CSD zurück in Ulm: Veranstalter erwarten über 3.000 Gäste

Größer, bunter – und nach drei Jahren in Neu-Ulm wieder zurück in Ulm. Zum Christopher Street Day am Samstag erwarten die Veranstalter mindestens 3.000 Besucher.

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Freuen sich auf den Christopher Street Day am Wochenende, den sie erstmals organisiert haben: Chris Werneke, Julian-René Volkmann und Michael Frech (von links), drei des vierköpfigen neuen CSD-Vorstandes.  Foto: 

Nicht, dass sie sich in den vergangenen drei Jahren auf dem Neu-Ulmer Petrusplatz nicht willkommen gefühlt hätten. Aber die Sicherheitsauflagen im Freistaat, wo eben vieles ein bisschen strenger geregelt ist als im Rest der Republik, waren zuletzt stetig höher geworden – Folge der angeblich allerorten wachsenden Terrorgefahr. Einzäunung des Geländes, Taschenkontrollen, ein vergleichsweise hohes Security-Aufgebot: Für die Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) bedeutete das außer hohen Ausgaben auch ein Stück weit auf das zu verzichten, was ihnen im sprichwörtlichen wie übertragenen Sinne wichtig ist: Offenheit nach allen Seiten.

Warmherzig und offen

Die dürfte gegeben sein, wenn die bunte Parade der Schwulen, Lesben, Transsexuellen, Queeren und ihrer Freunde am Samstag nach dreijähriger Abstinenz wieder im Herzen Ulms, nämlich auf dem Markt- und dem angrenzenden Hans-und-Sophie-Scholl-Platz über die Bühne geht. Chris Werneke vom Ulm/Neu-Ulmer CSD-Vorstand ist jedenfalls schon jetzt voll des Lobes. „Vom Oberbürgermeister bis zum Bauhof: Die Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft, mit der man uns begegnet, ist grandios.“ Klar, dass auch das gegenüberliegende Rathaus wieder mit mehreren Regenbogenflaggen, dem Banner der Community, geschmückt wird. Beste Aussichten also. „Wir erwarten 3000 Besucher – mindestens.“

Dreh- und Angelpunkt des von 14 bis 23 Uhr dauernden CSD ist das Bühnenprogramm auf dem Marktplatz. Dort tritt etwa Sänger Daniel Schumacher auf, ehedem Gewinner der Fernsehshow „Deutschland sucht den Superstar“. Mit „Sophie’s Loft“ gibt es Pop aus Regensburg, das Berliner Jazz-Duo „Duotone“ lässt Nat King Cole und Co. wiederaufleben, dazu gibt’s reichlich Reden, auch eine Travestieshow darf nicht fehlen.

Tanzen, feiern, essen, trinken sind wichtig, „es ist ja unser größtes Fest, fast so wie Weihnachten“, sagt Julian-René Volkmann vom CSD-Vorstand. Aber auf Remmidemmi reduzieren wolle man den CSD nicht. Dazu nehmen die Organisatoren die Botschaft der Veranstaltung – Toleranz – zu ernst.

So geht es bereits am heutigen Donnerstag um 19 Uhr auf dem Münsterplatz mit einer Mahnwache für Rafael Blumenstock los. Der seinerzeit stadtbekannte Homosexuelle war dort 1991 brutal umgebracht worden. Der oder die Täter sind bis heute nicht gefasst, „die Polizei hat das damals allzu leichtfertig als Milieu-Tat abgetan“, sagt Werneke.

Am Freitag, 19.30 Uhr, beginnt in der Neu-Ulmer Petruskirche ein CSD-Gottesdienst, die Gruppe „Queer und Christ“ hat ihn organisiert, ein katholischer Geistlicher wird die Predigt halten. Wir wollen zeigen, dass Homosexualität und Glauben sich nicht ausschließen“, sagt Volkmann.

„Wähle den Moment“, lautet das diesjährige Motto des CSD, das auch auf den Armbändchen steht, die am Samstag verkauft werden. Was das bedeuten soll? „Jeder hat es in der Hand, sich zu entscheiden: egal ob es um ein Outing geht oder eine andere Sache, für die man einstehen will“, erklärt Volkmann.

Noch lange nicht am Ziel

Die „Ehe für alle“ mit großer Bundestagsmehrheit beschlossen, ein bekennender Homosexueller, der Außenminister wurde, am Samstag reichlich Grußworte vom Ulmer Bürgermeister und weiteren Honoratioren. Hat die CSD-Bewegung ihre Ziele nun nicht erreicht? Nein, sagen die Veranstalter. Die Erkenntnis, dass Homosexualität und Co. etwas völlig Natürliches seien, sei noch lange nicht in allen Teilen der Gesellschaft angekommen. „Sogar aus linksliberalen Kreisen habe ich nach der Bundestagsentscheidung gehört: ‚Jetzt ist es aber auch gut, was wollt Ihr denn noch?’“, sagt Werneke. Gerade in kirchlichen Kreisen beobachte er sogar eine Rückentwicklung hin zum Konservatismus, von zunehmender Homophobie in vielen Teilen der Welt mal ganz abgesehen. „Unsere Botschaft ist simpel: Was immer ein Mensch sein will, soll er sein dürfen.“

Info: Das komplette Programm unter www.csd-ulm.de

Rechte Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Ulm beteiligt sich mit einem Stand am CSD. Israel zeichne sich durch besonders progressive Rechte für Schwule, Lesben und Transsexuelle aus, schreibt die DIG. „Gerade deshalb ist das Land Angriffen von allen Seiten ausgesetzt, denn sexuelle Selbstbestimmung ist in den meisten Nachbarländern Israels geächtet und wird mit harten Sanktionen oder dem Tod bestraft.“ Auch die Situation in den Palästinensergebieten sei desaströs. „Dort sind nicht-heterosexuelle Personen Intoleranz und Verfolgung ausgesetzt und müssen um ihr Leben fürchten.“

Diskriminierung Auch in Deutschland häuften sich Berichte über homophobe Diskriminierungen durch konservativ-islamische Flüchtlinge, so die DIG. „Unsere Solidarität gilt allen wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgten.“

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