Magische Momente beim Musikmarathon

Vielleicht lag es an den frühlingshaften Temperaturen der letzten Tage, die Stimmung im Roxy beim 9. Musikmarathon hätte besser nicht sein können.

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Vielleicht lag es an den frühlingshaften Temperaturen der letzten Tage, die Stimmung im Roxy beim 9. Musikmarathon hätte besser nicht sein können. Schon bei den ersten Bands gab es zufriedene Gesichter bei den Machern vom Verein „Einsatz – Musik für Menschen“. Nicht nur die Musik passte, auch die Besucherzahl war von Beginn an beachtlich. Rechnet man die Musiker des Abends mit ein, die sich vor und nach ihren Auftritten in die Menge stürzten, waren knapp 1000 Musikfans gekommen und leisteten ihren Beitrag zur Unterstützung sozialer Projekte für das ferne Ruanda und Nepal wie für Ulm und Laupheim. Als Gegenleistung erlebte man ein spannend vielfältiges Musikprogramm, von Rock-Haudegen über etablierte Namen aus der Musikszene bis hin zu bemerkenswerten Auftritten neuer Gesichter.

„Es sind nur 15 Minuten, aber da gibst du alles“, so etwas hörte man sogar von Bands wie Benzin. Die haben in den letzten Jahren auf ihren Tourneen bewiesen, dass sie locker zwei Stunden rocken können, beim Musikmarathon ist es jedoch dieser komprimierte und konzentrierte Auftritt, den alle Musiker als Herausforderung sehen. Und sie nutzten die Chance, bewiesen, wie jung und breitgefächert sich die Szene in Ulm und Umgebung präsentiert. Brit-Rock-beeinflusste Klänge bei Green Waste wurden abgelöst vom achtköpfigen Musikprojekt Care or not und Coversongs wie „Ein Kompliment“, Hip Hop mit wummernden Bässen bei den Lemmiwings brachten die ersten zum Tanzen, die Brassmaniacs nutzen den Auftritt mit geschmeidigem Jazzfunk zum Videodreh, Newcomer wie Moody Man feierten die Auferstehung R’n’B- getränkter Rockklänge der 70er Jahre.

Dana Hoffman und Udo Eberl präsentierten die mehr als 20 Künstler und Bands auf zwei Bühnen. Auf der kleineren gab es die etwas ruhigeren Songs wie bei Danny Richter & Band, der Ulmer Ausnahmegitarrist Patrick Wieland, stimmlich grandios unterstützt von der „Voice of Germany“-Sängerin Freaky T, hatte mit „Your Hand“ gleich noch einen neuen Song mitgebracht. Bemerkenswert der Auftritt von Léon, solo, ohne seine Short Sellers, mit Gitarre, Mundharmonika, Fußtrommel und überzeugenden Songs zog er die Zuhörer in seinen Bann. Wer braucht da noch einen Jake Bugg? Eine Zeitreise in die späten 80er und frühen 90er feierten die Fans mit der legendären Rockband AIDA, die vor zehn Jahren zum letzten Mal im Roxy auf einer Bühne gestanden waren. Inzwischen weit verstreut über die Republik lebend, hatten sie für diesen kurzen Auftritt nach eigenen Angaben immerhin eineinhalb Mal geprobt und versprachen nach dem umjubelten Comeback noch ein paar Open-air-Gigs in diesem Sommer. Vor zehn Jahren begann die Karriere der Killerpilze, jetzt sind sie gestandene Rockmusiker und besangen ihre eigene Vergangenheit: „Mein altes Ich ist explodiert.“

Einen magischen Moment konnte man beim Musikmarathon 2013 mit Lilly erleben. Schon vor zwei Jahren war die Sängerin eine Entdeckung, doch diesmal schien alles schief zu laufen. Weil der Lärmpegel im prall gefüllten Roxy die Auftritte auf der kleinen Bühne immer mehr erschwerte, zog Lilly mitsamt Drummer in die große Halle. Dann verursachte ihre Gitarre ständig fiese Rückkopplungen und musste ausgetauscht werden. Doch diese starke Persönlichkeit ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und legte eine dermaßen überzeugende Performance hin, dass es vor der Bühne fast andächtig ruhig wurde.

Gleichwohl kann man seinen Hut nicht tief genug ziehen vor der Leistung der rund 80 Helfer. Dafür gab’s ein großes Dankeschön vom Verein „Einsatz“, dem man ebenso danken muss: Wo sonst bekommt man nach Ocean of Plague, der mit Abstand härtesten Band des Abends, direkt im Anschluss bei Judith & Band fast ätherisch zerbrechliche Songs geboten? Da rockten festivalerprobte Bands wie TOS und Dezemberkind, brachten Good Weather Forecast mit Power-Rock die Menge zum Tanzen, servierten die Ulmer Spitzspatzen herrlich ironisch überdrehten Mitsing-Schlager, ließen Blackout Problems und Canvas Divine ihre Gitarren sprechen – und Stepfather Fred testeten nach sechs Stunden zu vorgerückter Stunde, wie lärmtauglich die verbliebenen Fans noch waren.

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