Mesale Tolu und Sohn mit 17 Frauen in einer Zelle

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Mesale Tolu vor ihrer Verhaftung in Istanbul.  Foto: 

Auch neun Wochen nach ihrer Inhaftierung durch die türkische Polizei sitzt die in Ulm geborene und in Neu-Ulm aufgewachsene Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu im Istanbuler Frauengefängnis Bakirköy – ohne Anklageschrift. Ihr wird vorgeworfen, Mitglied einer Terrororganisation zu sein. Nach wie vor werde den Anwälten der jungen Frau, sie ist deutsche Staatsbürgerin, Akteneinsicht verweigert, teilt Baki Selcuk vom Solidaritätskreis „Freiheit für Mesale Tolu“ mit.

Familie Gleichwohl gibt es neue Entwicklungen. Selcuk zufolge sind vergangene Woche mehrere Familienangehörige, darunter Tolus Großmutter, aus Neu-Ulm in die Türkei gereist, um die 33-Jährige und ihren mit ihr im Gefängnis lebenden zweijährigen Sohn Serkan im Gefängnis zu besuchen. Beiden gehe es „den Umständen entsprechend gut“.

Schikane Mesale Tolu habe ihren Angehörigen aber mitgeteilt, das Leben im Gefängnis werde ihr zusätzlich erschwert. So erhalte sie kein Spielzeug für ihren Sohn, auch an Einwegwindeln sei nicht heranzukommen. Zudem dürfe ihr nur neue Kleidung mit Preisetikett ins Gefängnis gebracht werden. Dass Angehörige Wäsche mitnehmen, waschen und wieder ins Gefängnis bringen, sei untersagt worden. „Das ist wieder ein neuer Einschnitt in die Rechte der Gefangenen“, so Selcuk. Einem Bericht der Tageszeitung „taz“ zufolge teilt sich Tolu eine Zelle mit 17 weiteren Frauen. Einmal am Tag bekomme sie eine Stunde Ausgang auf dem Gefängnishof. Der Mitteilung des Solidaritätskreises zufolge wird Tolu am heutigen Montag zum zweiten Mal Besuch von Mitarbeitern des deutschen Konsulats in Istanbul erhalten.

Brief Ein „faires, rechtsstaatliches Verfahren“ für Tolu hatten die Städte Ulm und Neu-Ulm am 2. Juni in einer gemeinsamen Erklärung gefordert.

Haft Nach inoffiziellen Angaben sitzen 172 Journalisten in der Türkei in Haft, der hierzulande prominenteste ist „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel. Die studierte Gymnasiallehrerin Tolu engagiert sich seit Jahren in linken Organisationen und arbeitete seit 2014 in Istanbul für einen regierungskritischen Radiosender, der nach dem Putschversuch im Sommer 2016 geschlossen worden war. Zuletzt war sie Übersetzerin für die linke türkische Nachrichtenagentur ETHA.

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Kommentare

03.07.2017 08:36 Uhr

Erdogen

Liebe türkische Mitbürger ihr wolltet das doch so, ihr habt doch den Kerl gewählt. Ihr liefert euer eigenes Volk diesem Menschenrechtsbrecher aus und bezeichnet uns deutschen gleichzeitig als "Nazi´s". Wer hier die größeren "Nazi´s" sind stelle ich mir die Frage, aber die Antwort bestätigt das Verhalten von Herrn Erdogan!

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03.07.2017 08:21 Uhr

Erschreckend

was sich die Türkei erlaubt. Frau Merkel sollte Herr Erdugan nur erlauben an dem Gipfel in Hamburg teilzunehmen wenn er die deutschen Gefangenen frei lässt! Er wird m.E. immer noch viel zu viel "hoffiert"!

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Themenschwerpunkt

Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

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