Neue Pläne für den Ulmer Bahnhofplatz

Baubürgermeister von Winning will den zentralen Busbahnhof am Ulmer Hauptbahnhof verkleinern und ein Parkhaus für Fahrräder bauen.

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    So sieht der Bahnhofplatz derzeit aus. Foto: 
  • Der Russische Hof begrenzte den Bahnhofplatz nach Süden, Richtung heutigem Busbahnhof. 
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    Der Russische Hof begrenzte den Bahnhofplatz nach Süden, Richtung heutigem Busbahnhof. Foto: 
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Der Ulmer Bahnhofplatz hat nach Ansicht von Baubürgermeister Tim von Winning ein zentrales Problem: Er ist gar kein Platz. Jedenfalls keiner, wie ihn sich Stadtplaner wünschen. Alles ordne sich den verkehrlichen Erfordernissen unter, alles diene nur „dem Durchkommen“, Aufenthaltsqualität gebe es keine: „Dort will niemand sein.“ Unter städtebaulichen Gesichtspunkten sei der Platz kein Platz, weil ihm die Begrenzung fehle, seit der „Russische Hof“ an der Südseite im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel.

Die Ulmer Stadtplaner wollen diese Mängel beheben. Ihre Pläne werden im Herbst im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert. Von Winning stellt sich auf harte Debatten ein – nicht nur im Gemeinderatsgremium. Denn die IHK positioniert sich bereits entschieden gegen die Pläne, den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu verkleinern.

Doch der Reihe nach. Denn vorerst ist der Bahnhofplatz noch eine große Baustelle. Die Tiefgarage soll, wenn alles planmäßig läuft, im Sommer 2020 fertig sein. Die Haltestellen werden für die Straßenbahnlinie 2 verlängert und verändert, die Friedrich-
Ebert-Straße wird nur noch dreispurig sein: mit einer Fahrspur auf der Innenstadtseite und zwei Spuren auf Bahnhofseite. Dann geht es an die Neugestaltung des Bahnhofplatzes mit allem Drum und Dran. Die Vorstellungen der Stadtverwaltung sehen so aus:

Fahrrad-Parkhaus Für Räder fehlen Abstellmöglichkeiten, erst recht, wenn die Neubaustrecke der Bahn fertig ist und sich die Zahl der Pendler weiter erhöhen dürfte. Von Winning möchte deshalb zwei Probleme auf einen Schlag lösen: Ein Teil des Tiefgaragendeckels soll mit einem Gebäude bebaut werden, das unter anderem ein Fahrrad-Parkhaus enthält. Das Haus würde an der Stelle des einstigen Russischen Hofs stehen. Die Stadt hat statisch schon mal Vorsorge getroffen: „Die Tiefgarage hält ein sechsgeschossiges Haus aus.“

Der Neubau soll den Bahnhofplatz nach Süden hin abschließen. Eine ebenerdige Passage durch das Gebäude würde eine Verbindung zum ZOB schaffen, vorbei beispielsweise an Kiosk, Bäcker, Café und einem Sozialraum für Busfahrer. Das Fahrrad-Parkhaus mit mehreren 100 Stellplätzen soll modern und zukunftsfähig ausgestattet sein: mit abschließbaren  Radboxen und Auflademöglichkeiten für Pedelecs.

Busbahnhof Ein Neubau auf dem Bahnhofplatz ist aber nur möglich, wenn der ZOB verkleinert wird. Denn die Zufahrt, die bis zum Beginn der Tiefgaragen-Bauarbeiten auf Höhe des Fußgängerstegs war, müsste weiter nach Süden, also Höhe Deutschhaus, rücken. Das bedeutet: Es wäre weniger Platz für die Bushaltestellen.

Wie viele Bussteige sind nötig? Um diese Frage wird eine heiße Diskussion entbrennen. Die Stadt hat laut Baubürgermeister eine Studie in Auftrag gegeben, nach der der ZOB auch mit weniger Bussteigen voll funktionsfähig bleibt. IHK und Busunternehmer halten das für ausgeschlossen.

Bussteige optimal nutzen

Für von Winning ist klar: Der Linienbetrieb muss reibungslos laufen. Hat ein Bus aber mal Verspätung, muss seiner Ansicht nach in Kauf genommen werden, dass der übliche Bussteig belegt ist und der Bus an einen anderen ausweichen muss. Der ZOB sei zudem für viele Busse Endhaltestelle. Die Wartezeiten bis zur nächsten Abfahrt könnten die Busse auch an anderer Stelle als an ihrem Bussteig überbrücken: „Er wäre dann für andere Linien frei.“ Die Bussteige müssten optimal ausgenutzt werden, „die Zukunftsfähigkeit eines ZOB bemisst sich nicht nur nach der Zahl der Bussteige“.

Von Winning hält es auch nicht für gesetzt, dass Ausflugsfahrten am ZOB starten – „jedenfalls nicht zu Spitzenzeiten“. Die Reisebusse könnten verlegt werden beispielsweise an die Messe oder an die Glöcklerstraße.

Bahnhof Zu einem neuen Bahnhofplatz und der Schnellbahnstrecke gehört ein neues Bahnhofsgebäude, findet die Stadt. Daraus wird aber wohl in absehbarer Zeit nichts, denn die Deutsche Bahn will nicht in einen Neubau investieren. „Wir sind weiter intensiv im Gespräch“, sagt von Winning. Bisher zeichne sich aber nur eine Modernisierung ab – es sei denn, die Stadt übernähme die Finanzierung eines Neubaus. Der Baubürgermeister rechnet mit einem Volumen von mindestens 30 Millionen Euro und sagt: „Das ist nicht Aufgabe der Stadt.“

Von Winning ist von den städtischen Plänen überzeugt: „Funktionalität und gestalterische Ordnung sind gemeinsam möglich.“ Das zeige das Beispiel Neue Mitte. Wenngleich der Baubürgermeister einräumt: „Die Aufgabe am Bahnhof ist deutlich größer.“

Eine Frage der Funktionalität

Nichts ist in Ulm kommunalpolitisch so umstritten wie alles, was mit dem Bahnhofplatz zu tun hat. Tiefgarage oder Parkhaus oder keins von beiden? Zwei Fahrspuren oder vier? Beide Fragen sorgten für teils erbittert geführte Diskussionen. Nun steht das nächste Thema an, das die Emotionen hoch gehen lassen dürfte: Wird der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) verkleinert, damit die Stadtplaner aus dem Bahnhofplatz einen Platz machen können?

Aus stadtplanerischer Sicht muss man sagen: unbedingt. Der Bahnhofplatz wabert nach Süden ohne Halt und Fassung aus. Ein Neubau würde den Platz als solchen definieren, die Bereiche vor dem Bahnhof und am Busbahnhof klar strukturieren.

Um Gestaltung geht es aber nicht allein. In erster Linie muss die Funktionsfähigkeit des wichtigsten Ulmer Verkehrs-
knotens erhalten bleiben. Wenn der Nahverkehr gestärkt werden soll, wenn mehr Menschen auf Busse und Bahnen umsteigen sollen, dann muss auch der Betrieb am Busbahnhof nutzerfreundlich und attraktiv sein.

Ob das mit weniger Bussteigen geht, bleibt vorerst abzuwarten. Baubürgermeister Tim von Winning wird im Herbst den Stadträten die Studie vorlegen, die genau das belegen soll. Die IHK wird mit einer Gegen-Studie kontern. Die Stadträte müssen dann im Licht der Zahlen und Gutachtermeinungen entscheiden.

Verkehr Wie werden künftig die Radler am Bahnhof geführt? Zwei Varianten sind laut Baubürgermeister denkbar: ein Radweg auf der Bahnhofseite mit Fahrspuren in beide Richtungen oder eingezeichnete Schutzstreifen für Radler auf den Fahrbahnen. Tim von Winning hält Schutzstreifen für sicherer. Radwege mit gegenläufigen Spuren seien unübersichtlich am Bahnhof mit viel Fußgängerverkehr.

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Kommentare

04.09.2017 21:12 Uhr

Wie witzig...

... die Verkehrsexperten beraten die bescheidene Lage mal wieder aus ihrer Sicht und offenbaren dabei wie selbstverständlich ihre Unkenntnis.

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30.08.2017 14:58 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Herr Braun””

Sorry, eigentlich wollte ich Herrn Richter antworten ...

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30.08.2017 14:57 Uhr

Antwort auf „Herr Braun”

Mag sein, dass das der Wille der Verantwortlichen ist. Ich höre dann allerdings jetzt schon das "Gequietsche" des Einzelhandels in der Innenstadt, wenn es massive Einbrüche beim Umsatz und Pleiten gibt. By the way, wenn dem so ist, wie Sie schreiben, wozu baut man dann (gerade in der Innenstadt) ein Parkhaus neben das andere? Das hat mir noch niemand erklären können. Will man dort dann ebenfalls Fahrräder einstellen?

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28.08.2017 11:28 Uhr

Herr Braun

Es wird keine Autos mehr in der Ulmer Innenstadt geben!

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28.08.2017 08:50 Uhr

Taxi Stand?

Ich lese hier nur was vom Busbahnhof, von Fahrradabsttellmöglichkeiten. Auch ein Taxistand gehört an jeden Bahnhof. Wo soll dieser denn hin?

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