Melancholie und Lebenslust: Ana Moura

Auch wenn Mariza als Königin des Fado gilt. Mit Ana Moura gastierte jetzt eine Sängerin im Roxy, die alle Qualitäten zur Thronfolgerin hat.

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Eine fesselnde Fadista: Ana Moura im Roxy. Foto: Franz Ganz

Was macht die Faszination des Fado aus? Die musikalischen Zutaten können es nicht sein, die sind aus ganz Europa zusammengewürfelt. Und mit Verlaub: So manches, was im Fado anklingt, ist im Original durchaus schmissiger und virtuoser. Beispiel eins: Die Zwei-Viertel-Rhyhtmen des Klezmer, aus denen sich die Sinti ihren ganz eigenen Swing Manouche samt artistischer Hochleistungsgitarren gebastelt haben. Beispiel zwei: die swingenden Dreivierteltakte des französischen Musettes. Beispiel drei: die Sanguinik der italienischen Canzones. Aus all diesen Töpfen bedienen sich die Fadomusiker. Und rühren daraus eine ganz eigene Mischung, die doch nur die Beilage für die Seele des Fado ist: der Gesang.

Mit Ana Moura gastierte jetzt eine Sängerin im Roxy, die zu den Großen ihres Fachs gehört, eine Sängerin, die all das hat, was eine Fadista braucht: eine volle, leicht raue Stimme, eine ziselierungssichere Intonation und vor allem die Bereitschaft, sich von den Gefühlen mitreißen zu lassen, sich in die Melancholie zu versenken, um aus der Schwermut wie Phönix aus der Asche wieder aufzutauchen. Und das alles hat Ana Moura in hohem Maße. Zudem ist die Sängerin, die schon von den Rolling Stones oder Prince auf die Bühne gebeten wurde, auf deren jüngstem Abum der erklärte Ana-Moura-Fan Herbie Hancock mitspielte, auch eine charmante Entertainerin, die ihr Publikum fesselt.

Alles bestens - und noch mehr: Denn Ana Moura hat eine Band, die alles anders als eine Nebensache ist. Punktgenau, mit ungeheuer fein dosierter Dynamik, mit Einfallsreichtum und spitzbübischem Vergnügen an Zitaten agieren diese Musiker. Mit Angelo Freire sitzt ein wahrer Virtuose an der portugiesischen Gitarre, der überhaupt keine spieltechnischen Grenzen kennt - und auch keine stilistischen. In der Zugabe "Fadinho Serrano" zitierte er schon mal Slavko Avseniks "Trompetenecho". Aber bei diesen Musikern wird alles zum Fado.

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