Neue Ausstellung im Stadthaus folgt den leuchtenden Spuren der Zivilisation

Futuristische Fantasien? Nein, es sind die real existierenden Mega-Cities. Dem "Urbanen Leuchten" widmet sich das Stadthaus mit seiner neuen Ausstellung. In Nahaufnahme und aus dem All.

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  • Wirklichkeit gewordenes Metropolis im Jahr 2012: "Beijing III", fotografiert von Christian Höhn. 1/2
    Wirklichkeit gewordenes Metropolis im Jahr 2012: "Beijing III", fotografiert von Christian Höhn.
  • Die Lichter entlang des Nils. Foto: NASA Earth Observatory / NOAA / Ministery of Defense 2/2
    Die Lichter entlang des Nils. Foto: NASA Earth Observatory / NOAA / Ministery of Defense
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"Irgendwo scheint immer ein Licht auf unserem Planeten", sagt Raimund Kast. Das klingt tröstlich und zugleich schauerlich - denn der Projektleiter der neuen Stadthaus-Ausstellung meint das überhaupt nicht adventlich-besinnlich. Er hat nur eine Feststellung getroffen: Nämlich, dass die Erde tatsächlich niemals dunkel wird. Belege von ganz oben liefert die Fotoausstellung "Urbanes Leuchten", die morgen im Stadthaus eröffnet.

Zu sehen sind die Bilder der zwei Fotokünstler Christian Höhn und Wolfgang Reichmann, die sich mit dem Thema Stadt befassen. Beginnen wird der Besucher aber mit einem Blick aus dem All, mit Bildern des Planeten bei Nacht. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat sie mithilfe eines Spezialsatelliten aufgenommen. Suomi NPP umrundete die Erde und fotografierte den Planeten im April und Oktober 2012 mit einem Spezialsensor an 22 Tagen bei Dunkelheit. Natürliche Lichtquellen sind herausgefiltert. Was wir sehen, sind die Lichter, die wir uns selbst anstecken.

Eine riesige Komplett-Aufnahme der Erde zeigt einen Traum in Dunkelblau mit feinen Glitzerapplikationen. Darauf kann man leicht die zivilisatorischen Zentren ausmachen: Die Ostküste Nordamerikas glitzert hell, der Mittlere Westen bleibt recht finster, erst Hollywood strahlt wieder als ein einziger Stern. Das dicht besiedelte Nildelta windet sich glänzend wie eine Schlange, wie ein kostbares Collier. Zu delikaten Sternbildern formieren sich die Fischerboote im Ozean, die illuminierten Autobahnen der Scheichs. Dass Japan funkelt, während Afrika weitgehend im Dunkel versinkt, ist traurig erwartbar. Wie eindeutig aber die Hell-Dunkel-Grenze zwischen Nord- und Südkorea verläuft, das ist dann doch erschreckend.

Im hell erleuchteten Mitteleuropa, nicht weit von einer Milchstraße namens Rhein, hat Raimund Kast ein Fleckchen ausgemacht, das Ulm sein dürfte. Das sei gar nicht despektierlich gemeint, sagt Stadthaus-Leiterin Karla Nieraad - aber diese Ausstellung helfe der ambitionierten kleinen Münsterstadt vielleicht auch, sich realistisch in der Welt zu verorten. . .

Hilfestellung dazu gibt vor allem Christian Höhn. Auf Leuchtkästen und Fotografien präsentiert er die Mega-Cities Asiens. Städte in der schier unvorstellbaren Größe von mehr als 10 Millionen Einwohnern - wie Shenzhen, das erst seit Ende der 70er-Jahre zum Millionen-Moloch angewachsen ist. Oder Chongqing, die vielleicht größte Stadtregion der Welt, die rund 35 Millionen Einwohner auf eine Fläche von der Ausdehnung Österreichs verteilt.

Fotografiert hat Christian Höhn von Hubschraubern oder Berggipfeln aus: schrecklich-schöne, Wirklichkeit gewordene futuristische Fantasien. Wie in der Matrix eines Science-Fiction-Films schießen zehnspurige Autobahnen zwischen den Hochhäusern in Peking hindurch. "Da entstehen richtige Landschaften", sagt Fotograf Höhn - nur schlängelt sich statt eines Flusses eben der silberne Highway zwischen die chinesischen Wohnblocks hinein.

Gegen diese Megalomanie ist New York ein gemütliches historisches Städtchen. Wolfgang Reichmanns 30-teiliges Panorama von Chelsea, aufgenommen vom Balkon im 20. Stock aus, spielt in beige- und rosa-Tönen. Der österreichische Fotograf hat zwar nachts, aber mit einem Tageslichtfilm fotografiert und jedes Negativ etwa sechs Minuten lang belichtet, eine Zigarettenlänge lang, meint er schmunzelnd.

Ausschnitte aus dieser langen Nacht hat er für eine eigene Serie extrem vergrößert. Die Kamera führt uns indiskret nah an das heran, was hinter den Fenstern der großen Städte vorgehen könnte. Sie entlarvt heimliche Raucher und findet offene Ansagen: "Stay off this roof". Denn auch im Auge der Metropolis stellt sich der Mensch gern in aller Ruhe seinen Gartenstuhl aufs Dach.

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