Nachtkritik für „Vater“ am Theater Ulm: Verzweifeltes Gefecht

Großer Auftritt für Karl Heinz Glaser: Nach fünf Jahren im Ruhestand kehrt der Schauspieler für „Vater“ auf die Bühne des Theaters Ulm zurück und glänzt in seiner Rolle als Alzheimerkranker.

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Don Quichote im Kampf gegen die Windmühlen – schon zu Beginn hängt dieses Bild im Bühnenraum. Am Schluss ist selbst das verschwunden, der aussichtslose Kampf verloren, die Bühne leer und ein alter Mann mutterseelenallein. „Vater“ heißt das Stück von Florian Zeller, das am Donnerstag im Großen Haus des Theaters Ulm Premiere feierte, und die Windmühlen darin heißen Alzheimer. Fast zwei Stunden lang sehen wir dem 80-jährigen André zu, wie er vom selbstbewussten Herrn zum hilflosen Kind mutiert – eine Paraderolle für Karl Heinz Glaser, der in allen Facetten glänzen kann. Wütend, aber witzig, verzweifelt, aber charmant entführt er in die Innenwelt eines Menschen, dem sein eigener Kopf nicht mehr gehört. Denn das Stück folgt ihm: Da verwirren sich Ort und Zeit, vertauschen Menschen die Gestalt, bis der Zuschauer selbst nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. Regisseurin Karin Drechsel findet schöne Bilder (Bühnenbild: Mona Hapke), und insbesondere Aglaja Stadelmann als Tochter Anne gelingt es, neben dem alles dominierenden Glaser zu bestehen. Betroffener Applaus für einen betroffen machenden Theaterabend.

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