Makbule Sadak aus Ulm bei Protesten in Istanbul verletzt

Seit einer Woche laufen nun die Proteste gegen den Umbau des Taksim-Platzes in Istanbul. Am vergangenen Wochenende ist die Ulmerin Makbule Sadak dabei von der Polizei attackiert und verletzt worden.

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    Die Polizei greift bei den Demos in Istanbul hart durch. Foto: 
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    Betroffen war auch die Ulmerin Makbule Sarak, links am Krankenhaus, rechts die Cousine. Foto: 
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Die Ulmerin Makbule Sadak hat letzte Woche ihre Mutter in Istanbul besucht und sich am Freitag der Demonstration gegen den Umbau des Taksim-Platzes angeschlossen. „In den letzten Jahren hat sich Instanbul stark verändert. Grüne Plätze verschwinden, an jeder Ecke gibt es ein Einkaufszentrum, nun soll auch der Park am Taksim-Platz verschwinden. Seit einer Woche besteht sogar ein Alkoholverbot“, berichtet sie aufgebracht. Einige Restaurants rund um den Taksim Platz hätten keine Genehmigung mehr für den Ausschank erhalten. „Es wird immer schlimmer, und die Regierung zieht das Netz still und unmerklich an jedem Eck ein bisschen mehr zu, so, dass es erst einmal nicht auffällt.“

Die Demonstrationen seien anfänglich zwar eine lokale Kampagne gegen den Abriss des Gezi-Parks am Taksin-Platz gewesen, aber nun „ein Aufstand gegen Erdogan und sein System, seine zunehmend autoritäre und neoliberale Politik“. Friedlich seien sie gewesen, die Straßen überfüllt, als die Polizei in einem unverhältnismäßig gewaltsamen Einsatz gegen die Menschen vorgegangen sei: „Sie sind direkt mit Tränengas auf uns los. Ein brutaler Einsatz. Leute die geflüchtet sind, haben sie noch verfolgt. Ich habe einen Strahl abbekommen und bekam Atem- und Herzprobleme, sah nichts mehr, war fast bewusstlos wie einige andere auch. Leute haben mich geschoben und gestützt und brachten mich in die Deutsche Klinik am Taksim-Platz.“ Freundlich habe man ihr und anderen Demonstranten dort geholfen, Wasser verteilt, Erste Hilfe geleistet.

„Es gab unglaublich viele Verletzte. In einem Café haben sie die Verletzten rausgeworfen und einfach die Türen geschlossen. Es war ein fürchterliches Chaos.“ Seither erholt sich Makbule Sadak bei ihrer Mutter, die auf der asiatischen Seite lebt. Nach draußen geht sie nicht, sie hat Angst: „Hier ist es zwar etwas ruhiger, aber die Menschen sind genauso auf der Straße, egal, ob Alt oder Jung. Auch in der Nacht auf Montag noch. Niemand kann mehr schlafen, die Bevölkerung ist aufgebracht. Die Lage ist angespannt.“

Die Ereignisse würden in Bildern und Videos per Handy und Twitter verbreitet. „Ich habe nicht geglaubt, wie brutal die Polizei vorgeht. Aber ich dachte wirklich, ich sterbe.“ Nächste Woche kommt Makbule Sadak, die seit 1974 in Ulm lebt, wieder nach Hause.

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Kommentare

05.06.2013 07:23 Uhr

Antwort auf „SWP = Zensur!!”

Ja, Herr Andreas Schmitz, Meinungsfreiheit gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Und wenn was kritisches geschrieben wird, wird man sofort in die Rechte Seite gedrängt!

Und wer hier Türkei mit Stuttgart vergleicht, hat die Sachlage sowieso nich kapiert.

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04.06.2013 23:56 Uhr

Wie sich die Bilder gleichen!

Rede von Sidar Demirdögen, Vorsitzende des "Bunds der Migrantinnen", bei der 174. Montagsdemo am 3. Juni 2013 in Stuttgart:

Liebe Freunde, „Merkel will's, keiner braucht's, keiner zahlt's” – das Motto der heutigen Montagsdemo beschreibt das, was aktuell die Menschen in der Türkei fordern: “Erdogan will´s und keiner braucht´s!” Denn: „Erdogan holzt Bäume ab, deren Schatten er nicht verkaufen kann!“ Seit fast einer Woche protestieren Hunderttausende in der Türkei für den Erhalt des Gezi-Parks am Taksim Platz in der Türkei.

Nach einem Beschluss der Regierungspartei AKP soll er einem Einkaufszentrum und Luxuswohnungen weichen. Seither formiert sich ein breiter und entschlossener Aufstand gegen die Abholzung der Bäume. Den Anstoß gaben Umweltaktivisten und Parkschützer, die mit einem Protestcamp den Grundstein für die größten Massenproteste gegen die konservative Regierung Erdogans der letzten Jahre legten.
◾Es geht um den Erhalt des Gezi-Parks – in einer Metropole, die seit Jahren mit millionenschweren Prestigeobjekten zubetoniert wird.
◾Es ist der Widerstand von Menschen, die Lebensraum für sich beanspruchen.
◾Es ist der beeindruckende Protest von Menschen, die eine Politik wollen, in der der Mensch und die Umwelt im Mittelpunkt stehen und nicht der Profit! Der Oberbürgermeister von Istanbul und die Regierung reagieren mit brutaler Polizeigewalt. Mit Wasserwerfern, gepanzerten Fahrzeugen und Tränengas gehen Polizisten gegen Menschen vor Tränengas-Behälter werden gezielt auf die Körper der Demonstranten geschossen, es gibt Tausende Verletzte. Die Zahl der Festgenommenen ist so hoch, dass die Polizei Dutzende Sporthallen zu Gefängnissen umfunktionierte.

Die Parkschützer und Demonstranten in der Türkei brauchen dringend Brücken der Solidarität! Eine Solidarität, die auch von hier ausgeht – aus unserer Stadt und unserem Widerstand gegen S21. Mit einer internationalen Öffentlichkeit können wir die politischen Verantwortlichen zwingen, die einstweilige Verfügung eines Istanbuler Gerichts zu respektieren und die laufenden Bauarbeiten zu stoppen. Die Ereignisse in der Türkei machen deutlich, dass der Erhalt von Lebensraum ein demokratisches Recht ist, das wissen wir hier in Stuttgart am besten!

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04.06.2013 23:20 Uhr

Wasserwerfer, Schlagstockeinsatz

http://www.heute.de/Massives-Vorgehen-gegen-Occupy-Demo-in-Istanbul-28186978.html

Erinnert stark an das ehemalige Mappus-Regime hierzulande. Stuttgart 21 und der Schwarze Donnerstag sind überall.

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04.06.2013 23:07 Uhr

Braucht sich nicht wundern.

Wer in die Türkei protestieren geht, muss sich nicht wundern.

An sich ist das keine Meldung wert, wenn eine Türkin in die Türkei zum Protestieren geht und dort 'landestypisch' behandelt wird.

Aber... ist das nicht etwa eine gewählte Regierung?

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04.06.2013 23:07 Uhr

SWP = Zensur!!

A, die SWP ist inzwischen zu feige, kritische Kommentare stehen zu lassen.

Spricht nicht für die Zeitung!!

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04.06.2013 10:21 Uhr

Türkei - Grüne Chefsache

Da müssen sich wohl Cem Özdemir und Claudia Roth darum kümmern.

Hilfreich dabei ist sicherlich, das letztgenannte (Claudia Roth) eine bekennende Türkei-Kennerin ist.
Und bisher die Konflikte in der Türkei liebte (Original-Zitat Claudia Roth - 'Ich liebe die Konflikte in der Türkei'):
http://youtu.be/UpAUQY4Wwlo?t=40s

.

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04.06.2013 07:33 Uhr

Wer sich ...

in ein Bienenneset setzt, muss sich nicht wundern wenn man gestochen wird, wenn man es dann noch bei einer ""Afrikanisierten Biene"" tut, erst recht nicht.

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