Nachdenklicher Ascherdonnerstag der CSU mit Abtprimus Notker Wolf

Über Freiheit spricht Abtprimus Notker Wolf besonders gern. Beim politischen Ascherdonnerstag der CSU spannte der Benediktiner einen großen Bogen: vom Papst zu Berlusconi, von Bayern nach China.

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So viele Zuhörer wie nie strömten zum politischen Ascherdonnerstag der CSU, um Abtprimus Notker Wolf zu hören. Rednerin war auch Beate Merk. Foto: Sophie Krauss

Der politische Ascherdonnerstag der CSU war für einige zunächst eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Besucher strömten, und Parteimitglieder wie "Barfüßer"-Kellner hatten alle Hände voll zu tun, noch Stühle heranzuschleppen. "So voll wars noch nie", sagte denn auch der CSU-Stadtverbandsvorsitzende Johannes Stingl in seiner Begrüßung. Kein Zweifel: Abtprimus Notker Wolf, oberster Repräsentant der Benediktiner, hat als Hauptredner Zugkraft.

Allerdings wirkte Wolfs Rede über die Freiheit des Menschen sprunghaft und wenig stringent. Lag es daran, dass der Abtprimus unstete Tage hinter sich hatte? Er weilte in Indien, gab Interviews in München, flog zur Aschermittwochsmesse mit Papst Benedikt nach Rom und kehrte auch schon wieder zurück nach Deutschland. Genauer: nach Neu-Ulm zur CSU.

Der Rücktritt des Papstes beschäftigte beide Redner beim Ascherdonnerstag. Die bayerische Justizministerin Beate Merk berichtete, dass deswegen die Stimmung beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau angesichts "der Schwäche des Papstes" gedrückter als sonst gewesen sei. Wolf schlug einen Bogen zu seinem Thema Freiheit: Der Rücktritt des Papstes sei ein "freier, souveräner Schritt". Freiheit, das bedeute nicht zuletzt, sich frei zu machen von den Erwartungen anderer.

Die Freiheit sei von Gott geschenkt, ein menschlicher Urtrieb. Sie fordere Eigeninitiative und die Übernahme von Verantwortung. Wolf warnte allerdings vor grenzenloser Freiheit: "Sie braucht Orientierung und das rechte Maß." Für den Missbrauch der Freiheit nannte er als Beispiel geld- und machtgierige Top-Manager, "schnelle Absahner ohne Sorge um ihre Mitarbeiter, das Unternehmen und die Region". Ihren Machenschaften müssten von außen Grenzen auferlegt werden.

Zu eng dürfen Grenzen aber nicht sein. "Ein dirigistisches System von oben bringt den Menschen das Verderben", sagte Wolf mit Blick auf China. Dagegen lobte er wiederholt Bayern, sein Heimatland.

Immer wieder kam der Benediktiner auf ein Thema zurück, dass ihn offenbar sehr umtreibt: die Sexismus-Vorwürfe gegen Rainer Brüderle, den Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, den Wolf namentlich jedoch nie nannte. Der Ordensmann kann die Aufregung nicht verstehen, "ich schäme mich beinahe meiner Heimat". Man könne ja über Berlusconi schimpfen, aber "die Unbefangenheit der Italiener" sei herrlich. In Deutschland dagegen sei fast ein Rückfall in viktorianische Zeiten zu befürchten: "Wenn man einer Frau die Hand gibt, schaut man am besten in eine andere Richtung."

Beate Merk hatte in ihrer Rede nachdenkliche Töne angeschlagen. Sie forderte auf zu Nächstenliebe, Anstand, zur Hilfe für Schwächere, zum Bemühen um ein gutes Miteinander, zu Sensibilität für die Wünsche und Nöte anderer. "Auch wenn es der Gesellschaft als Ganzes gut geht, heißt das nicht, dass es jedem Einzelnen gut geht." Sie warnte vor Altersarmut und forderte ein gerechtes Rentensystem. Und dann gab es doch noch ein paar kämpferische Polit-Töne: "Es gibt keine Partei, die die soziale Gerechtigkeit ernster nimmt als wir."

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