Makellose, berührende Meistersinger

Meistersang und Psalmenklang: Durch 800 Jahre Musikgeschichte führte das Scherer-Ensemble in seinem Konzert in der Wengenkirche Ulm.

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Thomas Müller entführte das Publikum in die Klangwelt der Renaissance.  Foto: 

Was ist eigentlich ein Meistersinger? Grundsätzlich einstimmig und unbegleitet trug der Kandidat sein Lied vor und ein "Gemerk" - heute würden wir Jury dazu sagen -, zählte vollkommen ungerührt die Fehler mit und ermittelte so den Gewinner. Nichts anderes also als ein ziemlich strenger Gesangswettbewerb.

Mit einem Baritonsolo, das den Kirchenraum von hinten her erfüllte, gelang es Thomas Müller, der den Abend leitete und anregend moderierte, sein Publikum in die Klangwelt der Renaissance mitzunehmen und in die für heutige Hörgewohnheiten ungewöhnliche Tonalität einzustimmen.

Mit vollem Chor erklang das "Salve Regina" von Orlando di Lasso und eine kühne Überleitung warf das Publikum direkt in die "Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner in "Wach auf"! Spätestens jetzt war klar, was dieses Konzert wollte: Es ging um eine musikhistorische Auseinandersetzung mit dem Meistergesang - in all seinen Facetten und durch die Epochen hindurch.

Kontrastierend zu den einstimmigen Gesängen erklangen wunderschöne polyphone Psalmmotetten, berührend in Text und Darstellung und von tiefer Religiosität geprägt. Der Chor pflegte den ruhigen, warmen Klang, die Stimmen erklangen natürlich und woben sich dicht ineinander, die Schlussakkorde blieben erlösend im Kirchenraum stehen.

Ein kompositorisches Experiment gelang dem Ensemblemitglied Andreas Weil, der die einstimmige Silberweise von Hans Sachs in polyphonen Stil gesetzt hat. Eine gelungene Verbindung von Meistergesang und Motette. Mit dem Schlusschor aus den "Meistersingern", mit vollen Stimmen und virtuoser Begleitung am Klavier von Hannes Kalbrecht ging ein schön gestaltetes, berührendes Konzert zu Ende.

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