Männer verboten: Frauenschwimmen im Westbad

Anfangs mit Misstrauen beäugt, hat sich der Frauenschwimmtag im Westbad etabliert. Rund 30 Frauen kommen regelmäßig am Montagvormittag: Ältere, jüngere, einige schwimmen im Bikini, andere zeigen lieber keine Haut.

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Ob mit und ohne Kopftuch, mit deutschen oder anderen Wurzeln - die Frauen im Westbad zeigen untereinander Solidarität, viele haben sich angefreundet. Foto: Rukiye Kaplan

Montag, 10.30 Uhr. Ins Westbad haben Männer um diese Zeit keinen Eintritt. Das Schwimmbad gehört den Frauen - die die Gelegenheit nutzen. An die 30 sind es, grüppchenweise oder einzeln treffen sie ein, jüngere, ältere, manche sehen sportlich aus, manche weniger, manche tragen ihre Haare offen, manche haben ein Kopftuch darüber gezogen.

Dass die Frauen männerfreie Zone haben, ist vor allem Rukiye Kaplan zu verdanken, die das Frauenschwimmen vor rund zwei Jahren durchgesetzt hat. Gegen nicht unerheblichen Widerstand. "Einen Tag für Frauen, wozu braucht man das denn?", lautete der Vorwurf. "Die sollen sich gefälligst integrieren", schoben viele nicht nur in Gedanken nach. Denn genutzt wurde der Frauentag zu einem großen Teil von muslimischen Frauen, die unter Männern nicht ins Wasser wollten.

Inzwischen haben sich die Wogen weitgehend geglättet, vor allem weil der Tag sich nicht mehr mit den öffentlichen Schwimmzeiten überschneidet. Wellen schlagen jetzt nur noch die - übrigens nicht nur muslimischen - Frauen im Nichtschwimmerbecken des Westbads. Viele können nicht gut schwimmen, zumindest nicht zu Beginn der Kurse, die die Schwimmlehrerin Susanne Mayer anbietet. Die Angst vor dem Wasser, die vor allem für die Älteren oft eine Hürde ist, versucht sie mit Hilfe der "Schwimmnudel" zu nehmen - und vor allem mit guten Zureden.

Rukiye Kaplan und Susanne Mayer paddeln von Frau zu Frau, ermutigen oder geben Hilfestellung. Eine Frau, die sie nach längerem guten Zureden dazu gebracht hat, die Beine vom Boden zu nehmen und sich vom Wasser tragen zu lassen, sei ihr hinterher um den Hals gefallen, erzählt Kaplan. "Rukiye, ich kann schwimmen!", hat sie gerufen.

Diese offensichtliche Begeisterung hat auch die Skepsis einiger alteingesessener Badegäste gemildert. "Ich schwimme hier nur, weil mir der Montag passt", betont zwar eine Frau. "Deutsche Frauen brauchen keinen Extra-Frauentag." Auch wenn ihr die Schwimmkleidung einiger Mitschwimmerinnen immer noch suspekt ist - neben Frauen, die im Bikini baden, gibt es auch solche, die einen Ganzkörperanzug tragen - sagt sie: "Aber ich finde es inzwischen gut, dass es den Tag gibt. Die Frauen haben so viel Spaß, und einige würden sonst wohl gar nicht Schwimmen gehen."

Zusammen mit Männern ins Wasser zu gehen, könnte sich die 43-jährige Kizbez Agbulak in der Tat nicht vorstellen. Seit einem halben Jahr kommt sie her, davor war sie mittwochs in Neu-Ulm, wo es schon seit Jahrzehnten einen Frauenschwimmtag gibt. "Es ist gut für die Gesundheit, und ich habe hier Freundinnen gefunden", sagt sie.

Die gute Atmosphäre und die Solidarität der Frauen untereinander sind auch einer der Gründe, warum Susanne Mayer die Gruppen von jeweils zehn Frauen so gerne unterrichtet. Einige stehen am Rand und unterhalten sich - und werden nach wenigen Minuten von Rukiye Kaplan aufgescheucht. Mehr oder weniger schuldbewusst nehmen die Frauen den Kampf mit dem Wasser wieder auf. Wenn dabei die Kräfte ausgehen, zieht die eine die andere an den Armen weiter, damit auch Schwächere die richtige Beinbewegung üben können. So wie die 31-jährige griechischstämmige Russin Aristinova Lamara, die ihrer Freundin Elena Schaff (43) hilft. "Ich habe noch Angst vor dem Wasser", hatte diese zuvor gestanden. "Aber ich will es unbedingt lernen."

Die 52-jährige Hatice Gürel bezeichnen Kaplan und Mayer als ihre "dritte Kraft", weil sie die anderen unermüdlich motiviert und ihnen hilft. Sie selbst ist von Anfang an dabei und konnte schon schwimmen, als sie zur Gruppe stieß. "Aber hier habe ich Dinge wie Rückenschwimmen und Tauchen gelernt", sagt sie. Zwar geht sie auch gerne mit ihrem Mann schwimmen, aber "ohne Männer macht es viel mehr Spaß", meint sie lachend. Frauen seien eben auch mal gerne unter sich. Das sieht auch Yilmaz Sevgi so, die auch zusammen mit ihrer Familie gerne schwimmt, sich aber sehr auf die Schwimm-Montage freut.

Dass die Frauen untereinander so gut auskommen, freut Rukiye Kaplan. Denn die Frage "Kopftuch oder nicht" birgt auch unter Türken durchaus Sprengstoff. "Das ist hier Integration pur", betont Kaplan. Verschiedene Nationen, verschiedene Weltsichten, alle werden im Wasser vereint. Und auch die Generationen, denn inzwischen hat sich eine Schülergruppe dazugesellt. Dadurch wird es zwar etwas enger, aber die Menschen kommen miteinander in Kontakt, das wiege den Nachteil wieder auf. "Wir lernen hier alle Toleranz", sagt Kaplan.

Nur bei einem Punkt bleibt sie hart: Wenn jemand nicht akzeptiert, dass auch männliche Bademeister zugegen sind. "Für so eine Diskussion habe ich keine Zeit." Für die Frauen ist das kein Problem, auch Kizbez Agbulak siehts gelassen: "Die Bademeister sind okay."

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Kommentare

27.05.2013 07:36 Uhr

Frauenschwimmen

Man solte den Männern dieser Frauen mal in den allerwertesten treten. Diese selbstherrlichen und selbstgefälligen Herrenmenschen, die ihren Frauen nur schwimmen erlauben wenn keine Männer dabei sind und das Fahrrad fahren verbieten das ist die totale Unterdrückung der Frau. Da kann ich verstehen dass diese Frauen keine Männer um sich haben wollen, die immer nur sagen das darft du und das darfst du nicht gute oder schlechte muslimin. Den Frauen wird schon als Kinder eingehämmert dass sie schlecht sind wenn sie nicht streng nach den Koran leben. Es ist bestimmt nicht bei allen so aber dieses Beispiel zeigt mir wieder dass es noch genügend gibt die den Koran für die Männer auslegen, oder warum müssen Männer keine Kopftücher tragen und Ganzkörperbadeanzüge. Ich wette dass einige Frauen wieder mal nicht zum Baden dürfen, weil in o.a. Bericht erwähnt wurde dass sich einige trauen im Bikini in Wasser zu gehen oder kein Kopftuch tragen. Mittelalter lässt grüßen.

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26.05.2013 23:50 Uhr

.. oder um es anders zu sagen:

.. oder um es anders zu sagen:

Frauen drängen sich in alle männlichen Bereiche, sei es mit Ellenbogen oder per Gerichtsklage, und hier verlangen sie geschlechtsgetrennte Freiräume für sich.

Das passt einfach nicht.

Wobei ich im Prinzip die Einstellung der Muslimas schon verstehen kann: Die wissen schon, warum sie sich ihre Männer ab und zu vom Hals halten... Seitdem ich gesehen habe, wie die Herren teilweise auf Frauen in Badeanzügen reagieren, kann ich das nur allzu gut verstehen.

Bloß sollte man dann eben auch den Männern die Möglichkeit lassen, sich zu separieren.

In diesem Sinne: Jedem etwas Freiheit gelassen, und allen geht es gut!

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26.05.2013 02:58 Uhr

Diskriminierend

Montags ist Damensauna im Bad Blau(Obwohl die Männer für die Jahreskarte gleich viel zahlen),im Westbad gibt es Frauenbaden......wo gibt es Herrensauna und Männerbadetage?Der Aufschrei der Emanzen wäre gehörgangschädigend: Diskriminierung!Gleichberechtigung!
Getrennte Zeiten sind nicht zeitgemäss und gehören,gerade vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung und Integration, abgeschafft.
In den altehrwürdigen Kurbädern von Baden Baden und Wiesbaden sind ALLE nackt,und zwar 7 Tage die Woche.Selbst getrennte Umkleideräume gibt es nicht.Wem das nicht passt,der soll im Burkini baden wo er will,jedenfalls nicht in unserem freien,westlichen Kulturkreis.
Ich würde mir nicht anmassen, im Hamam in Istanbul nackt herumzulaufen,denn dort gehört sich das nun mal nicht,ich passe mich den örtlichen Gegebenheiten an.Wenn Muslime sich hier ,wie in so vielen anderen Dingen auch,mal wieder nicht anpassen wollen und uns ,in diesem Fall Männer,zwingen draussen zu bleiben,ist das diskriminierend und beleidigend,denn das heißt nicht anderes ,dass alle Männer Spanner und potentielle Vergewaltiger sind.Ich jedenfalls besuche schon lange keine Bäder mehr wo ich diskriminiert werde,und eigentlich gehört dieses Sauerei vor den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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25.05.2013 11:18 Uhr

"Deutsche Frauen brauchen keinen Extra-Frauentag."

Das mag stimmen, und ob es einen eigene Badezeit braucht für Musliminnen, wenn es in Neu-Ulm das bereits seit Jahren gibt - das darf schon bezweifelt werden.

Positiv ist auf jeden Fall die Einstellung von Kaplan:

"Wenn jemand nicht akzeptiert, dass auch männliche Bademeister zugegen sind. "Für so eine Diskussion habe ich keine Zeit." "

Auch so beginnt Integration.

Und in Wirklichkeit ist der Termin ja nicht besonders störend, auch wenn hier Männer ausgeschlossen werden. Bei Frauen würde man von Diskriminierung sprechen und klagen.

Wir brauchen mehr Gleichberechtigung. Auch in dieser Hinsicht.

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