Nadine Horn und Jörg Mayer veröffentlichen vegane Rezepte

Was einst als digitaler Notizblock für Familie und Freunde begann, ist inzwischen ein kleines Koch-Imperium: Unter der Marke „Eat this!“ veröffentlichen Nadine Horn und Jörg Mayer vegane Rezepte.

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Spinatstrudel mit Wildkräutern, marokkanischer Eintopf, gebackene Süßkartoffeln mit schwarzen Bohnen oder Amaranth-Porridge mit Apfel-Zimt-Kompott: Wenn man durch die Rezeptsammlung von Nadine Horn (33) und Jörg Mayer (32) schmökert, steigt die Speicheldrüsenproduktivität. Seit 2011 betreibt das Ulmer Paar das Vegan-Blog „Eat this!“ – eines der bekanntesten im deutschsprachigen Internet. Gerade ist ihr drittes Kochbuch erschienen. Ein Gespräch über Fleischersatz, Foodstyling und die Liebe zum Grünkohl.

Frau Horn, Herr Mayer, seit wann ernähren Sie sich rein pflanzlich und warum?

NADINE HORN: Ich bin seit zehn Jahren Veganerin und vorher schon ewig Vegetarierin. Die ethischen Gründe standen für mich im Vordergrund – da hab’ ich dann auch auf meinen Käse verzichtet.

JÖRG MAYER: Nadine behauptet immer, ich wäre noch nicht Veganer gewesen, als wir uns kennengelernt haben – aber ich war schon auf dem Weg dahin. Damals habe ich mit einem Metzgerssohn gewettet, dass er es nicht schafft, 30 Tage lang vegan zu leben.

Wer hat gewonnen?
MAYER: (lacht) Natürlich ich!

Auch in der veganen Ernährung gibt es viele verschiedene Richtungen. Welche bevorzugen Sie?
HORN: Gute Gemüseküche! Es gibt so viel, was man aus Gemüse machen kann. Schade ist, dass die Diversität so eingeschränkt ist.

MAYER: Es gibt so viel Vergessenes wie Grün- oder Schwarzkohl, dabei sind das total interessante Lebensmittel. Das ist unser Bestreben: Den Leuten zu zeigen, dass man tolle Sachen damit machen kann.

HORN: Uns ist auch wichtig, dass die Sachen regional sind. Wir wollen keine Bio-Kartoffeln aus Ägypten kaufen.

Und wie finden Sie Seitanschnitzel und Sojahack?
MAYER: Ab und zu mal essen wir diese Fleischersatzprodukte ganz gerne – aber selbst gemacht. Die gekauften Fertigprodukte sind nicht gesund, die sind zu salzig, zu fettig.

Der Ursprung Ihres Blogs . . .
MAYER: . . . geht darauf zurück, dass wir total leckere Sachen gekocht und uns ein paar Tage später gefragt haben: Was war das nochmal? Und unsere Familie und Freunde haben nach den Rezepten gefragt. So kam es 2011 zum Blog. Am Anfang wollten wir nur zeigen, wie das Essen aussehen könnte und haben abends nach dem Arbeiten in der dunklen Wohnung noch schnell Fotos gemacht.

HORN: Damals gab es im Food-Bereich noch nicht so viele deutsche Blogs, erst recht kaum vegane. Wir haben uns viel an der amerikanischen Szene orientiert, die waren uns ein paar Jahre voraus.

Inzwischen sind Sie professioneller geworden.
MAYER: Dass das Ganze nicht so schön aussah, ist uns auch aufgefallen. Da kam dann der Ehrgeiz. Die Fotografie habe ich autodidaktisch erlernt.

HORN: Du hast Dich ja vorher schon dafür interessiert, aber nicht für Food. Es kommt so viel aufs Licht an, das glaubt man nicht.

Und das Foodstyling . . .
HORN: . . . ist alles echt, wir essen das nach dem Fotografieren immer gleich auf!

Wie viele Besucher lesen Eat This?
MAYER: Wir haben jeden Monat um die 70.000 Besucher und etwa 300.000 Seitenaufrufe.

Inzwischen haben Sie mehrere Bücher herausgebracht. Können sie vom Blog leben?
HORN: Nein, leider nicht! Wir haben mehrere Standbeine.

MAYER: Das ist einmal alles rund ums Blog: Dazu gehören die Bücher, Kochshows auf Messen, aber auch Auftragsarbeit als Foodstylist und -fotograf. Und von zu Hause aus arbeiten wir als Grafik- und Webdesigner.

Sie lassen sich auch von Lebensmittel-Herstellern sponsern.
HORN: Da landen schon die wildesten Anfragen in unserem Postfach. Ein Wursthersteller, der seit Kurzem auch Fleischersatzprodukte verkauft, versucht es zum Beispiel immer wieder bei uns, aber das kommt für uns nicht infrage.

MAYER: Wir können nicht etwas bewerben, was so sehr gegen den Ursprung unserer ethischen Entscheidung geht.

HORN: Es hat halt jetzt jeder entdeckt, dass man mit veganen Produkten Geld machen kann. Aber gute Produkte stellen wir auch gerne vor oder verwenden sie in unseren Rezepten. Diese Beiträge sind entsprechend gekennzeichnet.

Wie sehr beeinflusst die Gestaltung den Erfolg Ihres Blogs?
MAYER: Als Grafiker haben wir einen gewissen Anspruch an uns selbst – der steht einem manchmal auch im Weg. Aber wir sehen, dass die Besucher das klare Design gut annehmen.

HORN: Es ist schon ein Dauerzustand, dass wir was umbauen wollen. Wir sind immer dabei, die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.

Wie entwickeln Sie Ihre Rezepte?
HORN: Entweder, man hat schon eine Idee im Kopf und kauft danach ein. Oder wir gucken, was wir ohnehin noch im Kühlschrank haben. Wir schauen auch viele Youtube-Kanäle oder versuchen Gerichte nachzukochen, die wir irgendwo gegessen haben.

MAYER: Wir lassen uns auch durch nicht-vegane Kochbücher inspirieren und überlegen dann: Wie bekommen wir da etwas Ähnliches hin?

Kokosöl, Chiasamen, Cashewmus – ist vegane Ernährung nur was für besserverdienende Hipster?
MAYER: Es ist ein Vorurteil, dass es teuer ist, vegan zu leben. Im Normalfall gibt man weniger Geld aus, denn man lässt ein sehr teures Produkt – Fleisch – schon mal weg. Außer natürlich, man kauft die Billig-Wurstpackung vom Discounter.

HORN: Wenn man einfach Wert auf gutes Gemüse legt, und das muss ja nicht immer bio sein, und nicht dauernd teure Chiasamen kauft, kann man sehr günstig davon leben.

Wie oft kochen Sie selbst – und was?
MAYER: Wir kochen fast jeden Tag, natürlich wandert nicht alles aufs Blog. Häufig gibt es thailändisch oder vietnamesisch Inspiriertes: Reis, frisches Gemüse, viel Chili.

Und was essen Sie am liebsten?
HORN: Abgesehen vom erwähnten lieben wir Sushi, aber auch zu einem gemütlichen Pizza-Abend am Wochenende sagen wir natürlich nicht nein.

Wo isst man unterwegs gut vegan?
HORN: Das ist in Ulm immer noch etwas schwierig, wobei immer mehr Restaurants vegane Optionen bieten. Abgesehen vom ersten rein veganen Restaurant, der Villa MaJo in Neu-Ulm, können wir das Restaurant Asia Van empfehlen, das mittlerweile viele vegane Gerichte anbietet. Söflinger sollten unbedingt im Café Edeltraudt vorbeischauen und Burger-Fans sollten sich den „Damn Veggie“ bei Damn Burger nicht entgehen lassen.

Info Die Blog-Adresse: eat-this.org

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