Nachtkritik: Balanescus „Treibgut“ angeschwemmt

Eine Uraufführung zum Auftakt des Donaufests: Alexander Balanescus „Treibgut“ im Theater Ulm. Rauschender Beifall, der künstlerische Fluss war teils gestaut.

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Was ist denn da angeschwemmt worden gestern Abend zum Auftakt des Donaufests? Allerhand „Treibgut“ von Alexander Balanescu, ein „choreografisches Musiktheater“ über die Heimatlosen, an dem auch Matthias Kaiser mitgeschöpft hat.

Dazu gehören ein clowneskes Baby (Thorsten Sigurdsson) und eine nicht weniger kindische Alte namens Granny (Maria Rosendorfsky) mit ihrem Kinderwagen, die Abzählreime singen und am Ende einen ziemlich verdrehten Donauwalzer. Dann arbeitet sich eine 16-köpfige Balletttruppe (Choreografie: Roberto Scafati) vor einer Staumauer ab und tanzt Menschenschicksale.

Balanescu wiederum, der Geiger, sitzt und steht mit seinem Quartett links von der Bühne und spielt mit im langen Fluss seiner Minimal Music, die mal seicht tröpfelt und mal bombastisch über die Ufer tritt. Und einmal geht der Star auf die Bühne und sagt, dass er Balanescu heißt und dieser Name seine Familie vor den Nazis gerettet habe. Dann weicht das Wehr, auf dem Video sprudelt das Wasser, und die Erde dreht sich im Auge weiter.

Das ist alles „Treibgut“, der Zuschauer darf es einsammeln und muss es für sich sortieren. Immerhin: rauschender Beifall gestern Abend bei der Uraufführung (weitere Aufführungen am 3., 5., 7. und 8. Juli).
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Kommentare

02.07.2016 13:44 Uhr

Kritik an Balanescus reibgut-Premiere vom 1. Juli 2016

Ich saß in der 8. Reihe bei dieser Premiere. Ja, wie in der Kritik treffend skizziert, so war es. Dieses Stück gehört nicht nach Ulm. Da stellt sich die Frage, wer zahlt diesen bombastischen Aufwand, der in keinerlei Verhältnis zu dem jämmerlichen künstlerischen Wert steht. Wer ist für die Verschleuderung von Steuergeldern und diese künstlerische Zumutung verantwortlich? Außerdem, dass sich ein Balanescu erdreistet, sich mitten unter der Vorstellung auf die Bühnenmitte zu stellen um antideutsche Töne anzuschlagen und das mitten in Deutschland, zeigt, wie weit wir gekommen sind. Lasst diesen Balanescu mit Treibgut in London auftreten, dann steht er nach spätestens 30 Minuten vor leeren Rängen; das Publikum dort, würde sich dieses Grau in Grau untermalt mit schrecklicher Musik (allen voran Balanescus entsetzlich klingende Geige) nicht bieten lassen.
Mit vielen lieben Grüßen an das sympathische Ulm und dem Wunsch nach einer glücklicheren Hand für die Auswahl zukünftiger Stücke,
Prof. Dr. Heinrich Dick
PS: Ein paar Tage als Gast in dieser schönen Stadt

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