Matuschiks Analogkäse im Digitalzeitalter

Der Rundfunkmoderator Matthias Matuschik präsentierte im Roxy vor 150 Besuchern sein zweites Kabarettprogramm "Entartete Gunst"

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Im Roxy ist er kein Unbekannter. Moderiert Matthias Matuschik sonst die beliebte Veranstaltungsreihe "Open Stage", so beanspruchte er am Samstag die Bühne ganz für sich allein. Dabei stand der Kabarettist im Zweitberuf, die Hände tief in die Hosentaschen vergraben und gelegentlich an einem kleinen Bierfläschchen nuckelnd, dort etwas verloren, denn sein neues Programm "Entartete Gunst" scheint noch nicht ganz ausgereift. Viele Geschichten blieben auf der Strecke stecken, fanden kein Ende.

"Ich komme aus der Oberpfalz, die einem zwei Möglichkeiten bietet: trinken oder wegziehen. Ich habe mich für beides entschieden." Die Begrüßung war dann fast noch das Witzigste an dem Abend, an dem der Weidener einen Punkt nach dem anderen von einer Liste abhakte. So parlierte Matuschik über Putzerfische in Nordrhein-Westfalen, Analogkäse im Digitalzeitalter und einen Freund, der aus Verzweiflung bei Aldi eine Frau watschte, um das letzte Thermomix-Gerät zu ergattern.

Matuschik verlor sich in Anekdoten über langsam fahrende Rentnerinnen und darüber, wie einem die NSA davor bewahrt, Opfer eines Einbruchs zu werden, während man sich am Computer Pornos ansieht. Und Veganer? "Der Begriff steht für ,zu dumm zum Jagen'."

Er selbst verspürt noch heute Wollust auf die längst verbotene Schildkrötensuppe: "Darüber regen sich Tierschützer auf, doch haben sie schon einmal einen Gedanken daran verschwendet, wie viele Brautpaare für Hochzeitssuppe draufgehen?" Geschrieben wurde das Programm von ihm, weil ihn die Frage umtrieb: "Was macht das Leben mit uns?" Matuschik: "Ich verstehe es nicht!"

Auch im Roxy blieb er gute Antworten schuldig, denn immer wenn der Entertainer ernsthafte Themen anging, sackte er zu schnell wieder in Banalitäten ab. Er ist sich sicher, dass die frisch ankommenden Flüchtlinge integriert werden können: "Meine Oma floh mit meinem Vater nach dem Krieg aus Polen und ich bin heute als Flüchtling der dritten Generation ein bundesweit bekannter Hörfunk- und Rundfunkmoderator." Ob ihm dies irgendwann auch als Kabarettist gelingt? Dem Zuschauer bleibt bis dato nur die Wahl: trinken oder weggehen.

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