SSV Ulm: Neue Umkleiden in der Au – Duschen für drei Millionen Euro

Die Genehmigung des Bauvorhabens von SSV 46 und SSV Fußball am Gänswieseweg werfen weitere Fragen der städtischen Sportförderung auf.

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Symbolbild.  Foto: 

Beschlossen war schnell: Einhellig hat der Fachausschuss Bildung und Soziales einem gemeinsamen Bauprojekt von SSV Ulm 1846 und SSV Ulm 1846 Fußball zugestimmt. Beide Vereine dürfen mit einem hohen städtischen Zuschuss zu dem mit etwas mehr als drei Millionen Euro angesetzten Bauvorhaben am Gänswieseweg in der Friedrichsau rechnen. Dort muss auf dem Gelände des SSV-Freibads der komplette Umkleide- und Duschtrakt abgerissen und neu gebaut werden.

Über den Bedarf waren sich alle Fraktionen einig. „Dass wir da etwas tun müssen, ist unbestritten“, sagte Bürgermeisterin Iris Mann zu Beginn der Beratung, in der kein kritisches Wort zu dem Vorhaben fiel und sich die Sprecher aller Fraktionen darin einig waren, beide Vereine zu unterstützen. Und doch wirft der Beschluss, einen Zuschuss von Seiten der Stadt in Höhe von knapp 1,4 Millionen Euro und einen einmaligen Zuschuss in Höhe von etwa 500 000 Euro als Kompensation zu gewähren, einige weitere Fragen auf.

FDP-Vertreter Erik Wischmann beispielsweise stellte die Frage, ob dieses Großprojekt das einzige sei, das für die nächsten Jahre in der Friedrichsau anstehe. Hintergrund sind die Sportförderrichtlinien der Stadt, wonach in jedem Sozialraum – in dem Fall Mitte/Ost – alle fünf Jahre nur ein Großprojekt mit Baukosten von mehr als zwei Millionen Euro für Sportvereine unterstützt werde.

Nur ein Projekt alle fünf Jahre

Nun ist aber seit langem bekannt, dass der Stammverein SSV 46 ein weiteres Großprojekt im Auge hat – und zwar mit einem Ersatzbau für die marode Jahnhalle ein noch viel größeres sogar. Bürgermeisterin Iris Mann baute schon mal vor, dass bei der Bestimmung in den Förderrichtlinien große Vereinszentren gemeint waren, und nicht Bauten wie der Umkleidetrakt, auch wenn der mehr als zwei Millionen Euro teuer sei.

Neben der finanziellen Dimension gebe es in der Förderrichtlinie auch eine inhaltliche. Und vor diesem Hintergrund stelle der jetzige Bau des Umkleidetrakts kein Hindernis für ein weiteres Großprojekt dar. Sie sehe jedenfalls keinen Widerspruch, sagte Mann. Aber: „Am Ende brauchen wir eine politische Entscheidung.“ Konkreter wurde sie nicht.

An einer zweiten Stelle wurde der Söflinger Reinhold Eichhorn von den Freien Wählern scharf und brachte die Debatte um Sportopia von der TSG Söflingen wieder ins Gespräch. In den Sportförderrichtlinien gibt es nämlich die Möglichkeit einer weiteren Förderung im Einzelfall bei Projekten mit einem Alleinstellungsmerkmal und solchen, bei denen eine Mitbenutzung durch die Stadt Ulm in Frage kommt.

Kritik an Kann-Vorschrift

Man spricht hierbei von einer Kompensation, weil der Württembergische Landessportbund (WLSB) seine Zuschüsse nie an der gesamten Bausumme orientiert. Wohlgemerkt, das ist eine so genannte Kann-Vorschrift, die der TSG Söflingen nicht gewährt wurde, den beiden Vereinen in der Friedrichsau aber schon. „Darüber wird noch zu reden sein“, kündigte Eichhorn an, der weiter für seinen Verein kämpfen will.

Nach der Vorberatung im Fachausschuss wird am kommenden Mittwoch im Gemeinderat letztlich darüber entschieden.

Kommentar: Vereine sollen sich einigen

Die Debatte um die Zuschüsse für die beiden SSV-Vereine in der Friedrichsau zeigt, dass die erst im März beschlossenen Richtlinien zur Sportförderung nicht unbedingt zu einer Vereinfachung und Versachlichung der Situation beigetragen haben. Kaum neun Monate später äugen so manche Vereinsvertreter weiterhin eifersüchtig auf die anderen, dass die nur ja nicht mehr bekommen als sie selber.

Die Debatten um Sportopia, den Orange Campus und das Projekt von SSV 46 und SSV Fußball stehen exemplarisch für die Missgunst und das Konkurrenzdenken, das in manchen Köpfen an vorderster Stelle steht. Da hetzt Sportopia-Vertreter Walter Feucht von der TSG Söflingen gegen den Orange Campus der Basketballer, denen er nicht gönnt, was er selber nicht bekommen hat. Und weil die Stadt jetzt dem SSV mehr geben will als der TSG, kündigt der Söflinger Ratsherr Reinhold Eichhorn schon mal an, alles wieder von vorne aufrollen zu wollen. Meine Herren, was ist das nur für ein Theater?

Wäre es nicht viel besser, wenn die Vereine nicht gegeneinander, sondern miteinander für ihre Interessen streiten? Wäre es nicht viel besser, die Vorstände aller bauwilligen Vereine würden sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen? Ja, es wäre besser und es wäre zielführender, als den Schwarzen Peter einfach nur den Gemeinderäten zuzuschieben.

Ein Kommentar von Hans-Uli Mayer.

Das Projekt Beide Vereine haben einen Gesellschaftsvertrag geschlossen, in dem eine gegenseitige Haftung ausgeschlossen wird. Insgesamt werden 1380 Quadratmeter auf zwei Geschossen gebaut, die den gesamten Bestand im hinteren SSV-Freibad ersetzt – ausgenommen die bestehende Geschäftsstelle des SSV samt Vereinsgaststätte. Neben neuen Umkleiden sind auch Besprechungsräume geplant, Büros und Räume zur Hausaufgabenbetreuung für noch schulpflichtige Spitzensportler. Neu wird auch die WC-Anlage des Freibads.

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