Lobgesänge in einem begeisternden Schwörkonzert

Erst gründete sich die Musikstiftung Ulmer Münster, dann folgte ein gewaltiger Lobgesang: ein beeindruckendes Schwörkonzert mit Werken von Strawinsky und Mendelssohn Bartholdy.

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Friedemann Johannes Wieland dirigert die große Ulmer Konzertvereinigung: Münsterkantorei, Oratorienchor und Philharmoniker. Foto: Lars Schwerdtfeger

Ein erstes feierliches"Halleluja" ertönte im Ulmer Münster schon am Nachmittag. Aber das war im Nordschiff keine Probe, vielmehr spielte das Ensemble Blechlabor jenen Hit aus Händels"Messias" tatsächlich als einen Jubel. Wer da erschienen war zu einem kleinen Festakt, das waren vor allem die Gründungsstifter der"Musikstiftung Ulmer Münster", darunter Oberbürgermeister Ivo Gönner für die Ulmer Bürgerstiftung, um mit ihrer Unterschrift diese neue Institution zu beglaubigen. Über einen Grundstock von rund 185 000 Euro verfügt sie bis dato, um die Kirchenmusik am Münster zu fördern.

So hatte später, im gut besuchten Schwörkonzert, der Choral"Nun danket alle Gott" in Felix Mendelssohn Bartholdys"Lobgesang"-Sinfonie noch einen anderen Klang, nicht nur für Friedemann Johannes Wieland, den Münsterkantor, der diese Musikstiftung angestoßen hat und dessen Arbeit davon profitieren wird. Denn jedes Gemeindemitglied, jeder Konzertbesucher und noch der durchreisende Tourist, den mittags im Münster eine Orgelmusik erwartet, darf sich freuen.

Also, da war eine gehörige Portion Symbolik im Spiel: Ausgerechnet am Schwörwochenende gründet sich im selbstbewusst bürgerschaftlichen Ulm diese Stiftung, und im Schwörkonzert, das traditionell die Brücke schlägt von der Kirche in die Stadt, erklingt die Mendelssohn-Kantate aus dem Jahre 1840, die wie kaum eineandere Musik auf festem protestantischen Fundament erwachenden bürgerlichen Geist zum Ausdruck bringt."Alles, was Odem hat, lobe den Herrn", heißt es mit Psalm 150, wenn nach sinfonischen Sätzen sich die menschliche Stimme meldet. Wer da alles Atem und Lebensenergie hatte in einer prächtigen, von Friedemann Johannes Wieland souverän geleiteten Aufführung: der Motettenchor der Münsterkantorei, der Oratorienchor und das PhilharmonischeOrchester, also die große Ulmer Konzervereinigung.

Durch die Nacht zum Licht: Selbstverständlich lässt sich Beethoven-Verehrer Mendelssohn auch darin begreifen, dass er seinen"Lobgesang" auf biblischer Basis nach der Devise"per aspera ad astra" erzählt. Da berichten die beiden Sopran-Solisten - Sabine Ritterbusch mit großer Präsenz und leuchtender Höhe sowie Cornelia Lanz - im Andante davon, wie sie in aller Hoffnung des Herren harren. Da schildert der Tenor - Roberto Gionfriddo leidenschaftlich, kernig und doch gepflegt - von den Stricken des Todes und seiner Höllenangst. Aber dann kommt die Wende:"So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis", singt der Chor, von Trompetenglanz erweckt, im 7. Satz.

Und wunderbar schlicht erklingt danach der Choral"Nun danket alle Gott". Noch ein beseeltes Duett von Sopran und Tenor, und"maestoso" bringen die Völker danach dem Herrn"Ehre und Macht" herbei. Ein letztes Mal der leitmotivische Posaunenruf, dann fordern die Männerstimmen:"Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Hallaluja!" Wuchtig, euphorisch. Schlichtweg beeindruckend.

Vergessen war deshalb die vorangegangene Aufführung von Igor Strawinsky"Psalmensinfonie" noch lange nicht. Kompliment an den Dirigenten, diese beiden Werke im Programm des Schwörkonzerts verknüpft zu haben. Gewiss lässt sich Strawinskys so umfassender Kontrapunkt der Bläser und der tiefen Streicher, diese moderne Ehrerbietung an die alten kirchenmusikalischen Meister, im Hall des Münsters nicht exakt nachzeichnen. Andererseits wirkte der psalmodierende, oft schwebendfarbenreiche Klang ganz außerordentlich. Ein starke Leistung nicht zuletzt des Chores.

Faszinierend der"Alleluja"-Satz mit den so rhythmisch bewegten, bewegenden"Laudate"-Rufen. Ein hymnisches Singen: ganz zart, dann wieder durchdringend bis ins Forte."Lobet": Ganz am Ende, nach dem letzten Ton der Mendelssohn-Sinfonie, lobten die Zuhörer - ja sie feierten ganz irdisch konkret Chor, Orchester, Solisten und Dirigenten.

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