Mordprozess: Schüsse aus Notwehr

Überraschung im Memminger Mordprozess: Am 29. Verhandlungstag hat einer der Angeklagten sein Schweigen gebrochen und Schüsse zugegeben.

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Seit Monaten müht sich die Schwurgerichtskammer im Ringen um die Wahrheitsfindung durch ein zähes Verfahren mit schweigenden Angeklagten, verstockten Zeugen und dünner Beweislage. Bislang ließen allenfalls Indizien mögliche Rückschlüsse auf die Geschehnisse vom 16. Dezember 2012 vor einem Vereinsheim in der Neu-Ulmer Industriestraße zu, wo der Sicherheitsunternehmer Eduard W. von einer tödlichen Kugel getroffen und dessen Begleiter Alexander S. angeschossen worden waren. Kurz vor dem Ende der Beweisaufnahme hat mit Asmon G. einer der Angeklagten gestern sein Schweigen gebrochen.

Dabei bekannte der junge Mann, drei Schüsse aus einer Pistole abgegeben zu haben, und zwar als Akt der Notwehr. Seinen Einlassungen zufolge hätten seine späteren Mitangeklagten Blerim und Bestrim B. und er an diesem Tag eigentlich in die Stadt gehen wollen und seien vorher nur kurz zum Vereinsheim gefahren, weil der ältere der Gebrüder B. noch etwas mit Serkan C. zu besprechen hatte. Als sie dann nach draußen gegangen seien, sei plötzlich eine Limousine mit Serkan Cs. Onkel und Bordellbetreiber Murat C., Eduard W. und Alexander S. vorgefahren. Die drei Männer seien ausgestiegen, hätten Handschuhe übergestreift und seien auf sie zugegangen. Dann habe Murat C. Blerim B. einer Bombendrohung bezichtigt. Entgegen dessen Beteuerungen, nichts damit zu tun zu haben, seien die Männer auf ihn losgegangen und hätten auf ihn eingeschlagen - der Mann aus dem Rotlicht-Milieu mit der Faust, sein Begleiter Alexander S. mit einem Teleskop-Schlagstock. "Ich dachte, Scheiße, die machen uns fertig", habe Asmon G. befürchtet, ohne zu wissen wieso und weshalb. "Ich hatte Todesangst."

Plötzlich habe er inmitten des Handgemenges Eduard W. eine Waffe ziehen sehen und kurz darauf einen Schuss gehört. Daraufhin habe er aus schierer Angst selbst drei Schüsse aus einer Pistole abgegeben und sei anschließend geflüchtet. Die Waffe will er am selben Tag von einem Kumpel bekommen haben - aus Angst vor dem Hintergrund von früheren Schüssen auf das Vereinslokal der "Rock Machine", mutmaßlich durch eine verfeindete Rockergruppe.

Hinsichtlich der Frage, was ihn dazu bewogen hat, in der Endphase des Verfahrens Angaben zu machen, betonte er, dass er immer den Eindruck gehabt habe, dass ihm eh" niemand glauben würde und er bereits als Täter ausgemacht sei. Ob und wie das Gericht seine Einlassungen würdigt, könnte auch von den noch ausstehenden Zeugenaussagen abhängen. Dann tritt auch mit Roy El-Halabi kein Unbekannter im Zeugenstand auf. Der Mann, der in Berlin wegen der Schüsse auf seine Stieftochter und Boxerin Rola El-Halabi einsitzt, hatte bei seinem Prozess angegeben, Eduard W., damals Bodyguard der Sportlerin, mit einer Schusswaffe gesehen zu haben. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

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