Nach dem Hochwasser: Großes Aufräumen im Kleingarten

Das Freizeitbad Wonnemar ist vom Hochwasser verschont geblieben, die Kleingartenanlage nebendran nicht. Gestern begann dort das große Aufräumen. Die Kleingärtner erledigen es routiniert und gelassen.

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Dienstag, um die Mittagszeit. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern vielstimmig. Auf der Zufahrt zur Kleingartenanlage Koppenwörth hinter dem Wonnemar ist viel los dafür, dass es mitten unter der Woche ist. Doch die Gartenpächter sind alle von einer Sorge getrieben: Wie sieht es in meinem Garten aus? Was ist alles kaputt gegangen durch das Hochwasser? Von Samstag bis Montag war dort alles von der Donau überschwemmt.

Mit dreckverschmierten Gummistiefeln räumen Norbert Fried und seine Frau auf. 30 Zentimeter hoch stand das Wasser im Garten. Bis zu dieser Höhe sind alle Pflanzen hellgrau vom trocknenden Schlamm. Im hinteren Teil steht das Wasser noch. „Das ist kein Spaß“, sagt Fried. Die Gemüsebeete und die Tomatenpflanzen im Gewächshaus – „alles kaputt“. „Meine Rosen sind auch hinüber“, fügt seine Gattin an und wirft einen traurigen Blick auf das graue Gestrüpp. Beide können über das Wetter 2013 nur den Kopf schütteln: „Erst war es zu kalt, da konnte man nichts pflanzen. Und dann kommt das blöde Wasser.“ Hochwassererprobt sind die Frieds von 1999 und 2005. „Das Jahrhunderthochwasser kommt aber inzwischen alle paar Jahre“, meint der Pächter lakonisch.

Heidi Krämer steht schätzungsweise 50 Meter vor dem Eingang zu ihrem Garten neben ihrem Rad. Zwischen ihr und dem Tor breitet sich eine riesige braune Lache aus. „Wenn ich nur wüsste, wie tief es ist“, zaudert die 61-Jährige. Sie weiß, dass das kurze Wegstück eine Mulde hat und das Wasser knietief sein kann. So hohe Gummistiefel hat sie nicht. Seit zwei Tagen lässt es ihr keine Ruhe, was mit dem Garten ist. „Vielleicht hab’ ich ja Glück gehabt und es ist nichts passiert, weil das Grundstück leicht ansteigt. Ich wollte jetzt endlich gucken!“ Auch nach den Goldfischen im Teich, die das Hochwasser 2005 unbeschadet überstanden. „Ich hatte gedacht, die seien weggeschwommen. Aber sie waren wohl unten im Teich geblieben und haben das dreckige Wasser überlebt.“ Nach einigem Grübeln radelt die Neu-Ulmerin unverrichteter Dinge wieder heim: „Das bringt ja nix. Ich probier’ es heute Abend nochmal.“

Im Garten von Jon Piper lässt sich der Maximal-Pegelstand einwandfrei am Gewächshaus ablesen: An den Glasscheiben des Gewächshauses ist der untere Teil trüb grau, klar abgegrenzt. Einzig das Hochbeet mit Mangold und Erdbeerpflanzen leuchtet in frischem Grün, weil das Wasser nicht so hoch kam. „Letzte Woche erst haben wir Hackschnitzel gestreut, um das Unkraut zu unterdrücken.“ Jetzt sammelt der Sendener erstmal das Treibholz aus den Beeten und hofft, dass es bald wieder regnet: „Der Regen würde den Schlamm von den Blättern abwaschen. Das wäre gut.“

Peter Mayer greift in seiner Hütte lieber zum Dampfreiniger: „Man muss den Schlamm rauskriegen, ehe er trocknet. Sonst wird er fest wie Zement.“ Der 69-Jährige ist Hochwasser-Routinier. Er hat seinen Garten in Koppenwörth seit 1980. Am Türrahmen seiner Hütte zeigen kleine Messingschilder jede Hochwassermarke seither. „Man kann es nicht ändern, es ist halt so.“

Trotzdem war am Samstag etwas anders: Die Familie wollte den Polterabend des Sohnes feiern. Das weiße Zelt war im Garten bereits aufgebaut. „Aber dann mussten wir schnell auf- und die Hütte ausräumen.“ Die Biertische wurden zusammengestellt, darauf kam das gesamte Mobiliar: Spüle, Schränke, das Zeug aus den Regalen. Die Höhe war ausreichend, alles oben drauf blieb trocken. Aber das Zelt muss Mayer jetzt gründlich säubern, ehe er es zurückgeben kann. Der Polterabend hat trotzdem stattgefunden: bei Freunden, die ihren Garten Richtung Jakobsruhe haben, „im hochwassersicheren Bereich“.

„So schnell lassen wir uns nicht unterkriegen“, meint Gerhard Broschek. Die Eltern des 77-Jährigen bekamen die Parzelle schon 1947. 40 Zentimeter hoch stand die Donau in seiner Hütte. Das neu angeschaffte Schränkchen hatte er zwar auf den Tisch gestellt, aber unten ist es trotzdem nass geworden. „Wo hätte ich es denn hinräumen sollen? Es ging ja so schnell, und das Wasser kam mit ziemlicher Wucht.“ Broschek bleibt angesichts der Aufräum-Arbeit gelassen: „In die Gewächshäuser muss neuer Boden rein und die Beete muss ich düngen, weil die Erde jetzt ausgelaugt ist.“ Und die Terrasse vor der Hütte, deren Platten das Wasser hochgedrückt hat, will er zügig reparieren. „Wenn’s dabei bleibt, bin ich zufrieden. In Passau hat es die Leute ja viel schlimmer erwischt.“

Weitere Fotos unter swp.de/bilder

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Kommentare

04.06.2013 22:38 Uhr

Viel Glück!

Viel Glück!

PS: Nächstes Mal vielleicht auch ein paar Spundwände, wie fürs Wonnemar?

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