Neue Idee fürs Blautalcenter: Wohnungen statt leerer Läden

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    Das Blautalcenter könnte im Zuge einer Neuaufstellung womöglich auch einen zusätzlichen Eingang erhalten. Foto: 
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    Guido Reuter schlägt mit dem Ulmer Center neue Wege ein. Foto: 
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Im Ulmer Handel stehen weitere einschneidende Veränderungen bevor.  Dabei rückt nun das Blautalcenter in den Fokus, in dem womöglich Verkaufsflächen in Wohnungen umgewidmet werden. Zunächst steht jedoch am 23. November die Neueröffnung von Décathlon bevor.

Nicht zuletzt der Konflikt um die Ansiedlung des französischen Sportfilialisten hat beim Centermanager Wealthcap (München) vollkommen neue Überlegungen ausgelöst. Demnach könnte ein größerer Teil der Handelsflächen stillgelegt und vorrangig in Wohnungen sowie in Praxen und Büros oder einen Freizeitpark mit Bowling-Bahnen, Fitness oder Tanzstudios umgewandelt werden. Von dieser „grundsätzlichen Idee“, die das 1997 eröffnete Blautalcenter für die nächsten 20 Jahre aufstellen soll, berichtete Centermanager Guido Reuter (43).

Machbarkeitsstudie folgt

Auch der Einbau eines Kinos wäre möglich. „Wir denken in ganz verschiedene Richtungen“, sagte der Centermanager, der erst im Juni vom City-Carré in Magdeburg nach Ulm gekommen ist. Man wolle mit dieser Vision, zu der es im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie geben soll, in Kürze auf das Rathaus zugehen. Reuter hat ähnliche Verhandlungen schon einmal bei der Umwandlung der Megastores im holländischen Den Haag geführt – ursprünglich eine Ansammlung von 70 Möbelgeschäften. Auch hier ging es um die Konkurrenz innenstadt-relevanter Sortimente zur City. Reuter konnte die Leerstände deutlich abbauen, es wurden Apartment-Türme draufgesetzt, und die ING Diba kaufte letztlich den Komplex. Er denkt in Ulm auch darüber nach, im Zuge der Neuansiedlung eines Supermarkts eine Wand zur Blau­beurer Straße herauszubrechen und einen zusätzlichen Eingang zu dem aus seiner Sicht viel zu versteckten Center zu schaffen.

Falls ein Teil des Blautalcenters zu Wohnungen umgewidmet wird, dürfte dafür der stadtauswärts gelegene, westliche Teil in Frage kommen. Reuter sieht das „Stadtregal“ mit Loftwohnungen auf der anderen Seite der Blau als Vorbild. Dafür müsste allerdings die westliche Parkspindel abgebrochen werden. Aus Sicht des Centermanagers gibt es ohnehin zu viele Parkplätze im Center, so dass man die Wohnungen womöglich aufs Parkdeck aufsetzen könnte. Sie würden also nicht in die bisherige Bausubstanz eingebaut, sondern durch Neubauten angefügt. Reuter macht keinen Hehl daraus, dass im Blautalcenter bereits erhebliche Flächen leerstehen. Es handelt sich um ein Dutzend leere Läden. Weil alleine im Supermarkt 7000 Quadratmeter frei sind, dürften insgesamt deutlich mehr als 10 000 Quadratmeter leerstehen. Somit könnten bei Umsetzung des Konversionsprojekts von 37 500 Quadratmetern Verkaufsfläche vielleicht nur noch 30 000 übrig bleiben. Reuter legt freilich Wert darauf, dass das Blautalcenter im Kern stets ein Shoppingcenter bleibt.

Streit mit Rathaus beenden

Wealthcap würde mit dem Projekt ein Stück weit die Sedelhöfe als Modell nehmen, wo Investor DC den Anteil der Wohnungen auf über 110 ausgeweitet hat. Wohnungen im Umfeld des Blautalcenters würden auch die Frequenz im Center erhöhen, die nach Beobachtungen Reuters unter der Schließung des V-Markts gelitten hat. Die SB-Fläche wird voraussichtlich aufgeteilt. Reuter wünscht sich in diesem Kontext auch kleinere Lebensmittelanbieter wie Bäcker und Metzger.

Mit Décathlon werden nun auf alle Fälle 2500 Quadratmeter neu vergeben, der Ladenbau läuft. Reuter sagte, man wolle mit dem neuen Konzept auch der Stadt entgegenkommen und mit dem Abbau von Verkaufsflächen den langjährigen, komplizierten Streit um Sortimentsgrenzen beenden.

Darauf legt Wealthcap auch deshalb Wert, weil die Verkaufspläne für das Center ad acta gelegt wurden. Es bleibt so in einem von Wealthcap verwalteten Fonds der Hypovereinsbank, der auch die Investitionen schultern muss.

Einkaufszentrum Das 1997 eröffnete Blautalcenter gilt als eines der größten Einkaufszentren in Süddeutschland. Es wurde auf dem Gelände eines früheren Werks von Magirus gebaut.

Fläche Das Center hat 37 500 Quadratmeter Verkaufsfläche, ist auch viel größer als die Glacis-Galerie. 2500 Parkplätze. Noch 80 Mieter – auch nach verschiedenen Mieter-Insolvenzen.

Manager Guido Reuter stammt aus dem Süden Berlins und war bei Lidl, bevor er zu Wealthcap wechselte. Privat ist er begeisterter Mountainbiker und hat dafür das Lautertal entdeckt.

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Kommentare

13.08.2017 11:47 Uhr

Das übliche Geschwafel mal wieder...

Welches Einkaufszentrum, wenn nicht das Blautal-Center, ist denn noch besser erreichbar als obiges?
Verkehrschaos, wo denn? Auf der Blaubeurer Straße? Die ist, wie in anderen Städten auch, zur HVZ eben überfüllt, ansonsten mit dem Auto problemlos erreichbar.
@ Herr Hub: Schwadronierten sie nicht noch vorige Woche darüber daß sie der Ulmer Innenstadt in Zukunft den Rücken kehren und nur noch dem Blautal-Center und Amazon den Vorzug geben würden?
Jetzt also nur noch Amazon...viel Spaß beim einkaufen dort!

Am besten baut die SWU gleich da auch noch ne Tramlinie hin und dann wird die Blaubeurer Straße auf 2 Fahrspuren zurückgebaut. DAS wäre mal ne Herzinfarkt fördernde Maßnahme für einige Schwätzer hier... :-)))

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12.08.2017 17:32 Uhr

Eine gute Idee

Wohnungen sind in Ulm Mangelware und so teuer.

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12.08.2017 15:36 Uhr

Welch ein Glück hatte die Stadt Ulm mit den Sedelhöfen

ursprünglich war auch ein reines Einkaufscenter geplant. Durch die Entstehung der Glacis Galerie und durch den Absprung des ersten Investors veränderte sich das Projekt vom Einkaufszentrum zur Wohnbebauung mit Praxen und einigen Läden. Das war allerdings nicht das Produkt vorausschauender Planung, sondern reines Glück. Das Blautalcenter leidet sicherlich auch unter dem Ulmer Verkehrs Dauerchaos. Die neuen Pläne sind durchaus sinnvoll.

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12.08.2017 14:39 Uhr

Nachmittags ist viel auf der straße los Abends ist es ein Gangsterstadt....

da fühle ich mich überhaupt nicht wohl

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12.08.2017 11:17 Uhr

Den Tipp kann man gleich an die "Macher" der Glacisgalerie weiterleiten...

...wobei ich nicht zu wahrscheinlich abartigen Mietpreisen in einem Center wohnen möchte in denen schlecht erzogene Menschen nur aus Langeweile rumlungern und eh nichts kaufen...

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12.08.2017 09:04 Uhr

schuld ist die Ulmer Verkehrsplanung

Das Blautalcenter war durchaus attraktiv und ein Parkplatz war sicher.
Allerdings wurde der Weg dorthin immer unattraktiver.
In Ulm kriecht der Verkehr fast überall, so dass man letztlich Amazon und Konsorten den Vorzug gibt.

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