Luxuswohnungen in Ulm und Neu-Ulm: Nur kein Neid

Braucht das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm teure Immobilien mondänen Zuschnitts wie das Inselhaus in Neu-Ulm? Vorbehaltlos: ja! meint Hans-Uli Thierer. Warum, lesen Sie hier.

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Die Insel in Neu-Ulm wird das erste große Immobilien-Vermarktungsprojekt des ehemaligen IT-Managers Oliver Schallhorn.  Foto: 

Neu-Ulm ist in Bezug auf Ulm und im Kleinen, was die Region Ulm/Neu-Ulm in Bezug auf die Metropolregionen Stuttgart/München und im Großen ist: Entlastungsraum.

Speziell gilt dies für den Wohnungsmarkt, auf den in Ulm besonderer Druck lastet: Es fehlt an Angeboten in der City. Neu-Ulm schafft Abhilfe: Jahnufer, Konzertsaal, Braun-Areal, auf der Insel - dort entstehen zusammen an die 200 Wohnungen. Eine ihrer Qualitäten besteht darin, dass sie näher zur Ulmer Innenstadt liegen als die meisten Ulmer Wohnungen.

Diese Woche ist nun der Grundstein gelegt worden für das Brückenhaus der Sparkasse, das zusammen mit drei Wohngebäuden entsteht auf der schönsten und teuersten aller Lagen: auf der Insel. 22 exklusive Wohnungen werden gebaut. Sie erreichen zwar nicht die Preise in Münchner oder Stuttgarter Premiumlagen. Das Wohnglück aber beginnt doch bei noch vor kurzem am Neu-Ulmer Markt nicht für möglich gehaltenen 4500 Euro pro Quadratmeter. Nach oben offen ist die Preisskala zwar nicht, endet aber nicht bei 7000 Euro, die beste Lagen auch am Donau-Jahnufer erzielen.

Braucht das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm solche teuren Immobilien mondänen Zuschnitts? Vorbehaltlos: ja! Dies auch im Wissen, dass anderswo - etwa in den USA - die Vorboten der in ihrer Wirkung vor allem für die kleinen Hausbesitzer ruinösen Immobilienblasen immer rasant steigende Preise waren. Doch sehen lokale Marktbeobachter hierzulande keinerlei Anzeichen für eine Blasenbildung. Warum also Wohnungsangebote speziell für die Noblesse? Alte Ulmer werden sich erinnern, was passierte, als in der Euphorie der Gründungsphase der Universität vor 50 Jahren vergessen worden war, hinreichend Bauland und Wohnungen für das Zuzugspublikum bereitzuhalten. Die Professoren und Ärzte zogen reihenweise ins Umland - mit allen Folgen für den Verkehr. Zudem verlor Ulm tüchtige Steuerzahler. Es wird in einer Stadt immer vielschichtige Einkommensgruppen geben, also auch solche, die sich fetten Luxus leisten können. Entsprechend vielschichtig sollte das Immobilien-Portfolio einer Stadt sein. Nur ja kein Neid.

Allerdings: Die geradezu atemberaubende Neubauentwicklung in Neu-Ulm speziell am Donauufer greift nachhaltig in das dortige Milieu ein, das bisher geprägt ist von durchschnittlichen, teilweise auch unterdurchschnittlichen Einkommensgruppen. Die Neu-Ulmer Stadtpolitik ist gut beraten, sich mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, die eine Verdrängung angestammter Kreise verhindern. Ein Instrument der so genannten Gentrifizierung entgegenzuwirken, das die Stadt an der Hand hat, ist ihre kommunale Wohnungsgesellschaft Nuwog. Nichts wäre der Stadtentwicklung abträglicher, als geriete der Neu-Ulmer Nordwesten zum Reichen-Ghetto.

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Kommentare

15.12.2013 11:46 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Gewinn an Bodenständigkeit””

Der Herr Rath wäre gerne Herr Habermas, aber er ist nur Herr Rath.

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Die Stoßrichtung des Kommentars geht in Ordnung, auch wenn die Argumentation nicht sonderlich zieht. Punktuelle Immobilienprojekte zu Spitzenpreisen in Spitzenlagen sind okay, um die Städte für die mutmaßlich steuerstarke und wirtschaftsstarke Klientiel interessant zu halten und das ein oder andere kleine städtebauliche Highlight zu setzen. Damit kann ich alte Soze gut leben.

Ob die Sparkasse wiederum dafür die Donauinsel monopolisieren darf, sei dahingestellt. Sozialer Wohnungsbau in Ulm und Neu-Ulm steht und fällt aber nicht mit der Donauinsel und auch nicht mit dem "Neu-Ulmer Nordwesten". Die NUWOG und die UWS sollten stattdessen mit mehr Finanzmitteln und Personal ausgestattet werden, um an anderen Stellen, an denen viel mehr Raum ist, attraktiven und leistbaren Wohnraum für Otto Normalulmer zu schaffen. Der hat dann vielleicht nicht die Spitzenlage, die sich die Bonzen leisten können, aber mit guter Bauqualität, guter verkehrlicher Anbindung und niedrig kalkulierten Wohnkosten ist das allemal gut genug.

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14.12.2013 14:14 Uhr

Antwort auf „Gewinn an Bodenständigkeit”

Lieber Verfasser
Ich entschließe mich den Beitrag nicht noch und nochmal zu lesen, sondern ihn einfach nicht in seiner gedachten Vollständigkeit zu verstehen und vermute andere Leser geben sich hier in beachtlicher Zahl verhaltensgleich. Falls die Beiträge wirklich zum verständnisvollen Gebrauch gedacht sind lege ich nahe, in Zukunft wenn möglich (viel) weniger schwülstig zu schreiben. Andernfalls endet der literarische Konsum höchstens bei den Worten "leeres Gerede" in einem leichten Schmunzeln, da dies einem aktuell bekannt vorkommen dürfte :-)

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14.12.2013 13:40 Uhr

Gewinn an Bodenständigkeit

Lediglich ein äußerst vager Begriff davon, was den unumkehrbaren Prozess notwendiger Restrukturierung befördert, erlaubt erst, von Gentrifizierung sprechen zu können. Indes der Souverän durch nicht erhobenen Einspruch auf demokratische Weise von jedem einzelnen Bürger unabweisbar verlangt, besagte und sich ausnahmslos sozial vollziehende Veränderungen ausschließlich ganzheitlich aufzufassen, trägt es nichts aus und bleibt daher von vornherein leeres Gerede, bereits heute ein künftiges Reichen-Ghetto in Neu-Ulms Nordwesten zu vermuten; so, als ob materiell Bessergestellte den sozioökonomisch hiesig stets umfassend herrschenden Gesetzmäßigkeiten allein wegen ihres finanziell weit überdurchschnittlichen Vermögens geradezu gottgleich enthoben sind.

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14.12.2013 12:09 Uhr

was soll uns das sagen?

Ists jetzt gut wenn reiche nach Neu Ulm ziehen oder nicht? Die Aussage mit der Immobilienblase verstehe ich auch nach mehrmaligem lesen nicht.

Was ist die Alternative zum Reichenghetto? Anderes Ghetto mit tausenden kleinen Wohnungen in bedrückend hässlichen und konfliktfördernden Wohnsilos? Das braucht die Doppelstadt nun wirklich nicht noch mehr.

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