Neu-Ulms Museumschefin fiebert auf Wiedereröffnung hin

Erst im Februar eröffnet das Edwin-Scharff-Museum Neu-Ulm – später als geplant. Für Chefin Helga Gutbrod  „kein Beinbruch“: Die Planung steht.

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Freut sich auf Februar, wenn die Türen wieder öffnen: Museumschefin Helga Gutbrod.  Foto: 

Noch heißt es „Betreten strikt verboten“: Zumindest der Eingang des Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Museums ist nach wie vor eine Baustelle. Am 23. Februar eröffnet das Haus, das bereits in diesem Herbst saniert und mit neuem Eingangsbereich aufwarten wollte – rund 350. 000 Euro teurer als geplant. Der Kummer von Chefin Helga Gutbrod hält sich in Grenzen, denn weder Verschiebung noch Kostensteigerung seien bei einem denkmalgeschützten Altbau ungewöhnlich, meint sie. Und die Ausstellungsplanung ab 2018 konnte sie den Stadträten gestern präsentieren.

Das sieht noch nach einer Menge Arbeit aus. Sind Sie sicher, dass der neue Termin zu halten ist?

Helga Gutbrod: Es ist noch eine Menge zu schaffen, aber ich gehe davon aus, dass wir am 23. Februar eröffnen. Im Altbau sieht es ganz ordentlich aus, und da war ja am allermeisten zu tun. Die neue Klimaanlage haben wir schon hochgefahren, nun fangen wir an, für die neue Präsentation der Sammlungen Scharff und Geitlinger zu stellen. Langsam bekommen wir eine Vorstellung, wie es aussehen wird, wenn wieder Kunst an den Wänden hängt. Das ist aufregend, gestern hatte ich richtig Herzklopfen.

Der Umbau ist ja nun doch teurer geworden, was war da los?

Es ist immer wieder was Neues dazugekommen: zum Beispiel die Kabel, die falsch verlegt waren und komplett herausgerissen werden mussten, auch ein Parkettboden musste neu verlegt werden. Dadurch haben sich Gewerke verschoben, und das hat Zeit und Geld gekostet.

Stichwort Geld: Bleiben Sie im neuen Budget von 3,3 Millionen Euro?

Das wird gerade noch geprüft.

Der neue Eingangsbereich wirkt allerdings momentan noch ziemlich unfertig.

Da muss auch noch viel passieren. Die Einrichtung und die Küche für das neue Café etwa werden noch eingebaut. Aber der Eingang ist jetzt nach links gerückt, so dass man ihn künftig vom Petrusplatz aus sehen kann, wofür auch ein LED-Bildschirm sorgen wird, der die Ausstellungen ankündigt.

Führen Sie uns doch mal imaginär durch Ihr neues Haus.

Wenn der Besucher eintritt, steht er erst einmal im Café – wer der Betreiber sein wird, sollte Mitte November klar sein –, der ganze Eingangsbereich mit Kasse und Shop wird großzügiger und einladender sein. Hier kann man sich dann auch einfach mal auf einen Kaffee verabreden. Die Ausstellungsräume mit den Sammlungen bleiben bestehen, nur die Auswahl wird sich verändern: Bei Edwin Scharff wollen wir den Akzent stärker auf das Frühwerk legen. Wichtig ist auch, dass wir uns stärker inklusiv ausrichten und Audioguides anbieten, auch den einen oder anderen Monitor wird es geben.

Daran haben Sie in den Monaten der Schließung gearbeitet?

Ja, wir hatten uns viel vorgenommen. Bis Ende des Jahres soll auch die überarbeitete Homepage fertig sein, außerdem feilen wir an einem neuen Erscheinungsbild und an der Digitalisierung der Sammlung, um den Bestand in einer Datenbank zugänglich zu machen.

Der Verzögerung ist ja auch Ihre Eröffnungsausstellung zum Opfer gefallen.

Leider, denn da hatten wir schon viel Zeit reingesteckt, sogar mit einer Publikation begonnen. Zur Eröffnung war eine Ausstellung mit den Preisträgern des Edwin-Scharff-Preises geplant, der bedeutendsten Kunst-Auszeichnung der Stadt Hamburg für prominente Künstler wie Hanne Darboven, Bogomir Ecker und Daniel Richter. Ich wollte die spannendsten Positionen vorstellen, kann aber nicht versprechen, dass sie in zwei Jahren alle noch verfügbar sind, wenn wir die Schau nachholen. Nachdem ich schon weiter voraus geplant hatte, konnte ich sie nicht einfach schieben. Eine Eröffnung mit dem Namensgeber wäre natürlich schön gewesen, aber so ist es auch kein Beinbruch. Nun starten wir mit der Retrospektive von Emil Cimiotti, einem der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit.

Was versprechen Sie sich vom „neuen“ Museum?

Zum einen können wir durch die technische Sanierung von Klimaanlage, Brandschutz und Alarmanlage unsere Qualität halten, das gibt mir den Leihgebern gegenüber ein besseres Gefühl. Und dann bin ich wirklich gespannt, wie das wird, wenn vorne ein Café ist, das allen offen steht. Ich hoffe, dass uns das mehr in die Stadt hineinzieht, denn das war ja die große Idee dahinter: eine Belebung der Innenstadt. Mehr Durchlässigkeit und eine andere Offenheit, das würde ich mir wünschen.

Die Ausstellungsplanung für 2018 hat Helga Gutbrod gestern im Neu-Ulmer Kulturausschuss vorgelegt. Demnach zeigt das Kindermuseum von 24. Februar bis 15. September die Ausstellung „Hör mal wer da guckt. Eine Mitmach-Ausstellung zum Sehen, Hören, Staunen“. Das Kunstmuseum eröffnet mit einer Retro­spektive des Bildhauers Emil Cimiotti (24. Februar bis 21. Mai), einem Pionier des Informel.
„Flächenbrand Expressionismus“ mit Holzschnitten aus einer Privatsammlung ist von 8. Juni bis 26. August zu sehen. Und „Wie ein Traum“ soll die Schau zu Emil Orlik in Japan aussehen (14. September bis 27. Januar), in der es um die Japan-Begeisterung im Jugendstil geht. Die ursprünglich zur Eröffnung geplante Schau mit den Preisträgern des Hamburger Edwin-­Scharff-Preises startet dann wohl am 8. Februar 2019.

Erweiterte Öffungszeiten Samstags wird wie am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein.

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