Nah am Boulevard gebaut

Schauspieler spielen Schauspieler - und die spielen einen Krimi: "Mann - sooo ein Theater" ist eine vertrackte und bisweilen etwas alberne Persiflage. Premiere hatte es am Freitag im Theater Neu-Ulm.

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Heinz Koch (links), Thomas Weppel und Melanie Maria Mosler in der neuen Inszenierung am Neu-Ulmer Theater. Foto: Lars Schwerdtfeger

Ein Schauspieler kann sich noch so sehr in seine Rolle einfinden, er bleibt immer auch Schauspieler. Dass immer zwei Figuren in einer Person auf der Bühne stehen, das machen sich Tom Müller und Sabine Misiorny in ihrer Kriminalkomödie "Mann - sooo ein Theater" auf vertrackte Weise zunutze. Die Premiere im Theater Neu-Ulm unter der Regie von Claudia Riese am Freitag ließ zudem kaum eine Gelegenheit aus, die bisweilen doch vorhersehbaren und auch albernen Pointen mit einem genauso albern überzogenen Spiel zu verstärken.

Allerdings wird es nur wenige Schauspieler geben, die den Namen des Ermordeten, Mr. Thitherthorough, derart fein und mit unterschwelliger Ironie zu sprechen vermögen, wie das Heinz Koch als (falscher) Inspektor und Schauspieler Brenner vermag.

Die vordergründige Handlung des Stücks im Stück, das vier Schauspieler proben, ist schnell erzählt. Mr. Thitherthorough wurde ermordet, es taucht ein Inspektor auf, der Lady Thitherthorough und den Hausfreund (und mehr) als Mörder verdächtigt. Dass der Inspektor eigene Gründe hat, die zwei zu überführen, erfährt man am Schluss, als die Handlung eine dramatische Wendung nimmt.

Das ist die eine Ebene des Stücks. Eine zweite sind die Schauspieler als Privatpersonen mit ihren Eitelkeiten, Wünschen und ihrem Unvermögen. Denn die Probe für das Stück läuft alles andere als gut. Ein Darsteller ist erkrankt, sein Ersatz noch nicht zugegen. Die Schauspielerin Karin, die Lady Thitherthorough spielt, hat weniger ihre Rolle als ihre Liebe zum Regisseur im Sinn. Melanie Maria Mosler überzeugt in der Rolle als naive und liebeshungrige Karin. Als Lady Thitherthorough bleibt sie eher blass, sie müsste viel distinguierter sein. Thomas Weppel bewegt sich souverän in seinen beiden Rollen, einmal als Regisseur des Stückes, einmal als Ersatz für den fehlenden Schauspieler.

Dass das Stück für die Figur eines Dienstmädchens eine Rockrolle verlangt, dafür kann Holger Menzel nichts. Aber sie derart überzogen zu spielen, das ist weder komisch noch witzig, das ist albern. Da hätte sich die Regie mehr einfallen lassen können. Den Zuschauer, der unversehens und nichts wissend ins Spiel einbezogen wird, gibt Menzel als ein zwischen Aktion und Reaktion Hin- und Hergerissener gut.

Wie auch Heinz Koch das Hin und Her zwischen den Rollen sehr gut meistert. Der eitle und alternde Schauspieler Brenner, der auf der Bühne dann aber doch am sichersten agiert, liegt ihm bestens, als Inspektor wirkt er etwas steif und unbeweglich.

"Mann sooo ein Theater" ist ein Stück in englischem Ambiente, das trotz seiner Doppelbödigkeit sehr nahe am Boulevard gebaut ist. Also sollte man nicht zu viel von ihm erwarten - und auch nicht zuviel hineininterpretieren, was Regisseurin Claudia Riese auch nicht tat.

Info Nächste Termine sind am kommenden Wochenende 25./26./27. Oktober, Fr, Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr. www.theater-neu-ulm.de

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Kommentare

22.10.2013 18:06 Uhr

Ironie? No!

Hier verkneife ich mir jede Ironie und sage unverblümt: Otfried Käppeler versteht nix von Theater. Und mit dem Genre fängt er schon gar nix an.

"Allerdings wird es nur wenige Schauspieler geben, die den Namen des Ermordeten, Mr. Thitherthorough, derart fein und mit unterschwelliger Ironie zu sprechen vermögen, wie das Heinz Koch als (falscher) Inspektor und Schauspieler Brenner vermag."

Da muss ich kichern: Wieviel Schauspieler kennt er denn überhaupt? Und wer von denen, die er kennt, musste bisher diesen Namen aussprechen? Ich vermute mal: keiner! Dementsprechend sind auch seine selbstgewiss verkündeten sonstigen Urteile zu werten.

Was sagt die Rezensentin in der anderen Zeitung?

"Es geht turbulent zu, vor allem aber derart lustig, dass manch ein Zuschauer während der Premiere einen Lachkrampf bekam." Vielleicht, weil er Theater geguckt und sich hat hinreißen lassen ...

Anders kämen ja diese Zuschauerstimmen nicht zustande:

"Wir waren heute in der Premiere und haben uns köstlich amüsiert >>> ein tolles, unterhaltsames Stück Ute + Jürgen"

"Großes Lob an alle Schauspieler und Melanie Mosler aus dem Uni-Chor. Joachim"

"Selten so gelacht! Das Stück - kurzweilig und sehr unterhaltsam. Die Akteure verkörpern ihre Rollen, wie man es sich im richtigen Leben vorstellen kann. Weiter so! - Oliver"

"Kurzweilig und amüsant. Hervorragende Schauspieler. Danke." (anonym)

Dementsprechend gab es langanhaltenden Premieren-Applaus - etwas, was durchaus in einer solchen Rezension gerwähnt gehört. Es drängt sich der Verdacht auf: Wäre der Applaus kurz und endenwollend gewesen, wäre das aufgeschrieben worden.

Aber was soll's - man kann ja eine der nächsten Vorstellungen anschauen.

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