Nach Freilassung von Mesale Tolus Ehemann: Familie schöpft Hoffnung

Kommt die Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu bald frei? Die Haftentlassung ihres Ehemannes könnte ein Zeichen sein.

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Mesale Tolu ist seit April in Haft.  Foto: 

Nach der überraschenden Freilassung von Mesale Tolus Eheman Suat Corlu am Dienstagabend in Istanbul schöpft die in Neu-Ulm lebende Familie der in der Türkei inhaftierten Übersetzerin und Journalistin Hoffnung. „Alle sind zuversichtlich, dass sich nun auch bald für Mesale die Gefängnistore öffnen werden“, sagte Baki Selcuk, Sprecher des Solidaritätskreises auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärte Mesale Tolus Vater Ali Riza Tolu – er lebt zurzeit in der Wohnung seiner Tochter in Istanbul –, er sei glücklich über die jüngste Entwicklung. „In 19 Tagen hole ich auch meine Tochter ab.“

Der Prozess gegen Mesale Tolu soll am 18. Dezember in Istanbul fortgesetzt werden, theoretisch könnte das Gericht dann ihre Freilassung aus der U-Haft beschließen. Zum Auftakt des Verfahrens am 11. Oktober hatte die türkische Justiz dies allerdings noch abgelehnt, obwohl damals mehrere andere Angeklagte frei gekommen waren. Sie wirft Tolu „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ vor, weil sie in ihrer Eigenschaft als Journalistin Veranstaltungen einer marxistisch-leninistischen Partei besuchte und an einer Beerdigung zweier getöteter kommunistischer Aktivistinnen teilgenommen hatte.

Serkan beim Vater

Ali Riza Tolu sagte, auch der dreijährige Sohn Mesale Tolus sei am Dienstagabend dabei gewesen, als sein Vater aus der U-Haft entlassen wurde. „Er hat gefragt: ‚Holen wir jetzt auch die Mama ab?‘“ Nach ihrer Inhaftierung hatte Mesale Tolu den Sohn fast sechs Monate bei sich im Gefängnis, zuletzt war der kleine Serkan aber in Obhut der Familie ihres Bruders in Neu-Ulm.

 Mesale Tolu hatte seit 2016 für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet und war am 30. April nach Erstürmung ihrer Wohnung durch türkische Spezialeinheiten verhaftet worden. Suat Corlu war bereits am 5. April festgenommen worden.  Trotz der Haftentlassung ist er kein freier Mann. Wie Baki Selcuk mitteilte, muss er sich alle zwei Wochen bei der Polizei melden und eine Unterschrift leisten. Die Türkei darf er einstweilen nicht verlassen. Corlu ist wie seine Ehefrau Journalist und berichtete ebenfalls für regierungskritische Medien. Auch ihm war „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ vorgeworfen worden.

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Themenschwerpunkt

Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

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