir geht es um ein Teamkonzept innerhalb des Klinikums. Und auch darum, die Patienten und die Medizin wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen als das Management.

Haben Sie schon einen Einblick in die aktuelle Finanzsituation?
DEBATIN: Im Moment verschaffe ich mir erst einen Überblick, zusammen mit dem Kaufmännischen Direktor Rüdiger Strehl. Wir ziehen da an einem Strang. Sicher ist, dass wir in absehbarer Zukunft keine größeren Projekte angehen werden. Im Gegenteil. Wir werden alles auf den Prüfstand stellen - und auch mit dem Land in Verhandlung treten müssen. Mich treibt die Sorge um die Universitätsmedizin insgesamt um. Über 50 Prozent aller Uni-Kliniken werden 2013 rote Zahlen schreiben. Das verschlechtert die Situation der Forschung massiv und beeinträchtigt letztlich auch die Krankenversorgung.

Wo sehen Sie Möglichkeiten zu sparen - beim Personal ja wohl nicht?
DEBATIN: Das Thema heißt Konsolidierung. Einen Sparkurs mit dem Rasenmäher zu fahren, macht aber keinen Sinn. Es gibt sicherlich Bereiche, die wir effizienter gestalten können, die wir restrukturieren werden. Aber alles mit Augenmaß. Vor allem dürfen wir dabei nicht die starken Bereiche schwächen.

Sie waren bisher schon Reinhard Marres Stellvertreter. Gingen viele Entscheidungen an Ihnen vorbei?DEBATIN: Es gibt einen hauptamtlichen Vorstand, bestehend aus Leitendem Ärztlichem Direktor, Kaufmännischem Direktor und Pflegedirektor. Die beiden Erstgenannten führen die Geschäfte. Die nebenamtlichen Vorstandsmitglieder hatten natürlich keinen Einblick in jedes Detail. Die Sachverhalte, über die ich informiert war, habe ich aber mitgetragen.

Sie starten mit großem Vertrauensvorschuss. Die Chefärzte haben sich bereits vor drei Monaten beim Ministerium für Sie stark gemacht.
DEBATIN: Ich habe mir gesagt: Wenn so viele Leute Vertrauen in mich haben, musst du den Ball aufnehmen und vorantreiben. Dass meine Kollegen so viel Vertrauen in mich setzen, freut mich natürlich.

Geht das überhaupt: Leiter der Kinderklinik und Leiter des gesamten Klinikums in Personalunion?DEBATIN: Mir ist bewusst, dass das eine schwierige Zeit wird. Ich habe aber bereits als Dekan der Medizinischen Fakultät sechs Jahre lang Dinge parallel gemacht. Wir haben eine sehr gut aufgestellte Kinderklinik. Entscheidend ist, dass ich mich fokussiere. Letztlich geht es darum, die Mitarbeiter abzuholen.

Wie geht es nach dem 30. September 2014 weiter? Wenn Sie länger im Amt bleiben wollen, müssen Sie die Leitung der Kinderklinik abgeben, so sieht es das baden-württembergische Universitätsklinikgesetz vor.
DEBATIN: Zunächst einmal stehe ich zeitlich begrenzt zur Verfügung. Grundsätzlich ist für mich aber auch die Perspektive der Hauptamtlichkeit denkbar.

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Kommentare

28.06.2013 12:48 Uhr

Fatale Folgen falscher Zuschreibungen

Wie in jeder betrieblichen Organisation breitet sich derzeit unter den Belegschaften der Ulmer Universitätskliniken arbeitspolitisch auf breiter Front ein Konservativismus aus (Heil, in: Mitteilungen aus dem SOFI, Juli 2013, Ausgabe 18, S. 16), der in der Tat höchst verbotswidrig auf nichts anderes gerichtet ist, als die Stärken im Prozess der notwendigen Verausgabung menschlicher Arbeitskraft um des eigenen Vorteils willen zu schwächen, indem an längst überkommenen Praktiken geradezu auf Biegen und Brechen festgehalten wird und dadurch zukunftsträchtige Arbeitsweisen als blanker Unfug erscheinen. Infolge besagter Umfälschung (Habermas) aller Wirklichkeit sind im Besonderen dortige Patienten äußersten Gefahren ausgesetzt. Angesichts dessen könnten die Vorwürfe nicht haltloser sein, die ausschließlich dem Vorstand, aber nicht vorrangig den Betriebsangehörigen zuschreiben, den Tod von ansonsten nicht lebensbedrohlich erkrankten Menschen billigend in Kauf zu nehmen.

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