Mehr Sucht-Kriminalität

Immer mehr Straftaten im Kreis Neu-Ulm haben einen Suchthintergrund. Die Zahl der Strafsachen am Gericht ist im Vergleich zu 2011 leicht gestiegen.

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Richter Mayer: Je geringer der Streitwert, desto mehr gehts um Prinzipien. Foto: Maria Müssig

Mit 1637 neuen Strafverfahren im vergangenen Jahr verzeichnet das Amtsgericht Neu-Ulm eine leichte Steigerung im Vergleich zu 2011 (1586 Verfahren). Die jüngsten Zahlen sagen allerdings wenig über den längerfristigen Trend aus. Der ist rückläufig. Zum Vergleich: 2010 gingen beim Neu-Ulmer Gericht noch 1921 Strafverfahren ein, wie Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz des Gerichts feststellte. Vor allem Jugendstrafsachen rangieren ihm zufolge nach wie vor auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von 2011, was aber nicht heiße "dass die Jugend besser geworden ist". Zum einen mache sich der demographische Wandel bemerkbar, zum anderen werde Bagatellkriminalität oft anders geahndet als noch vor einigen Jahren - nämlich ohne Gericht. Bei einem erstmaligen Ladendieb etwa gingen die Akten samt strafrechtlicher Auflagen nun oft direkt vom Staatsanwalt zum zuständigen Jugendamt. "Das hat den Vorteil, dass jugendliche Ersttäter schneller mit den Folgen ihrer Tat konfrontiert werden."

Den Löwenanteil der Strafsachen machen mit mehr als zwei Dritteln der Fälle nach wie vor Straßenverkehrs- und Eigentumsdelikte aus, sagt Mayer, der jedoch einen Trend beobachtet. "Immer mehr Straftaten haben Suchthintergrund." Das reiche von Beschaffungskriminalität bis hin zu notorischem Schwarzfahren Drogenabhängiger. Auch Spielsucht spiele bei kriminellen Verstößen eine zunehmende Rolle.

Zufrieden ist Mayer mit dem erneuten Rückgang der Dauer der Strafverfahren. Im Schnitt nur noch 2,3 Monate dauert es vom Eingang der Anklage bei Gericht bis zum Urteil - 2011 waren es 2,5 Monate. "Das kann man nicht mehr toppen", sagt der Amtsgerichtsdirektor. Vergleichsweise hoch ist allerdings auch die Zahl der Beanstandungen. 18,3 Prozent der Urteile wurden von Verteidigung oder Staatsanwaltschaft angefochten, bayernweit sind es nur etwa 14 Prozent. Eine Erklärung dafür hatte Mayer nicht parat.

Relativ stabil liegen die Zahlen bei den Zivil- (807 Fälle) und Familiensachen (686, davon 395 Scheidungen). Bei nahezu jedem zweiten Zivilprozess geht es um weniger als 1000 Euro. Mayer: "Je geringer der Streitwert, desto genauer wollen es die Leute wissen."

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