Neuer Blick auf den Michael

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Die Diskussion um die Figur des Erzengels Michael an der Schwelle von der Turmhalle zum Hauptschiff des Münsters, die 1934 aufgehängt wurde, hat wieder an Fahrt gewonnen.  Im vergangenen Jahr rückte die Installation „Solar Equation“ den Michael wieder deutlich ins Blickfeld der Münsterbesucher. „Unsere Ehrenamtlichen von der Münsterauskunft haben damals sehr viele Fragen bekommen und die Geschichte erklärt“, erklärt Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. „Sie haben auch den Impuls gegeben, dass man den Michael und seine Geschichte erklären muss.“ Also hat sich der Kirchengemeinderat des Münsters erneut mit dem Thema befasst.

Es gab zwar in den vergangenen Jahrzehnten einige Vorstöße, das Nazi-Erbe abzuhängen oder die Turmhalle umzugestalten, aber bislang ist wenig Sichtbares passiert: Immerhin wurden nach dem Abbau der „Solar Equation“ die blutroten Fahnen der Regimenter stillschweigend nicht mehr aufgehängt. Auch im Kirchengemeinderat gibt es laut Gohl unterschiedliche Stimmen: Einerseits die, die das Abhängen der Figur fordern, weil es nie für die Kirche vorgesehen war. Andererseits diejenigen, die finden, man darf nicht einfach Geschichtsklitterung betreiben. „Wir müssen auch zu einem solchen Teil der Geschichte stehen, der die gebrochenen Seiten von unserer  Kirche zeigt“, findet der Dekan. „Wir müssen  sie aber unbedingt erklären.“ Darum werde bis spätestens Frühjahr 2017 eine erklärende Tafel angebracht. Für den Kirchengemeinderat ist das der erste Schritt.

Weitere Schritte sollen folgen: Es gebe Überlegungen zum Umgestalten der Turmhalle in eine „Halle des Friedens“, erklärt Gohl weiter. Denn Frieden sei die Grundbotschaft des Evangeliums und andererseits ein zeitlos aktuelles Thema, „auch um aus der Geschichte zu lernen“. Ein entsprechender Prozess war eingeleitet worden, lag aber seit dem Weggang von Münsterpfarrerin Tabea Frey auf Eis. Ihr Nachfolger Peter Schaal-Ahlers soll nun die Aufgabe übernehmen und das Projekt vorantreiben. Darüber hinaus gibt es laut dem Dekan Überlegungen, ein „Friedensfenster“ fürs Münster machen zu lassen. Auf der Südseite gibt es noch ein Fenster  mit Notverglasung. Das Geld, die Lücke zu füllen, hat die Kirche bereits. Aber welcher Künstler es mit welchen Vorgaben gestalten soll, das steht noch nicht fest. „Aber möglicherweise wird das Ganze zu komplex, wenn wir das in direktem Zusammenhang mit der Umgestaltung der Halle stellen“, sagt Gohl.

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