Löwenmensch ist gewachsen

In elf Tagen kehrt der Löwenmensch nach Ulm zurück. Während seines Aufenthaltes in der Restaurierwerkstatt in Esslingen ist er um anderthalb Zentimeter gewachsen, und er hat wieder einen rechten Arm.

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    Das Wesen aus Fumane. Foto: 
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Sein Aussehen ist nicht mehr so glatt und faltenfrei wie bisher, seine Schultern sind breiter geworden: Wie der Löwenmensch jetzt, nach seiner Ergänzung und Restaurierung, aussieht, kann man bereits auf den Plakaten und Faltblättern für die Ausstellung "Die Rückkehr des Löwenmenschen - Geschichte, Mythos, Magie" sehen, die am 15. November im Ulmer Museum eröffnet wird.

Die Details zur Restaurierung und zur jetzigen, vollständigeren Gestalt des Löwenmenschen werden erst am 13. November bekanntgegeben, wenn der Star aus der Eiszeit den Medien präsentiert wird. So viel aber verrät Kurt Wehrberger, Leiter der Archäologischen Sammlung des Ulmer Museums, welcher der Löwenmensch gehört, jetzt schon: Auf die Ergänzungen aus Wachs, die bislang die Figur vervollständigt hatten, wurde nunmehr verzichtet.

An vielen Stellen ist das auch nicht mehr nötig. Denn der Grund für die neuerliche Restaurierung war, dass bei Nachgrabungen an der Fundstätte im Hohlensteinstadel in den Jahren 2009 bis 2011 um die 600 bis 800 Fragmente aus dem Abraum der Grabung von 1939 gesiebt wurden, die alle von der etwa 35 000 Jahre alten Elfenbein-Figur stammten. Die war am Vorabend des Zweiten Weltkriegs im Lonetal freigelegt worden. Die bisherige Annahme, sie sei dabei durch einen Pickelhieb zertrümmert worden, wurde von den Restauratoren widerlegt. Der Löwenmensch ist im Lauf der Jahrzehntausende zerfallen, bis er nicht mehr als solcher zu erkennen war.

Drei Jahrzehnte lagerten die Fragmente in den Magazinen des Museums, bis im Dezember 1969 der Tübinger Archäologe Joachim Hahn mit den Bruchstücken experimentierte - und daraus eine menschenähnliche Figur zusammensetzte. Zwar fehlte ihr das Gesicht, doch ein rundes Ohr erinnerte an das eines Bären oder eines Höhlenlöwen. Ein Fortsatz am Unterleib deutete auf ein männliches Wesen.

In den folgenden Jahren tauchten weitere Bruchstücke auf, aber erst 1982 setzte die Paläontologin Elisabeth Schmid das Puzzle fort. Mit Erfolg. Das Wesen bekam ein Gesicht - das Gesicht eines Löwen. Damit stand fest: Es handelte sich um die älteste bekannte Mensch-Tier-Darstellung der Welt.

Schmid allerdings interpretierte die Figur als weiblich. Und als die Statuette im Jahr 1988 erneut in ihre Bestandteile zerlegt und um weitere Teile ergänzt wurde, trat der männliche Fortsatz in den Hintergrund, der Löwenmann war zur Löwenfrau mutiert. Die kuriose Diskussion um das Geschlecht der Figur wurde schließlich von Kurt Wehrberger beendet. Er taufte das Wesen "Löwenmensch". Dieser Name setzte sich spätestens mit der gleichnamigen Ausstellung 1994 im Ulmer Museum durch.

Und nun also wieder eine Restaurierung. Die war in Angriff genommen worden, als es nach den Nachgrabungen der Jahre 2009 bis 2011 als sicher galt, dass dabei sämtliche noch verwert- und zusammensetzbaren Fragmente der Elfenbeinstatuette geborgen worden sind. In langwieriger Handarbeit konnten die Restauratoren die meisten Stücke an die rechte Stelle setzen. Damit hat der Löwenmensch sein Aussehen erneut verändert.

Ob er auch weitere Geheimnisse preisgegeben hat, werden wir am 13. November erfahren.

Der Wisentmensch aus Italien
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