Mond und Lampen

Der neue Ballettabend "In sich - selbst" von Roberto Scafati und Can Arslan am Theater Ulm löste unter dem Premierenpublikum große Begeisterung aus: schöne Bilder, starker Tanz, tolle Musik.

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  • Mondsüchtig: Den ersten Teil des Ballettabends "In sich - selbst" hat Can Arslan choreografiert. Foto: Hermann Posch 1/2
    Mondsüchtig: Den ersten Teil des Ballettabends "In sich - selbst" hat Can Arslan choreografiert. Foto: Hermann Posch
  • Das Motto der Saison 2014/15: "Schaffet". 2/2
    Das Motto der Saison 2014/15: "Schaffet".
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Die Ballett-Compagnie des Theaters Ulm zählt jetzt noch weitere 29 Mitglieder! Doch, das war schon eindrucksvoll, wie Roberto Scafati und Bühnenbildnerin Mona Hapke im neuen Ballettabend "In sich - selbst" auch 29 Kugel-Lampen bewegten und choreografierten. Fast schon ein skulpturales Farblichtspiel in Formation: eindrucksvoll. Wobei auch rein menschlich-tänzerisch am Boden viel passiert.

Aber was der Titel "In sich - selbst" bedeutet? Im Programmheft müht sich Dramaturg Matthias Kaiser an einer Sinnsuche ab: "Der choreografische Archetypus einer antagonistischen Installation von Individuum und Kollektiv findet in Scafatis Choreografie seine Pole in der Gegenüberstellung von Nacktheit und Hülle . . ." Du liebe Zeit: Nein, dieser Abend ist einfach schön bebildert, effektvoll, gut getanzt und musikalisch großartig. Riesenjubel nach der Uraufführung.

Scafati, der mit seinem Talent fürs Dekorative auch Eröffnungsfeiern von Sportereignissen inszenieren könnte, lässt seine Compagnie kraftvoll, sprungstark und poetisch das ganze klassisch-moderne Tanz-Vokabular durchspielen. Die Musikauswahl? Hauptsache populär bis reißerisch: darunter Berlioz "Ungarischer Marsch" aus "Fausts Verdammnis", der "Danse Bacchanale" aus Saint-Saëns Oper "Samson und Dalila", die "Méditation" Massenets und Ravels "Boléro".

Und weil Generalmusikdirektor Timo Handschuh äußerst klangsinnig dirigierte und die Philharmoniker hervorragend agierten, war der Ballettabend ein musikalischer Genuss. Den finalen "Boléro" etwa nahm Handschuh in der Premiere mit erstaunlich zügigem, unverkitschtem Tempo; und einen Tänzer wie den leidenschaftsvollen Yuhao Guo als Solisten hat man in dieser Klasse in Ulm noch selten erlebt. Scafati choreografierte den "Boléro geradezu als ein Stück über die Sehnsucht, allen Ballast dieser Welt abzuwerfen: die Kleidung zuerst, dann negative Gefühle, zum Licht strebend. Mitreißend, wie Yuhao Guo und das Ensemble sich in aufkochender Emotion immer wieder den Tanz-Rhythmus aus der Musik holen: wippend, schwingend.

"In sich - selbst" aber ist ein Ballettabend mit zwei Handschriften: Vor der Pause stand nicht die Kugellampe, sondern der Mond im Mittelpunkt: Can Arslan choreografierte dunkel-stimmungsvoll, symbolistisch, mythisch die Geschichte von Pelléas et Mélisande - mit Edith Lorans als fein lyrisch singender Schicksalsgöttin. Dazu wunderbar weiche, luftig von den Philharmonikern intonierte Klänge von Fauré, Gounod und Debussy.

Saison 2014/2015
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