Muss ein Tramfahrer Gestürzten helfen?

Wozu ist ein Straßenbahnfahrer verpflichtet? Muss er einem beim Aussteigen gestürzten Senior mit einem Rollator helfen? Die SWU sagen: Nein.

|

Der Vorfall hat sich an der Haltestelle Sonnenstraße in Söflingen ereignet. Als er am 10. Oktober um 19.04 Uhr aus der Straßenbahn aussteigen wollte, stürzte ein älterer Mann, der mit einem Rollator unterwegs war, und blieb in der vorletzten Tür der Bahn liegen.

"Beim Sturz schrie der Mann vor Schmerzen laut auf. Der Ruf war in der gesamten Bahn hörbar", schildert eine Augenzeugin. Fahrgäste halfen dem Mann, wieder auf die Beine zu kommen, während die Tür, in der er lag, mehrmals zum Schließen ansetzte. "Eine junge Krankenschwester, die sich mit der Bahn auf dem Heimweg befand, wurde durch den Schrei des Mannes auf die Situation aufmerksam und stieg ebenfalls an der Haltestelle aus, um Hilfe zu leisten", schildert die Augenzeugin weiter.

Kaum war der Mann wieder auf den Beinen, schlossen die Türen und die Tram fuhr davon. Als sie wenige Minuten später auf der Rückfahrt zum Ehinger Tor erneut an der Unfallstelle vorbeikam, habe der Fahrer auf Höhe der Helfergruppe angehalten und wild in Richtung der Gruppe gestikuliert. Dann sei er weitergefahren.

Hat sich der Fahrer nicht wegen unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht?, schreibt die Frau, die ihren Brief auch an SWU-Verkehrschef Ingo Wortmann geschickt hat. Hat er nicht, antwortet Andreas Ceder, Leiter Vertrieb und Kommunikation des Unternehmens. Andernfalls wäre dies "allen Fahrgästen vorzuwerfen, welche sich noch viel näher am Geschehen befunden, aber nicht reagiert haben". Auch solle ein Tramfahrer sein Cockpit nur "im absoluten Notfall verlassen". Andernfalls werde er nach der Betriebsordnung streng geahndet.

Allerdings hätte sich der Fahrer, schreibt Ceder etwas im Widerspruch zur vorherigen Argumentation, "nachdem sich das Geschehen auf den Bahnsteig verlagerte, erkennen müssen, dass sich eine ungewöhnliche Situation ereignet hat und er im Sinne einer Hilfeleistung, Versicherungsschutz, etc. zumindest aussteigen und sich nach der Situation hätte erkundigen müssen."

"Daher ist hier auch ein Fehlverhalten festzustellen, für welches wir uns wiederum aufrichtig entschuldigen." Der Chef des Fahrers werde mit dem Mann ein Personalgespräch führen und ihn auf sein Fehlverhalten hinweisen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

25.10.2013 13:36 Uhr

Muss ein Tramfahrer Gestürzten helfen?

Ich finde es echt nicht mehr normal, wie sich die SWU Nahverkehr jedes Mal rausredet. Es gab schon mehrere Vorfälle, wo ältere Menschen gestürzt sind und sich verletzt haben. Ich erinnere mich noch an einen Unfall, wo eine ältere Frau vor der Straßenbahn am Ehinger Tor in Richtung Böfingen gestürzt war, die ältere Dame wollte vor der Straßenbahn vorbei gehen und machte sich durch eine Handbewegung bemerkbar und die Straßenbahn stand noch und dann auf einmal fuhr sie los, als der Straßenbahnfahr die Situation bemerkte. Stieg er aus seiner Fahrerkabine und schnauzte die ältere Dame an, sie kann sowas doch nicht machen und sie sollte doch besser aufpassen und es sei unverantwortlich wie sich die ältere Dame sich verhalten hat, die Dame stand unter Schock und hatte starke Schmerzen, die ältere Dame konnte nicht mehr laufen. Da hatte sich eine junge Frau um die verletzte ältere Dame gekümmert. Nicht mal andere SWU Mitarbeiter vom Nahverkehr waren nicht mal in der Lage einen Stuhl zu bringen. Da die ältere Dame nicht mehr in der Lage zu gehen, geschweige denn zu stehen. Eine junge Mutter mit einem Kind auf dem Arm hat von der SWU ein Stuhl geholt. Die Mitarbeiter von der SWU, haben nur zugeschaut. Ist so was normal? Arbeite in Pflege und bin entsetzt über das Verhalten des Straßenbahnfahrers bei dem jetzigen Fall aber auch damals war ich echt fassungslos. Es wird immer schlimmer mit dem SWU Nahverkehr. Keine Sozial Kompetenz gegenüber ihren Fahrgästen.
Was ich echt nicht verstehe, ist die SWU Nahverkehr hat eine Kampagne für mehr Rücksichtnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Leben gerufen. Aber was ist mit der Rücksichtnahme gegen über den Fahrgästen von den Fahrer-/innen von der SWU Nahverkehr. Es wird sich glaub nie was verbessern bei dem SWU Nahverkehr, die SWU redet sich doch immer wieder raus, wie man bei dem jetzigen Fall wieder sieht. Echt traurig sowas und unverschämt!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drama von Eislingen: Opfern die Kehle durchgeschnitten

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. weiter lesen