Meine Sicht: Ist G8 schon gescheitert?

Niedersachsen macht es vor. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) im Sommer 2015 ist laut Philologenverbänden und Elternräten beschlossene Sache.

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Philemon Schick (21) gehört selbst noch zur »Generation G9«. Heute studiert er Medienwissenschaft in Tübingen und schreibt hin und wieder für die SÜDWEST PRESSE.  Foto: 

Niedersachsen macht es vor. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) im Sommer 2015 ist laut Philologenverbänden und Elternräten beschlossene Sache. Das wird Wellen schlagen: Initiativen wie "G9-jetzt" wurden gegründet, in Bayern soll es im Juli zum Volksbegehren für ein Parallelangebot von G8 und G9 kommen.

Die Umstellung auf G8 wurde damals vor allem mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit begründet. In anderen EU-Staaten seien zwölf Schuljahre völlig ausreichend. Außerdem erhoffte man sich eine schnellere Eingliederung der Schulabgänger in den Arbeitsmarkt. Die Realität sieht aber anders aus: Zum einen stellen die meisten Unternehmen niemanden ein, der zu jung und unreif erscheint. Zum anderen hat der Leistungsdruck, der durch G8 entstanden ist, zur Folge, dass Jugendliche nicht sofort nach der Schule mit dem Studium oder einer Ausbildung anfangen, sondern zuvor ein Jahr ins Ausland gehen oder ein FSJ machen.

Wie man am Beispiel anderer Länder sieht, ist das zwölfjährige Schulsystem nicht von vornherein zum Scheitern verdammt, doch hat man sich in Deutschland anscheinend nicht genügend darauf vorbereitet. Bei der Umstellung auf das Turbo-Abitur wurden viele Lehrpläne und Schulbücher nicht angepasst, so mussten die sozial und kognitiv noch nicht so weiten Schüler einen zu hohen Berg an Stoff bewältigen. Kein Wunder, dass die Beschwerden der Leidtragenden in den letzten Jahren immer lauter geworden sind. Wenn die Volksinitiativen Erfolg haben, wird es wohl in den nächsten Jahren zu einer deutschlandweiten Rückkehr zum G9 kommen.

In einem Paralellangebot wird sich das G8 meiner Meinung nach nicht halten können. Ich war damals froh, meine Nachmittage auf dem Fußballplatz verbringen zu können, und nicht bei Abenddämmerung noch am Schreibtisch sitzen zu müssen, was bei meinen "G8-Geschwistern" Normalität ist.

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Kommentare

08.04.2014 10:26 Uhr

Natürlich ist G8 gescheitert!

... und wenn es bei uns Volksabstimmungen geben würde wie in der Schweiz, dann wäre es gar nicht erst so weit gekommen.

Aber so kann man dem Wahlvolk alles aufs Auge drücken.

Weg mit dem G9!!

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