Mut zum Hut – Kopfbedeckungen sind wieder in Mode

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    Christina Schlumberger (oben) trägt ihre Eigenkreationen auch selbst: hier einen Zylinder. Foto: 
  • Hutmachermeister Horst Keim zeigt die momentan angesagten Panama-Hüte. 2/4
    Hutmachermeister Horst Keim zeigt die momentan angesagten Panama-Hüte. Foto: 
  • Die Hüte von Christina Schlumberger. 3/4
    Die Hüte von Christina Schlumberger. Foto: 
  • Die Hüte von Christina Schlumberger.
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    Die Hüte von Christina Schlumberger. Foto: 
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Selbst diese drei unscheinbaren Buchstaben haben einen tieferen Sinn: Das Wort Hut stammt vom mittelhochdeutschen Huot ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz – man denke an Ableger wie „hüten“ oder „auf der Hut sein“. Wohl behütet sind heutzutage nur noch die wenigsten – seit den 1960er Jahren erlebt die modische Kopfbedeckung eine Flaute, Schuld waren auch das Automobil (zu niedrig für Hüte) und die Dauerwelle (zu empfindlich). „Und das, obwohl es seit Menschen Kleidung tragen, eigentlich keine hutlosen Zeiten gab – das ist jetzt das erste Mal“, sagt Christina Schlumberger: Modedesignerin, Kostümschneidern und Hutmacherin.

Die 51-Jährige empfängt Besucher in ihrem Böfinger Atelier Rex Rana zwischen Regalen voller Schätze. Das sind ein aus Krawatten genähtes Kleid, bunte Filzbroschen und natürlich Hüte, Hüte, Hüte. In allen Farben und Formen: mit Karomuster oder einfarbig, aus Stroh mit opulenter Krempe oder klein und frech in Knallpink mit Dreiecksmuster. Hüte sind Schlumbergers Leidenschaft: „Es ist das Accessoire, das am meisten Laune macht“, erklärt die ganz in Blau gekleidete Frau mit der pechschwarzen Kurzhaarfrisur und den Frida-Kahlo-Ohrringen.

Udo Lindenberg ohne Hut: undenkbar

Zum Glück seien Hüte wieder im Kommen, berichtet Schlumberger. Das liege auch an Künstlern, die Hutkultur vorleben. Der im vergangenen Jahr verstorbene Jazzmusiker Roger Cicero wurde 2015 zum Hutträger des Jahres gekürt. Er machte den kleinen Trilby populär, eine Variante des Fedora mit schmaler Krem­pe. Auch Udo Lindenberg wäre ohne Hut undenkbar, und Schauspieler Johnny Depp zeigt gerne, wie gut Mann mit Kopfbedeckung aussehen kann.­

Der Hut ist ein sehr geschichtsträchtiges Kleidungsstück: Schon im antiken Griechenland erkannte man den Handwerker an seiner runden Kappe. Sächsische Bauern trugen ab dem zehnten Jahrhundert Strohhüte bei der Feldarbeit. Später setzte man mit der Kopfbedeckung politische Statements. Wer Mitte des 19. Jahrhunderts seine demokratische Gesinnung zeigen wollte, trug einen grauen Filzhut mit breitem Rand, Kalabreser genannt – musste dann allerdings mit polizeilicher Verfolgung rechnen.

Christina Schlumberger fertigt in ihrem Atelier in der Eberhard-Finckh-Straße Unikate, auch auf Bestellung. „Es gibt für jeden den passenden Hut. Wichtig ist, dass es eine Verbindung zwischen Hut und Träger gibt – es muss einfach passen.“ Für einen Hut braucht sie im Schnitt drei Wochen.

Man müsse auch nicht immer auf die große Gelegenheit zum Hut tragen warten – Hut geht immer, ist Schlumbergers Devise. Mal schlicht und unauffällig, mal frech und verrückt mit viel sogenanntem Ausputz, also Federn, Tüll, Schmucksteinen und Ähnlichem. Allerdings haben die handgefertigten Einzelstücke auch ihren Preis: Zwischen 130 und 250 Euro werden für einen von Schlumbergers Hüten fällig.

Auch Männer tragen wieder Hut

Wer es lieber klassisch mag, besucht Hutmachermeister Horst Keim, der mit Frau Renate am Münsterplatz 90 das einzige Hutgeschäft in der Ulmer Innenstadt betreibt. Er hat vor 28 Jahren das Geschäft von seinem Vater Josef Keim übernommen und war 1995 der letzte Absolvent der Hutmacher-Meisterprüfung in Deutschland, übt also einen aussterbenden Beruf aus. Auch er stellt fest, dass junge Männer wieder vermehrt zur schicken Kopfbedeckung greifen, und die ist – nicht überraschend – voll retro. Sie wollen eine Opa-Mütze, also die Ballonmütze. Die war in den 1910er und -20er Jahren Mode.

Ebenfalls wieder in Mode ist der Porkpie Hut (englisch: „Schweinefleischpastete“), ein Relikt aus den 50er Jahren mit flacher Hutkrone, schmaler Krempe und einfarbigem Ripsband. Bei Keim lassen die Kunden sich gerne Zeit beim Aussuchen. „Die Leute wollen verschiedene Hüte ausprobieren und anfassen. Sie müssen wissen, ob das Material sich für sie gut anfühlt“, erzählt der Hutmachermeister. Und sitzt der Hut von der Stange nicht, ändert Horst Keim, was nicht passt, und Renate Keim als gelernte Weißnäherin kann auch Mützen und Kappen anpassen.

Hüte sind ein Schutz vor der Sonne

Neben aller modischen Raffinesse haben Hüte gerade jetzt vor allem einen Zweck: Schutz vor der Sonne. Die Firma Mayser stellt schon seit Jahren Kopfbedeckungen mit UV-Schutzfaktor her. So erreicht ein Mayser Panama-Strohhut, je nach Faser und Flechtart, einen Ultraviolet Protection Factor von 30 bis 40. Zum Vergleich: Ein Baum spendet einen Schutz von 5 bis 15, ein normaler Sonnenschirm erreicht nur einen UV-Schutz im Wert von 5.

Wer also das nächste Mal mit Sonnenbrand und Kopfweh vom Badeausflug kommt, könnte ja mal über einen Hut nachdenken. „Man muss klein anfangen“, rät Christina Schlumberger. „Am Anfang braucht man ein Exemplar, das zu möglichst vielen Outfits passt.“ Generell wünscht sie sich wieder mehr Hüte im Alltag: „Mut zum Hut!“ ist ihr Motto.

Unsicher ist die Wettervorhersage für Ulms inoffiziellen Nationalfeiertag – doch ein Hut schützt ja bekanntlich vor Regen und Sonne. Letztes Jahr waren Hüte schwer angesagt: Alt-OB Ivo Gönner empfing seine Ehrenbürgerschaft mit Hut – eine Premiere. Auch für die Damenwelt ist der Schwörmontag immer eine Gelegenheit, Farbe zu bekennen. Ein Glück, dass die Stadtfarben schwarz und weiß zu allem passen. 2016 zeigten sich unter anderem Stadträtin Helga Malischews­ki, Stadtrats-Tochter Clara Böker, Bundestagsabgeordnete Katrin Albsteiger  und Bürgermeister-Gattin Sigrid Czisch mit Kopfputz.

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