Mit 2,5 Promille Tasche geraubt

Seit Jahrzehnten hängt der Neu-Ulmer an der Flasche, begeht immer wieder Straftaten. Nun stand der 45-Jährige wegen Raubes vor Gericht.

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Mit 13 hatte er seinen ersten Vollrausch, mit 15 stand er zum ersten Mal vorm Richter, als er 17 wurde, war er alkoholabhängig. Ein Leben von Flasche zu Flasche, so brachte es Thomas Mayer, Direktor am Amtsgericht Neu-Ulm, gestern auf den Punkt. Dort musste sich der heute 45-Jährige, längst schwer von Alkohol gezeichnet, wegen Raubes vor dem Schöffengericht verantworten.

Im Januar hatte er morgens gegen drei Uhr am Donau-Center einem 71-Jährigen die Männerhandtasche trotz Gegenwehr entrissen und war davon gerannt. Nur wenig später hatte ihn eine Polizeistreife geschnappt - mit 35 Euro Beute und fast 2,5 Promille. Der 45-Jährige räumte die Vorwürfe nun unumwunden ein, ließ aber meist seinen Anwalt Wolfgang Fischer für sich sprechen.

Ein weiterer Tiefpunkt in einem traurigen Leben. Immer wieder hat der ungelernte Neu-Ulmer unter Alkoholeinfluss teils schwere Straftaten begangen: Diebstahl, Raub, Sachbeschädigung, Betrug, Körperverletzung und Vergewaltigung. 14 Jahre seines Lebens hat er im Gefängnis verbracht.

Auch im Augenblick sitzt er wieder einmal, "wegen einer Sache mit meiner Lebensgefährtin". Die Frau trinkt auch, beide kommen nicht los vom Alkohol. Der Neu-Ulmer ist hochverschuldet, bezieht seit 2008 Frührente, weil er nicht mehr arbeiten kann. Durch den Alkoholmissbrauch hat er Missempfindungen in Händen und Füßen und bereits eine leichte hirnorganische Schädigung.

Helfen lassen konnte oder wollte sich der Mann jahrzehntelang nicht. "Alle haben immer gesagt, geh doch zur Diakonie", erzählte er. Dort war er nie. Und auch nie in stationärer Therapie. Vor Gericht sprach er nun zum ersten Mal selbst den Wunsch nach Unterbringung und Therapie aus. "Ich will nie wieder etwas mit Alkohol zu tun haben. Das Leben ist dann ganz anders", sagte er, den Kopf gesenkt, in seinem Schlusswort.

Eine "allerletzte Chance auf ein menschenwürdiges Leben" wolle ihm das Schöffengericht geben, das von einem minderschweren Fall ausging, sagte Richter Mayer schließlich. Das Urteil: ein Jahr und acht Monate Haft - und die sofortige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. "Nutzen Sie die Chance, sonst saufen Sie sich ins Grab."

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