Nachwehen des Hochwassers an der Donau

Die Folgen des Hochwassers sind vielschichtig. Im Auwald sind Rehe und Kitze ertrunken; im Oberen Donauturm hat das Wasser die Räume der Jugendorganisation „Falken“ in Mitleidenschaft gezogen.

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„Ich bin in Trauer“, sagt Wolfgang Siegler, Jagdrevierleiter im Wiblinger Illerwald. Siegler ist bereits zum dritten Mal untröstlich, denn auch beim Hochwasser in den Jahren 1999 und 2002 waren ihm Rehe und Kitze ertrunken. Zwar hat er dieser Tage noch keine Kadaver gefunden, aber der 63-Jährige weiß aus Erfahrung, dass das Rehwild samt der wenige Wochen alten Kitzen im Auwald bei der Illerbiegung – Gemarkung Pfingstengrieß – hoffnungslos eingeschlossen war.

Beim Illerpegel in Höhe von 7,34 Metern an der nahen Illerbrücke blieben im Auwald noch nicht einmal Inseln stehen als Rückzugsgebiet für die Waldtiere. Versuchte das Rehwild vergeblich, an dortigen Hochwasserschutzmauern hochzukommen, wurde es vom Treibholz „zermalmt“. Dort hatte Siegler nach dem Pfingsthochwasser von 1999 sechs Rehkadaver gefunden.

In Höhe Gemarkung Platzmahd, südöstlich des Wiblinger Klosters, wurden am Sonntag Teile des Damms weggespült. Wird die Stelle repariert, sollte „der Illerdamm doch gleich um einen halben Meter erhöht werden“. Mit dieser Bitte will sich Siegler demnächst an Oberbürgermeister Ivo Gönner wenden. Denn bisher gebe es nur ausreichende Schutzdämme im Bereich von Wohnsiedlungen.

Siegler jammert im Namen aller Jagdkollegen, die in den Auwäldern nach Hochwasser immer wieder Verluste an Wild zu beklagen haben. „Ich brauche nun wieder fünf Jahre, bis ich im Illerwald bei meinen 20 Rehen bin“, sagt Siegler. Das Revier sei leer und trotzdem müsse er Pacht zahlen. Sollte demnächst wieder Rehwild aus Richtung Unterkirchberg in den Wald kommen, finde es vorerst nichts zum Äsen, denn die Wiesen und niedrigen Büsche sind noch voller Schlamm.

Siegler bejagt dieses 180 Hektar große Gebiet – davon 80 Hektar Wald – seit gut 25 Jahren. Und er legt als Futterstellen immer wieder Wildäcker mit vielerlei Kräutern an. Auch diese hat das Illerwasser erneut mitgenommen. Außerdem erschwerten freilaufende Hunde von Spaziergängern das ganze Jahr über die Jagd. „Die Störungen sind immens im Illerwald.“ Doch Jäger Siegler macht verdrossen weiter.

Sprichwörtlich abgesoffen sind auch die „Falken“. Der Ulmer Ortsverband der Sozialistischen Jugend Deutschlands hat sein Domizil im Oberen Donauturm – und dort im Untergeschoss. „Wir standen knöcheltief im Wasser“, sagt Norbert Rupsch, Sprecher des Ulmer Ortsverbands. Am Dienstagabend haben die Mitglieder der SPD-nahen aber nicht parteizugehörigen Jugendorganisation mit dem Großreinemachen angefangen, die Bilanz gestern: Heizung kaputt, Kabelleitung defekt, die Holzmöbel mit Wasser vollgesogen und teilweise unbrauchbar. Und dass es in den Räumen nun feucht ist und gehörig muffelt, versteht sich von selbst.

Auch für die Falken war es schon das dritte Mal nach 1999 und 2002, dass ihre Räume vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden, berichtet Rupsch. Diesmal sei es allerdings nicht ganz so schlimm gewesen, weil man die Eingangstür am Samstag nach allen Regeln der Kunst verrammelt habe. „Wasser kam zwar trotzdem durch, aber dafür kein Schlamm.“

In finanzieller Hinsicht zumindest muss der Ulmer Ortsverband nichts befürchten. Für die notwendigen Reparaturen komme der Stadtjugendring auf, sagt Rupsch. Über Sachspenden wie zum Beispiel das ein oder andere gebrauchte Möbelstück freue man sich aber. Wer etwas zu verschenken hat, kann sich bei Norbert Rupsch (Tel. 0170 - 28 61 471) melden.

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